Miklós Kásler - Zoltán Szentirmay (szerk): Identifizierung der Skelette von Angehörigen des Arpadenhauses in der Matthiaskirche. Unter Verwendung von historischen, archäologischen, anthropologischen, radiologischen, morphologischen, Radiokarbondatierungs- und genetischen Daten (Budapest, 2021)

4. KAPITEL – Paläopathologische Untersuchungen

ZUSAMMENFASSUNG: Die paläopathologische Untersuchung von Dr. Józsa brachte einige Neuigkeiten ans Licht. Zunächst be­schrieb er Störungen der Knochenentwicklung, Sacralis spina bifida (offener Rücken) kam beispielsweise ungewöhnlich häufig vor, wie auch im vorliegenden Fall an den Gebeinen von Béla III. und den Skeletten 1/3 G5 und 1/4 H6. Am Skelett 1/4 H6 wurde die Diagnose auf Morbus Forestier zuerst gestellt, was mit einer vererblichen, eine Anfälligkeit hervorrufenden Sequenzvariation und den krankheitsauslösenden Ernährungsfaktoren zusammen­hängt. Die Beschreibung von Morbus Forestier machte deutlich, dass Skelett 1/4 H6 einem sehr hohen kirchlichen Amtsträger gehört haben könnte, worauf auch die Umstände der Bestat­tung (Grab mit Steinverkleidung, 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts) hindeuten. Eine Verwandtschaft mit dem Arpadenhaus wurde jedoch durch die nachfolgend behandelten genetischen Unter­suchungen ausgeschlossen. An den von Dr. Józsa untersuchten Skeletten kam es auch zur präzisen Darstellung degenerativer Krankheiten diverser Knochen. Diese Erkrankungen gelten für das Alter, in dem der Träger des Skeletts verstarb, aus heutiger Sicht als ungewöhnlich, weshalb sich ein Vergleich mit der Häu­figkeit vergleichbarer Krankheitsbilder in heutigen Populationen desselben Alters anbietet. 112

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