Zs. Kakuk , I. Baski (Hrsg.): Kasantatarische Volksmärchen: Auf Grund der Sammlung von Ignác Kúnos.
Texte
89 hebend, taumelnd, stolpernd und strauchelnd kehrten sie ins Schloss des Padischahs zurück. Der Padischah betrachtete die alte Frau. Dieses Grossmütterchen war die einundvierzigste Mutter der vierzig Hexen. Ein Zahn der Alten ragte zum Himmel, der andere war in der Erde, das Geischt war so gefurcht, dass wenn ein Mensch vom Wagen oder vom Pferd hineinfallen würde, er sich darin verlieren würde. Der Padischah erschrak, als er auf ihr Gesicht blickte. Da er aber in Not war, musste er, ob er wollte oder nicht trotzdem zu der Alten gehen und mit ihr sprechen. Der Padischah erzählte dem Mütterchen, wie die Sache steht, ob sie das verlorene Tuch und die Pfeife nicht finden könnte. Das Mütterchen sagte: "Wenn es im Feuer verbrannt nicht zur Asche ward, werde ich es finden, auch wenn es zu Asche ward, ist es auffindbar, doch von der Asche wird man keinen grossen Nutzen haben." Als der Padischah diese Worte hörte, beruhigte er sich ein wenig. Das Mütterchen wurde ins Haus geführt. Im Haus schnüffelte das Mütterchen herum, sie begann an der Brust zu nesteln, zog aus der Brust Stannagel und Zauberbeutel hervor und warf sie auf den Tisch, und als sie ihr Buch öffnete, sagte sie, man solle die Witwen der verstorbenen Schwiegersöhne des alten Padischahs hereinführen. Im gleichen Augenblik [liess man sie] vor die alte Frau führen! [100] Das Mütterchen kannte das innige Geheimnis dieser jungen Frauen. Das Mütterchen sagte: "Wohin habt ihr das Tuch und die Pfeife aus der Tasche des Padischahs getan? Bringt sie sofort und legt sie mir vor, sonst werdet ihr umkommen!" Die Witwen drehten und wandten sich und versuchten davonzukommen. Das Mütterchen begann sie zu bedrängen: "Unverzüglich sucht und gebt sie her." Diese sahen sich an, erschraken und sie kamen kaum zu Wort: "Als wir mit der Frau des Padischahs ins Bad gingen, haben wir sie aus der Hosentasche herausgenommen und als wir die schmutzige Wäsche waschen gingen, haben wir sie auf den Grund des Meeres geworfen", sagten sie. Das Mütterchen lief ans Meer. Ohne lange zu überlegen, riss sie sich alle Haare vom Kopf ab, schlug einen Pfahl in die Erde, band das eine Ende des Strickes an den Pfahl, ergriff mit einer Hand das andere Ende und stürzte sich ins Meer. Nach drei Tagen kam das Mütterchen vom Grund des Meeres wieder herauf. In seinem Mund das Tuch und die Pfeife. Die alte Frau zog schnell ihre Kleider an und eilte zum Padischah. Als der Padischah das Tuch und die Pfeife erblickte, fiel er ohnmächtig zu Boden. Nachdem der Padischah nach einer kurzen Weile wieder das Bewusstsein erlangte und auf die Beine sprang, kam vom Oberwesir eine schriftliche Botschaft: "Die Soldaten sind tot, wir sind vernichtet" .[101] Der Padischah ohne es befohlen zu haben dass man die alte Frau aus dem Schloss führen soll, sondern lief rasch aus der Stadt, nahm aus der Tasche das Tuch und die Pfeife und pfiff hinein. Da erschien das blaugraue Ross mit der ganzen Kampfausrüstung vor ihm. Der Padischah zog sich kaum an, sass eiligst auf das Pferd und versetzte ihm einen Schlag. In einem Augenblick erreichte er das Schlachtfeld. Er sah, dass die Soldaten kamen um und die Dinge sehr schlecht stehen. Ohne sich eine Minute aufzuhalten, stürzte er sich in die Schlacht und be-