Zs. Kakuk , I. Baski (Hrsg.): Kasantatarische Volksmärchen: Auf Grund der Sammlung von Ignác Kúnos.

Texte

53 ihn hinaus, packten ihn an den Händen, stiessen ihn in den Hintern und sofort brachten ihn zum Padischah. Der Padischah sah, dass er den ihn verratenden Alten an Erbärmlichkeit noch übertrifft. Nicht nur, dass er keine Augen, nicht mal die Stelle für Augen hatte er. Der Padischah wunderte sich sehr darüber und dachte, dass von den Alten kein einziger jetzt hier nötig ist. Der Padischah übertönte die Stimme des Volkes und liess ausrufen, wer Wächter im Garten sein wolle. Da das Volk das Schicksal des Gartens kannte, wagte niemand, den Garten zu bewachen. Der Padischah liess einmal sagen, zweimal sagen, dreimal sagen, keiner meldete sich. Inzwischen entwickelt sich der Garten. Da der Padischah keine Antwort bekam und nicht wusste, was er tun soll, und er deshalb verzweifelt war, rief der genannte, zuletzt gekommene augenlose Alte: "Die Wache des Gartens übernehme ich." Das versammelte Volk hörte seine Stimme: "was kann man von diesem Alten er­warten?" lachten sie staunend und schlugen sich auf die Schenkel. Da wusste der Padischah nicht, was er in seinem Zorn tun soll. Und weil sich niemand anderer meldete, [54] erhob er sich noch einmal ein wenig, schaute den Alten an und dachte bei sich, jetzt ist alles egal, diese Sache wird nicht gelingen, geht der Garten zugrunde, soll mit ihm auch der Alte zugrunde gehen und er dachte daran, dass er den Alten hinstellt (als Wächter). Und zum Alten: "Nun, Väterchen, du bist genug alt geworden, die Zeit ist über dich hinweggegangen, dein Kleid sind zerschlissen, du hast ein Alter von hundertvierzig Jahren erreicht, brauchst du einen Gefährten?" Der Alte schrie aus vollem Hals: "Ich brauche keinerlei Gefährten, Allah ist mein Gefährte." Der Padischah war besorgst, dass er keinen Anderen fand, so schickte er den Alten in den Garten. Der Alte sagte zum Padischah: "Hei, mein Padischah, gehe selber in den Garten und vor eigenen Augen, lasse in der Mitte des Gartens ein Zelt aufstellen, aus dem Garten wird nichts ver­schwinden, wenn etwas verschwinden sollte, schlägst du mir den Kopf ab." Darauf sagte der Padischah: "Dein Kopf ist nicht mal soviel wert wie eine Wassermelone", und seiner Worte nicht achtend, sagte er nichts, ging zu­rück und erzählte die Sache seiner Frau. Der Alte schleppte sich, wie er konnte, in den Garten und liess das ihm bequem bereitete Zelt in die Mitte des Gartens bringen. Wie auch im Vorjahr war der Garten sehr schön und wuchs. Einmal [55] fiel dem Padischah der Garten ein, er liess einen Diener das Pferd besteigen und schickte ihn, nachzusehen. Der Diener ging in den Garten, begrüsste den Alten, als er sich erkundigte, wie es ihm geht, schrie ihn der Alte mit harter Stimme an: "Brüderchen, warum bist du in meinen Garten ohne Erlaubnis gekommen?" Der Diener antwortete: "Ich bin ein Knecht des Padischahs, der Padischah hat mich geschickt, damit ich nach dem Garten sehe." Dessenungeachtet sagte der Alte zum Diener: "Nicht nur du, auch der Padischah, wenn er käme, dürfte nicht ohne meine Erlaubnis hereinkommen. Sobald der Garten reif sein wird, werde ich selbst den Padischah benachrich­tigen, behelligt mich nicht, dass ihr vor der Zeit herkommt." Der Diener machte kehrt und ging nach Hause. Er ging zum Padischah und berichtete, wie die Lage ist, der Padischah lachte und blieb zu Hause.

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