Zalai Múzeum 5. (Zalaegerszeg, 1994)

Neugebauer, Johannes-Wolfgang: Die frühe und beginnende mittlere Bronzezeit in Ostösterreich südlich der Donau

90 Neugebauer, Johannes—Wolfgang genommen werden, die restlichen Teile muBten hàndisch erfolgen. Bei den seichten Grábern herrschten die von Kindern ganz allgemein und vor allem jene des Früh­horizontes, also der Stufe Gemeinlebarn I, vor. Die dichtestbelegte ovale, Nord-Süd ausgerichtete Kern­zone des Friedhofareals von etwa 120 m Lange und 90 m Breite befand sich im Westbereich des Grabungsfeldes auf der Niederterrasse und umfaBte vornehmlich Körper­(Hocker-)bestattungen, seltener Brandbeisetzungen der Stufen Gemeinlebarn I und П. Die Grâber der Stufe I wie­sen, wie schon erwàhnt, zumeist seichte Gruben auf, an de­rén Sohlen wiederholt Viererpfostensetzungen beobachtet werden konnten. Hinzu kamen vereinzelte Teilverbrennun­gen, die derzeit provisorisch zu den Korpergràbern hinzu gezahlt wurden. Bemerkenswert war auch das hàufige Auftreten von Tierzâhnen, -kiefern und -schàdeln in der Grabfullerde. Einen Sonderfall stellte das Frauengrab Verf . 2802 mit der Deponierung einer gröBeren Anzahl (Rinder-)Kiefer zu FüBen der Toten dar. 31 Der gröBte Teil der tiefer reichenden, etwa Nord-Süd ausgerichteten Gràber mit geschlechtsspezifisch orientier­ten und nach sozialen Kriterien unterschiedlich ausgestat­teten Hockern, gehörte der Stufe Gemeinlebarn II an. Her­ausragend waren u. a. die reiche Bestattung eines Mannes Verf. 1190 mit einem ornamentierten Bronzeblechband mit Zierscheibe (Pektorale?) 32 und einer Frau Verf. 1657 mit Stiraband und Hutbesatz aus Bronzeblech. 33 Bei den, trotz hâufig nachgewiesener Baumsârge und öfter beobachteten Steinschutzes, alt gestörten und geplünderten Beisetzungen stellt das Grab Verf. 2823 mit einem „sitzenden Hocker" einen interessanten Befund (Dislozierung einer Sekundár­bestattung im (Teil-)Verband) dar. 34 An die Kernzone schloB gegen Norden eine abgesetzte kleinere Frühbronzezeitgrabergruppe („Franzhausen III", derzeit jedoch bei Franzhausen II mitgezáhlt) und ge­gen Osten ein locker belegter Bereich vornehmlich mit Grábern des Spàthorizontes (Stufe Gemeinlebarn III) an. An bemerkenswerten Beigaben der Frühstufe der Böheim­kirchner Gruppé der Vetef ov-Kultur wáren goldene Zier­scheiben (Verf. 275 und 63 8) 35 , bronzene Arm- und Beinbergen 36 sowie tordierte, schrággelochte Kugelkopf­nadeln und eine Schaftröhrenaxt vom Тур Kftënov (Abb. 7) hervorzuheben. Den flieBenden Übergang in die Mittelbronzezeit mar­kieren überdimensionierte Kugelkopfnadeln, Nadeln vom Тур Megyaszó, dreinietige Griffplattendolche und Streit­meiBel, die bereits dem Horizont von Bühl/Niederoster­witz (klassischer Horizont der Böheimkirchner Gruppé; Abb. 7) zuzurechnen sind 37 . In zunehmendem MaBe deutet sich im Norden, Nord­osten und Osten der eigentlichen Frühbronzezeitnekro­pole Franzhausen П (und über dièse hinaus bis in den Eisenzeitfriedhof hinein, wo die Grabungen derzeit noch nicht abgeschlossen sind, 38 ) ein zeitlich anschlieBendes, mittelbronzezeitliches Hügelgráberfeld mit beachtlichen FláchenausmáBen an. Bis Dezember 1991 konnten in 29 Fallen Reste von kreisförmigen Umfassungsgràben mit unterschiedlichen Dimensionen, zumeist mit Vierer­pfostensetzungen im Osten, erschlossen werden. 39 Wenn­gleich die eigentliche Schüttung fast immer erodiert und damit das an der altén Oberfláche angelegte Zentralgrab verloren gegangen ist, so sind doch ausreichende Belege erhalten geblieben: Inmitten des Kreisgrabens Verf. 1297 fand sich ein beraubtes Körpergrab (Verf. 1296) 40 mit ent­sprechenden GefáBen (Abb. 8); im Zentrum des alt gestör­ten Hügels Obj. 1264 lagen Überreste mittelbronzezeit­licher Keramiken 41 und aus der Füllerde der Graben und zugehörigen Gruben wurden mehrfach datierende Klein­funde geborgen (z.B. Graben Verf. 679 mit Gruben Verf. 675 und 676). Die kreisförmigen Anlagen als Überreste mittelbronzezeitlicher Hügelgráber habén auch an ande­ren Orten des Unteren Traisentales ihre z.T. gut datierten Parallelen erhalten, wie in Getzersdorf 42 und in Unter­radlberg. 43 Der Stufe Bronzezeit Bl gehören darüber hinaus das Mánnergrab Verf. 370, aus dem ein Dolch mit trapezför­miger Griffplatte, 44 und die Dreifachbestattung Verf. 1370, aus der ein Bronzearmreif mit dachförmigem Querschnitt und Fischblasenverzierung geborgen werden konnte, an (Abb. 8). 45 Durch Neufunde des Jahres 1992 wird sogár eine Belegung in der Stufe Bronzezeit B2/C dokumentiert. 46 3) Herzogenburg — Nord (SG. Herzogenburg, VB. St. Pölten) 1970 wurde durch den Schotterabbau in der Flur Kalkofen ein kleinerer Bestattungsplatz der Vetefov­Kultur groBteils zerstört; lediglich 6 eindeutige Grabin­ventare konnten gerettet werden. Es kamen ebenfalls Reste von spátschnurkeramischen Grábern zum Vorschein. 47 4) Oberndorf/Ebene (SG. Herzogenburg, VB. St. Pölten) und Unterradlberg (SG. St. Pölten) Bei vorbeugenden Untersuchungen vor dem Schotter­abbau zur Gewinnung von Schüttmaterial für den Zubringer Herzogenburg-Süd zur Kremser SchnellstraBe S 33 wurden 1982, als Teil eines frühbronzezeitlichen Gráberfeldes, 26 Hocker freigelegt. 48 Die Errichtung einer UmfahrungsstraBe (heute Tiroler StraBe) von Unterradlberg schnitt 1982, etwas weiter süd­lich auf einer Lángé von 75 m und einer Breite von 20 m, eine Frühbronzezeitnekropole an, wobei 81 Hockergráber zutage kamen. Der Bau von Bürogebáuden und Hallen auf dem nördlich angrenzenden Areal des Industriegebietes St. Pölten Nord ermöglichte, zwischen 1989 und 1992, weitere 183frühbronzezeitlicheBeisetzungen auszugraben, wodurch die Gesamtzahl auf 264 Gràber der Unterwölb­linger Kulturgruppe (Stufen Gemeinlebarn I und II) an-

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