György, Josef: Die Goethe-Sammlung Balthasar Elischers in der Bibliothek der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (A MTAK kiadványai 39. Budapest, 1963)
musikalischem Gebiet besonders starke Anregungen durch Karl Thern und Robert Volkmann ; besonders letzterer gehörte zu seinen vertrautesten Freunden. 5 3 Den Kreis ergänzte der „grosse Verleger" Gustav Heckenast. 5 4 Die engen Beziehungen gehen wahrscheinlich noch auf die gemeinsame Studienzeit in Eperjes zurück. Die innige Freundschaft, die Volkmann, Elischer und Heckenast miteinander verband, spiegelt sich am besten in den Briefen Volkmanns wider; 5 5 diese Briefe werfen ein helles Licht auf den Charakter des Schreibers und auf seinen prächtigen, tiefen Humor; zudem kommen oft auch die historischen Ereignisse der Zeit zur Sprache. Volkmann war Elischers Berater in musikalischen Fragen, da dieser auch selbst komponierte und u. a. ein Gedicht Heines vertont hat. (Die Handschrift der Komposition ging im Kriege verloren.) Elischer aber war, gemeinsam mit seiner edelgesinnten Gattin, dem in praktischen Dingen unerfahrenen und unbeholfenen Musiker stets behilflich und die Türen ihres Hauses standen ihm immer offen. Liebe und Dankbarkeit spricht aus den Briefen Volkmanns, die er an den „edelsten aller Balthasäre", an den „geliebten Baldusch", den „Herzog von Eperjes und allen umliegenden Ortschaften" richtete. 5 6 Diese scherzhaften Bezeichnungen stammen aus der Gesellschaft, die Gustav Heckenasts Pilismaróter Sommerresidenz zusammenkam und sich seit 1853 den „Orden der Ritter vom güldenen Zahnstocher" nannte, dann 1856 diesen Namen in „Pester RoastbeefKlub" abänderte. Präsident war Rudolf Fuchs, einer der Direktoren der Pester Walzmühle und langjähriges Mitglied der Weimarer Goethe-Gesellschaft; als Vizepräsident fungierte der Hausherr, Gustav Heckenast und Schriftführer des Klubs war Robert Volkmann. Elischer hatte den Rang des „Grossmeisters" inne. 5 7 Zu den Mitgliedern gehörten der bekannte Arzt Julius Koller und Emmerich Fest (1817—1883), Redakteur volkswirtschaftlicher Blätter. Als Gast nahm an den Zusammenkünften öfter auch der Berliner Hofschauspieler L. Dessoir teil, der 1837—1839 am Pester Deutschen Theater tätig war. Den Ort der Sitzungen nannte man nach Heckenasts Würde im Klub „Viziat", und es wurde hier ein Protokoll geführt, mit lustigen Zeichnungen und launigen 53 Der Komponist Karl Thern (1817—1886) stammte aus einer oberungarischen deutschen Familie. 1832 gründete er einen Musikverein in Miskolc, 1841 wurde er zum Dirigenten am Nationaltheater ernannt. Von 1853 an unterrichtete er an der National-Musikschule. Auch seine Söhne Wilhelm und Ludwig waren bekannte Musiker. Mehrere seiner Opern behandeln nationale Stoffe. Er lebte bis 1868 in Pest. Robert Volkmann (1815—1883) wurde in Lommatzsch (Sachsen) geboren, wo sein Vater Kantor war und dem Sohn schon vom 9. Lebensjahre an Musikunterricht erteilte. Am Freiberger Seminar bereitete er sich zum Lehrerberuf vor, doch Musikdirektor A. F. Anacker (1790—1854) eiferte ihn an, Komponist zu werden. In den Jahren 1836—39 studierte er in Leipzig bei K. F. Becker (1804—1877), 1839 war er in Prag und später dann bei der gräflichen Familie Stainlein-Saalenstein in Szemeréd als Musiklehrer tätig. In Pest lebte er 1841 von Privatstunden; 1853 begab er sich nach Sachsen, 1856 liess er sich in Wien nieder, kehrte aber 1858 nach Pest zurück, wo er bis zu seinem Tode lebte. An der Musikakademie war er Professor der Kompositionslehre. Sein Wohnhaus in der Ofner Burg wurde mit einer Gedenktafel versehen, eine Budapester Strasse führt seinen Namen. 54 Gustav Heckenast (1811—1878) wurde in Kaschau geboren. Sein Vater war ev. Geistlicher. Er studierte in Eperjes, arbeitete darauf in einer Spezereiwarenhandlung, später in einer Buchhandlung. Im Jahre 1839 übernahm er die Pester Verlagsbuchhandlung Otto Wigands. In seinem Verlage erschienen die Werke mehrerer deutscher und österreichischer Schriftsteller (Stifter, Hebbel, Rosegger). 1840 assoziierte er sich mit dem Drucker Landerer. Seine Buchhandlung wurde 1873 vom Verlage der Franklin-Gesellschaft (Franklin Társulat) übernommen. 55 Volkmann, Hans: Briefe von Robert Volkmann. Leipzig 1917. 56 Ebda, S. 87. (Brief an B. Elischer vom 5. Jan. 1854.) 57 Szemző Piroska: Heckenast Gusztáv a zenei kiadó. (G. H., der Musikverleger.) Budapest 1962. S. 26 und Pukánszky, а. а. О. S. 190—191. sowie ders., Souvenir de Pilismarót. Tükör. 1939. S. 207—210. 18