Marisia - Maros Megyei Múzeum Évkönyve 13-14. (1984)
I. Arheologie
50 ISTVÁN FERENCZI 18 Unmöglichkeit ist. In der antiken Namengebung kommen solche toponymische Dubletten häufig vor. Dafür könnte man z.B. den Fall vor Sucidava in der Scythia Minor, sowie Sucidava in der Dacia Inferior anführen. Daß der Arge?-Fluß den Namen in der Maskulinform führte, vermutete bereits C. Männert in seinem Werk geschichtlicher Erdkunde, das schon 1812 erschien, im Kontext zu einer wahrscheinlichen Randbemerkung des „Geographen aus Ravenna“ (IV, 5): item fluvius Maris; der bekannte österreichische Historiker C. Patsch ist in dieser Beziehung mit Männert einer Meinung. K. Miller, der die Itineraria Romana veröffentlichte, bemerkte — zu Recht — daß am rechten Ufer der Unteren Donau eine Ortschaft, genannt Transmarisca, in Blüte stand. E. Poiaschek, einer der Autoren des Monumentalwerks RE, nimmt, indem er die Erkenntnis K. Millers weiter ausführt, in seinem Artikel Transmarisca an, es habe auf dem anderen, dem linken Ufer der Unteren Donau eine Marisca oder Mariscum genannte Ortschaft gegeben. Diesem Argument könnte man entgegenstellen, daß die Ortschaft Transmarisca in Moesia Inferior, die man übrigens auf dem Gebiet der heutigen Stadt Tutrakan (Bulgarien) lokalisierte, erst spät, im 2. Jh. u. Z., wann Claudius Ptolemaeus lebte, erwähnt wird. Doch ist es bekannt, daß der Geograph aus Alexandria ältere Quellen, besonders Marinus aus Tyrus, verwendete. Aufgrund der sicher bekannten Lage der antiken Ortschaft Transmarisca, sowie der dokumentarisch nicht bekannten, doch zwingend vermuteten Ortschaft am anderen Ufer, könnte der Flußname Maris entweder mit dem Arge?, dessen Mündung gegenüber Transmarisca lag, identifiziert werden, oder mit dem heutigen Dimbovi(a-Fluß; mit dem letzteren aber nur für den Fall, daß dieser damals eine vom Arge? gesonderte Mündung hatte, was dank gewisser geomonphologischer Beobachtungen des großen rumänischen Geographen G. Välsan gar nicht von der Hand zu weisen ist. Schlußfolgerung: Herodot und Strabo haben keinen Fehler in der beschreibenden Geographie begangen, wenn sie behaupteten, der Maris bereichere durch sein Gewässer die Untere Donau. Was den antiken Namen des Arge? betrifft, so müßte dieser eher Maris(us) als Ordessos gelautet haben, denn an seiner Mündung in die Donau dürfte, allerdings einige Jahrhunderte später, eine Ortschaft Marisca oder Mariscum bestanden haben. Wenn auch nicht dokumentarisch festgelegt, muß sie doch angenommen werden, denn am anderen, dem südlichen Donauufer lag die Ortschaft Transmarisca oder Transmariscum. Diese ist sowohl im Text des CI. Ptolemaeus (Geographia, III, 10, 5), in den römischen Itinerarien (Tabula Peutingeriana, VIII, 2; Itinerarum. Antonini, 223) erwähnt, als auch in den Notitia Dignitatum (S. 89, or. XL, 23). Der Maris aus Muntenien (sei er nun mit dem Arge?, sei er mit der noch nicht mit dem Arge? vereinten Dimbovi(a gleichzustellen) ist keinesfalls identisch mit dem Maris (?) aus Transsilvanien. Diese Schlußfolgerung bringt selbstverständlich auch gewisse Implikationen bezüglich des Gebietes der Agathyrsen mit sich.