Zs. Kakuk , I. Baski (Hrsg.): Kasantatarische Volksmärchen: Auf Grund der Sammlung von Ignác Kúnos.
Texte
61 Volk sagte: "Was macht der Padischah jetzt in seiner Wut, uns hat er vergebens versammelt", und alle gingen auseinander. Nachdem sich das Volk zerstreut hat, spannten sie ein Pferd vor einen Wagen, zwei Sklaven wurden gezeichnet und die Zeit rückte heran, den Jungen fortzuschicken. Der Knabe weinte und ging zu seiner Mutter und wollte sich auch mit dem Vater treffen. Der Padischah [64] erlaubte dem Jungen nicht, zu ihm zu kommen, er war zornig, dass er noch nicht weggegangen ist und sagte, er solle augenblicklich verschwinden. Die Minister führten zitternd und weinend den Knaben vor. Der Junge trat durch das Tor, und bevor er nicht in die Steppe gelangte, drehte er sich immer wieder um, aus den Augen liefen ihm die Tränen, er flehte zu Allah, verliess die Stadt und verschwand. Nachdem sie eine Weile gegangen sind, nahmen die vorn sitzenden Sklaven dem Jungen die fürstliche Kleidung ab und legten sie an, den Jungen setzten sie nach vorn und auf der Landstrasse Staub aufwirbelnd, das Pferd rasch antreibend (wörtlich: die Beine des Pferdes eins nach dem anderen stossend), die vorderen Räder nach den hinteren Rädern rollend), fuhren sie, wohin die Augen blickten. Sie fuhren ein Jahr und nachdem sie viele Tage gegangen sind, kamen sie in eine Stadt. Als sie durch die Stadt und am Schloss des Hauptmanns der Stadt vorbeizogen, erblickte sie der Hauptmann der Stadt und er fragte sich, welche Padischahs das sein können und er lud sie zu Gast ein. Sie gingen herein. Als sie in den Hof traten, sprang der Junge vom Bock, spannte das Pferd aus, [65] um es ruhen zu lassen, führte er es in den Schuppen, hob ihm den Kopf mit dem Halfter an den Balken und band es an den Ring. Die Diener gingen als Söhne eines Padischahs geradewegs in das Schloss hinein. Der Padischah (=der Hauptmann der Stadt) konnte sie nicht erkennen, er glaubte, dass sie wirkliche Padischahs sind und bemühte sich, sie so zu bewirten, wie er nur vermochte. Er führte sie in sein eigenes Zimmer, zusammen sass er mit ihnen an einem Tisch und ass mit ihnen zusammen aus einem Teller. Inzwischen führten sie den Burschen in das Haus der Knechte, damit er satt werde, und sie sahen, dass der Knabe hinter ihnen langsam schreitend zu Boden unter die Füsse blickt und leise, widerwillig, niedergeschlagen, mit Tränen in den Augen eintritt. Der Knabe ist schön von Angesicht, jedem fällt es auf, er hat ein rundes Gesicht, eine schöne Nase und ein rundes Kinn. Zum Glück hatte der Padischah drei Töchter. Von den Töchtern haben die zwei älteren auf die zwei Burschen, die als Gäste im Zimmer des Padischahs sassen, ein Auge geworfen, von Kopf bis Fuss entbrannten sie im Feuer, sie wussten selbst nicht wohin zu treten, sie sprangen um sie wie Erbsen in einer heissen Pfanne. [66] So ist das schon, ohne ihrer Schönheit zu achten, liebte der Padischah seine jüngste Tochter sehr. Nach kurzer Zeit ahnte der Padischah die Sache und hat die zwei Töchter den zwei Burschen zur Frau gegeben, er machte eine grosse Hochzeit, vierzig Kamele liess er schlachten, Pferdewurst füllen, die Hühner gackerten, die Trommel schlug: Bumm-dumm-bumm, das Schloss erzitterte, er lud Gäste ein, liess sie trauen und man schloss sie in ein Hochzeitszimmer ein. Inzwischen ging der zum