Miklós Kásler - Zoltán Szentirmay (szerk): Identifizierung der Skelette von Angehörigen des Arpadenhauses in der Matthiaskirche. Unter Verwendung von historischen, archäologischen, anthropologischen, radiologischen, morphologischen, Radiokarbondatierungs- und genetischen Daten (Budapest, 2021)

3. KAPITEL – Archäologische, anthropologische und radiologische Daten

samkeit und wurde von der Stadtverwaltung an höhere Stellen ge­meldet; die Ausgrabungen wiederum wurden so lange ausgesetzt, bis die seitens des Ungarischen Nationalmuseums entsandten Fachleute endlich am Schauplatz erscheinen würden. Als das geschah, wurden die Ausgrabungen weiter fortgesetzt und nachdem von dem neben dem ersten Sarg liegenden, ebenfalls aus Marmor bestehenden Sarg der Erdschutt wie auch der Gesteinsschutt mit gotischen Merkmalen entfernt worden war, wurde der Sarg am 12. Dezember, um 8 Uhr morgens geöffnet. Ein heiliges Grausen packte uns am Leib, als sich vor uns das Grab öffnete und wir darin die Gebeine des einstigen Königs der ungarischen Nation und zwischen den Knochen den kö­niglichen Schmuck liegen sahen; denn außerdem war alles, was die Zeit nur vernichten konnte, vernichtet worden“ (Pauer 1849). An die Öffnung des Grabes des Königspaares erinnerte sich 1853 auch János Érdy: „vor unseren Augen erschien ein starkes männliches Skelett, bedeckt von der Asche früherer Jahrhunderte, die der Wind jetzt erstmals berührte. Auf dem 6 Fuß und 2 Zoll langen, noch nie berührten Silberschmuck war eine rötlich-graue Farbe, und diese spe­zielle Farbe wurde später dunkler. Zu diesem schönen Anblick strömte eine lärmende Menschenmenge auf den sonst ruhigen Platz. Grup­penweise sprangen die Leute in die Grube und der Aufseher war nicht mehr in Lage, jemanden zurückzuhalten. Ältere Damen beteten mit tränenden Augen vor den zerbröckelten Reliquien, während sich an­dere nachdenklich über das schockierende Bild des einst prachtvollen Lebens wunderten und wieder andere rätselten oder fragten sich: wel­cher unserer Könige ist dieses starke Skelett“ (Érdy 1853). Das Skelett dürfte ungewöhnlich groß, etwa 188-190 cm gewe­sen sein. Die große Statur zeigt nordische Merkmale, da die Arpaden 66

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