Miklós Kásler - Zoltán Szentirmay (szerk): Identifizierung der Skelette von Angehörigen des Arpadenhauses in der Matthiaskirche. Unter Verwendung von historischen, archäologischen, anthropologischen, radiologischen, morphologischen, Radiokarbondatierungs- und genetischen Daten (Budapest, 2021)
2. KAPITEL – Historischer Hintergrund
Ungarn. Die Heiligsprechung von Stephan und Emmerich im Jahre 1083 stellte auch eine große Anerkennung für die christlich-ungarische Staatlichkeit dar. Und in 1091 startete das Königreich Ungarn eine Annektionspolitik auf dem Nordbalkan, die sich im Laufe des 12. Jahrhunderts voll entfaltete. Unter Ausnutzung innerer Konflikte der südwestlichen Nachbarn besetzte Ladislaus 1091 Kroatien, wo er seinen jüngeren Neffen, Prinz Álmos zum König krönen ließ. Der direkte Nachfolger von Ladislaus, der ungarische König Koloman der Buchkundige (1095-1116), ließ sich 1102 in Biograd na Moru zum kroatischen König krönen und schuf damit die ungarisch-kroatische Personalunion, die bis 1918 bestand. Die Liste der Titel wurde 1137, nach einem Wechsel des Zweigs innerhalb der Dynastie unter der Herrschaft von Béla II. mit der Eroberung von Bosnien erweitert. Zur Zeit der Geburt von Géza IL, dem ersten Sohn des blinden Königs, wurde Ungarn zu einem der aktivsten Akteure in Europa. Als Geburt einer Großmacht ist es zu werten, dass das Königreich Ungarn zwischen 1148-1152 gegen den Kiewer Rus und zwischen 1149-1155 gegen das Byzantinische Reich Krieg führte, d. h. Kapazitäten für einen Zweifrontenkrieg hatte. Auf russischem Gebiet unterstützte das Königreich Ungarn den mit ihm verbündeten Fürsten, während es um die Vorherrschaft auf dem Nordbalkan mit Byzanz in Konflikt geriet und dabei den Rivalen von Kaiser Manuel I. ( 1143- 1180), Andronikos Komnenos, unterstützte. Der ähnlich wie Géza II. kämpferische und aktive Kaiser nutzte jedoch die Verschwörung von Ladislaus und Stephan aus und ließ sie 1162 gegen den den väterlichen Thron erbenden Stephan III. ziehen. Da jedoch die zwei Gegenkönige nicht die in sie gesetzten Hoffnungen erfüllten, suchte Manuel neue Mittel, um Ungarn irgendwie in seine Interessensphäre zu ziehen. 55