György, Josef: Die Goethe-Sammlung Balthasar Elischers in der Bibliothek der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (A MTAK kiadványai 39. Budapest, 1963)
diges Konzept „Über den Granit" mit einigen Darstellungen von Kristallen (4), 89 eine verblasste Bleistiftnotiz über „Tausend und eine Nacht" (5), die Originalhandschrift von Goethes kleinem Gedicht: „Modernes" (1), sowie der Vierzeiler: „Morgens rund ...", ein Rätsel von der Kartoffel (2). Unter den 14 Briefen, die Goethe eigenhändig schrieb, oder aber nur unterzeichnete, ist ein an Herder gerichtetes Schreiben vom Jahre 1789 zu erwähnen, in dem von den Lateinstudien des Herzogs Constantin die Rede ist (18). Ungemein interessant sind die beiden Briefe, die Goethe am 30. Mai (20) und am 17. Nov. (19) 1791 dem Berliner Hofmusikdirektor Joachim Friedrich Reichardt schrieb. Im ersten Briefe äussert er sich über die Lage des Weimarer Theaters, scharfe Kritik übend: „Im ganzen macht mir unser Theater Vergnügen, es ist schon um vieles besser, als das vorige, und es kommt nur darauf an, dass sie sich zusammen spielen, auf gewisse mechanische Vortheile aufmerksam werden und nach und nach aus dem abscheulichen Schlendrian, in dem die mehrsten deutschen Schauspieler bequem hinleiern, nach und nach herausgebracht werden. Ich werde selbst einige Stücke schreiben, mich darinne einigermassen dem Geschmack des Augenblicks nähern und sehen, ob man sie nach und nach an ein gebundenes, kunstreicheres Spiel gewöhnen kann". Gegen Ende des Briefes schreibt Goethe über seine Farbenlehre: „Wenn ich mich nicht betrüge, so muss sie mancherlei Revolutionen sowohl in der Naturlehre als in der Kunst hervorbringen". Im zweiten Briefe sagt er von seinen optischen Studien: „Sie werden in der Folge noch wunderbare Dinge zu sehen kriegen, und wenn ich mich nicht sehr irre, so wird die Neutonische Hypothese ... wie eine alte Mauer zusammen fallen, wenn ich nur erst ihr Fundament werde untergraben haben. Denn einer so wohlvertheidigten Festung ist bloss durch minieren anzukommen ...". Noch reichhaltiger ist die Sammlung in Bezug auf die Zeitgenossen Goethes. Wenn wir den Katalog durcbhlättern, ersteht der Weimarer Hof, mit seinen Protagonisten, sozusagen vor unseren Augen zu neuem Leben. Es finden sich hier zwei eigenhändige Briefe der Grossherzogin Anna Amalia an die Malerin Angelica Kauffmann (2), fünf Briefe des Grossherzogs Karl August (15—19), derunter einer an den König von Preussen ; ein eigenhändiger Brief Herders (54) und ein besonders bemerkenswerter Brief Vielands (136), in dem er sich über Goethe und den Grossherzog äussert; ein Brief Johann Heinrich v. Merck's an den Weimarer Oberbauinspektor Coudrays (23), zwei Briefe des Obersthofmeisters Friedrich Hildebrand Einsiedel an den Schriftsteller und Prinzenerzieher Karl Ludwig Knebel (33—34), ein BriefBertuchsanden Buchhändler Goeschen (7). Auch zwei Briefe der Frau von Stein an Knebel bereichern die Sammlung (123—124). 9 0 Die Quittung der Schauspielerin Corona Schröter vom 20. März 1783 über 89 Ein kurzes Konzept für die kleine Abhandlung Goethes : Über den Granit. „Der Granit ist durch Chrystallisation entstanden", schreibt er hier eigenhändig, was deshalb bemerkenswert ist, weil die Handschrift, die der Ausgabe als Grundlage diente, von der Hand des Sekretärs Philipp Seidel (1755—1820) herrührt und nur mit eigenhändigen Korrekturen Goethes versehen ist. Die entsprechende Stelle des veröffentlichten Artikels lautet : „... der Granit durch eine lebendige, bei ihrem Ursprung sehr zusammengedrängte Krystallisation entstanden ist". — Goethes Werke. W. A. II. Abt. 9. Bd. I. Teil. S. 178—180. 90 Frau von Stein schreibt in ihrem Brief vom 16. Sept. 1826 an Knebel : „Verehrter Freund ! Tausend Dank für die Lebens Blüthen, ich hatte schon lang zu meiner Erquickung aus der Schale genommen, mit der Grossherzogin werde ichs besorgen. Für die süssen Trauben sage ich auch den schönsten Dank und freue mich besonders dass Sie sie selbst holen konten. Der lieben Frau und meinen lieben Pathen grüss ich freundlichst. Wenn Sie unter die Oracles doppelte nummern haben so bitte sie zurück zu senden leben Sie wohl verehrter Freund, meine Kräfte sind erschöpft. v. Stein." Knebel hatte die Lebensblüthen, Erstes Heft, Jena 1826, an Frau von Stein gesandt. Kutasi glaubte 25