Marisia - Maros Megyei Múzeum Évkönyve 31/1. (2011)

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102 T. MÖRTZ ebenfalls zwischen Skandinavien und Karpatenbecken sowohl hinsichtlich der Auswahl wie der Anordnung der Objekte gleichartigen Mustern folgt (Hansen 1995; Metzner-Nebelsick 2003; Soroceanu 2005). Dass die Tassen im Falle von Osternienburg und Viernheim in Urnenbestat­tungen gelangen konnten, entspricht einer allgemeinen Differenzierung der Überlieferungssitten zwischen dem westlichen und östlichen Mitteleuropa (Hansen 1994, 115-123). In beiden Fällen waren keine weiteren Metallgefäße vergesellschaftet. Allerdings enthielt das überdurchschnittlich ausgestattete Grab 11 des Hügels von Osternienburg ein umfangreiches, bronzenes Trinkservice (Sprockhoff 1930, 90; Martin 2009, 42, Nr. 35) sowie ein aus Oberitalien stammendes, ver­ziertes Lappenbeil (Bietti Sestieri 1997, 392; Schwarz 2004). Neben den aufgrund ihrer streng reglementierten Komposition außergewöhnlichen Deponierungen wie Dresden-Dobritz lassen sich auch anhand verschiedenartig zusammenge­setzter Bronzefunde auf gleiche Weise vielfältige Bezüge in teils weit entfernte Räume aufzeigen. Exemplarisch führte dies Ch. Reich (1991; 1997) für den Hort von Spindlersfeld im Bezirk Köpe­nick der Stadt Berlin, Deutschland, vor. Ähnliche Ergebnisse ließen sich wohl mittels des ca. 50 km nordwestlich von Dresden-Dobritz entdeckten Hortes I von Elsterwerda, Landkreis Elbe- Elster, Brandenburg, Deutschland (von Brunn 1968, 317, Nr. 57; Sommerfeld 1994, 321-323, Nr. 40), erzielen. Wie bereits W. A. von Brunn (1968, 143) darlegte, handelt es sich bei einem Blechfragment aus jenem Ensemble um das Randstück eines kappenförmigen Helmes, wie sie sonst insbesondere im südlichen Karpatenbecken in vergleichbar strukturierten Deponierun­gen mit hohen Bruchanteilen auftreten (Hansen 1995; Clausing 2001,208-216; Mörtz 2011). Die Horte von Elsterwerda I und Spindlersfeld eint u. a. das Vorhandensein zweiteiliger Blattbügelfibeln, die E. Sprockhoff (1938) einst als „Spindlersfelder Typ“ benannte und welche auch in dem großen Bruchdepot von Uioara de Sus, judet Alba, in Siebenbürgen (Petrescu- Dimbovita 1978,132-135, Nr. 184; Bader 1983,33, Nr. 16.17; Bader 1991,123-124, Nr. 315.316; Hansen 1994,593, RO 425; Soroceanu 2008,37-38), wiederum gemeinsam mit Helmfragmen­ten, belegt sind. Der unweit von Elsterwerda I entdeckte Bronzefund von Weißig am Raschütz, Landkreis Riesa-Großenhain, Sachsen (Kleemann 1942; von Brunn 1968, 344-345, Nr. 226; Sommerfeld 1994,360-364, Nr. 178; Puttkammer 2007,167-168, Nr. 146), enthielt eine Wan­genklappe. Zu welcher Art von Helm diese einstmals gehörte, lässt sich mangels aussagekräftiger Vergesellschaftungen beider Gruppen nur schwer ermessen, doch dürfte das Stück ebenfalls aus dem Karpatenbecken stammen. Neben den Bronzen erregt ebenso die Gestaltung des keramischen Behältnisses, in wel­chem die Gegenstände von Elsterwerda I niedergelegt worden waren, Aufmerksamkeit. Das Zylinderhalsgefäß besitzt nämlich schräg geriefte Henkel (von Brunn 1968, Taf. 63/1), die ebenfalls in einen transkontinentalen Zusammenhang zu stellen sind (Bouzek 1992; Kossack 2002). Diese, offenbar eine Torsion metallener Stäbe nachahmende Formgebung kann demnach während der älteren Urnenfelderzeit von der Lausitz bis in die Ägäis verfolgt werden, besitzt aller­dings die stärksten Affinitäten zur kannelierten Keramik des Karpatenbeckens, insbesondere im Banat, der Vojvodina und im Einzugsgebiet der Morava, sowie im Bereich der mitteldanubischen Urnenfelder (Kossack 1996, 298-301; Kossack 2002, 205). Doch es sind nicht nur einzelne, gestalterische Elemente, die aus dieser Region ihren Weg nach Norden fanden. So wurden ebenso vollständige Keramikgefäße entweder über diese großen Entfernungen hinweg transportiert oder wahrscheinlicher von kundigen Töpfern weitab ihrer Heimat hergestellt. Dies illustrieren schlaglichtartig die karpatenländischen Funde aus dem keine 30 Kilometer von Osternienburg entfernten Grab von Gräfenhainichen-Zschornewitz,

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