Zs. Kakuk , I. Baski (Hrsg.): Kasantatarische Volksmärchen: Auf Grund der Sammlung von Ignác Kúnos.

Texte

47 und anpflanzen wird. Um diesen Gedanken zu verwirklichen, hat er eines Tages zahllose Tagelöhner gedingt und liess den Boden pflügen. Sie pflügten und hark­ten und pflanzten Wassermelonen, Zuckermelonen und allerlei Gemüse. Der Garten wurde sehr schön, die Saat ging auf und wuchs. Der Padischah sagte, dass der Garten so zugrunde gehen wird, man werde ihn bestehlen, dachte sich aus, einen Wächter hinzustellen. Er versammelte das ganze Volk, das ihm Untertan war und wählte Wächter aus. Der Garten entwickelte sich sehr schön. Eines Tages verkündete der Padischah seinen Angehörigen, dass er ein Fest veranstalten will und der Festtag brach an. Der Padischah zog sich an, schmückte sich für den Weg, schwang sich auf ein Pferd, nahm eine Peitsche in die Hand, die Keule hing er an den Gürtel, band das Schwert um den Leib, steckte eine Pfeife in den Mund und machte sich auf zum Garten. Er kam an den Rand des Gartens. Da blickten [46] die vier Wächter verzweifelt und er­staunt in vier Richtungen. Der Padischah kam, grossen Lärm schlagend, mit Musikbegleitung bei der Grenze des Gartens an. Er reckte sich und schaute in den Garten. Ausser der schwarzen Erde sah er nichts im Garten. Der Padi­schah rief die Wächter zu sich und sagte: "Was ist denn das? Er fragte die Wächter, wie das passiert ist. Die Wächter waren sehr erschrocken, die Knie zitterten ihnen und sie antworteten, dass der Garten am Abend noch unver­sehrt war. "Als wir heute früh aufwachten, wunderten wir uns ebenfalls, als wir den Garten in diesem Zustand sahen." Der Padischah sagte zu den Wäch­tern: Ihr seid keine Wächter, sondern Hunde, ich habe euch deshalb hierher gestellt, damit ihr wachen sollt, ihr seid von der Arbeit entlassen." Der Padi­schah beschimpfte die Wächter, das Gesicht runzelnd, die Augen aufreissend und sagte an Ort und Stelle zu seinen Ministern: "Jetzt ist die Sache so ge­schehen, doch ich will die Sache auch zum zweitenmal probieren; das ist so geworden, die Vorräte für das Fest sind dahin." Verbittert, langsam und niedergeschlagen kehrten sie heim. So haben sie in diesem Jahr keine Wasser­melonen, Zuckermelonen, Gurken, Zuckerrüben; Mohrrüben und keinen Kürbis, gegessen[47] und nur ihre eigenen Möhren [hier: Penis] gekaut. Es verging nicht viel Zeit, die vergehenden Tage vergingen, das Leben versickert langsam. Die Wässer verflossen, das Eis taute, die Felder keim­ten, die Wiesen grünten, die Vögel aus fernen Landen sangen mit schönen Stimmen schmachtend nach ihren im Herbst bereiteten und verlassenen Nes­tern, breiteten die Schwingen aus, neigten ihren Kopf zur Seite und Hessen ihr Gefieder, viele waren völlig kahl, kamen an. Mit ihnen zusammen, mit den von allen erwarteten schönen Zeit zusammen kamen auch die Frühlingsta­ge. Da dachte sich der Padischah aus, dass er in diesem Jahr wieder einen Garten anlegen lassen wird. Er dingte wieder Wächter, die Lahmen und Krüp­pel versammelte er, räudige Pferde spannte er vor die Egge, er schickte sie, ihre Fohlen hinter sie gebunden, in den Garten, zu pflügen mit dem Pflug. Die Tagelöhner gaben sich grosse Mühe, ohne bei Tag zu gegessen und bei Nacht geschlafen zu haben, nie gehend — immer gehend, frühmorgens gingen sie,

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