Zalai Múzeum 5. (Zalaegerszeg, 1994)

Trnka, Gerhard: Frühbronzezeitliche Wehranlagen in Ostösterreich

Frühbronzezeitliche Wehranlagen in Ostösterreich 139 58 m Durchmesser und 4 m Breite. Seine Existenz und Zugehörigkeit bleibt auBerst fragwürdig, da bei bron­zezeitlichen Anlagen ein schmàlerer Innengraben nicht gebráuchlich ist. Die Anlage wurde ursprünglich für einen mittel­neolithischen Kreisgraben gehalten, doch ergab eine Son­dierung im westlichen Bereich des ,, AuBengrabens" ein frühbronzezeitliches Alter. Der Graben hat eine Breite von 5—6 m. Obwohl er nicht naher untersucht werden konnte, datiert ihn Keramik aus dem oberen Grabenbereich in die Frühbronzezeit. Aufgelesene Oberfláchenfunde (u. a. schrág gelochte Kugelkopfnadel!) bestátigen diesen zeit­lichen Ansatz. Zeitstellung: (jüngere) Aunjetitz-Kultur. Literatur: Neugebauer 1979a, 97f; Nikitsch 1985, 336ff. (Abb. 4.) 7. St. Andrà—„Kumenberg". KG. St. Andrà, MG. St. Andrá-Wördern, GB und VB Tulln, Niederösterreich. Auf dem 285 m hohen Kumenberg, dem nördlichsten Ausláufer des Wienerwaldes über dem Donautal befindet sich eine anlage in Gestalt eines unregelmáBigen Vierecks mit etwa 80 m Lange und 40—60 m Breite bei einer Fláche von ca. 0,5 ha. Im Südwesten durch die Hagenbachklamm begrenzt, falit das Gelánde nach Nordwesten steil zum Tullner Becken hin ab. Ein natürlicher, Nord-Süd ver­laufender, 40 m breiter und 3—4 m tiefer GelánderiB rie­gelt das kleine Hochplateau auf dem zungenförmigen Nordwest-Hanges im Osten ab. In diesem Graben soil ein Palisadengraben angelegt worden sein. Die Datrierung der Anlage wird durch Oberfláchenfunde sowie Keramik aus dem Graben vorgenommen. Zeitstellung: Vetefov-Kultur. Literatur: Eibner 1966—1970; Geiblinger 1936. 8. Stillfried—„Ziegelei". KG Stillfried, MG Angern an der March, GB und VB Ganserndorf, Niederösterreich. Im Süden des Ortes wurde auf einer durch eine Ziegelei heute bereits zerstörten LöBterrasse am rechten Marchufer neben einer mittelneolithischen Grabenanlage und zahl­reichen frühbronzezeitlichen Gruben und Grábern auch ein , ,Grabensystem der frühen Bronzezeit" fest­gestellt. Es handelt sich um einen durch rezente Böschungen gestörten bzw. unterbrochenen, Nord­Süd verlaufenden Grabenabschnitt, der noch etwa 28 m láng erhalten war. Ursprünglich soil er das ganze Areal durchzogen habén. In den Profilschnitten wurde ein Sohlgraben mit einem verkehrt trapezförmigen Profil auf­geschlossen, dessen gröBte Breite über 5 m betrug. Die Sohle war etwa 2,40 m breit, mit einer durchschnittlichen Tiefe von 2 m. Ein vom Westrand des Sohlgrabens nach Nordnordosten abzweigender, schmaler, 70—80 cm brei­ter und 80—110 cm tiefer Graben von etwa 6 m Lange konnte nicht nàher gedeutet werden. Über das ursprüngliche Aussehen wie auch der Lage und der Höhe im Gelánde kann nichts mehr ausgesagt werden. Zeitstellung: jüngere Aunjetitz-Kultur. Literatur: Offenberger 1966—1970; Eibner 1974, 38.; Wurth 1946—1950. Freundliche Mitteilung B. Hahnel (eine Vorlage der Funde und Befunde ist in Vorbereitung). 9. Stillfried—„Auhagen". KG Stillfried, MG Angern an der March, GB und VB Ganserndorf, Niederösterreich. Möglicherweise eine Abschnittsbefestigung auf einem nach Norden gerichteten, zungenförmigen Hang über dem rechten Marchufer. Sein bis zu 180 m hohes Plateau ist im Westen durch einen EinriB, der im Norden in ein Trocken­tálchen einmündet, und im Osten sowie Südosten durch den Steilabfall zur March begrenzt. Auf der flachen Süd­seite, etwa 250 m vom Nordabbruch, wurde ein verkehrt trapzförmiger Sohlgraben angeschnitten. Seine Breite betrágt etwa 6 m, die der Sohle ca. 4,70 m und die Tiefe bis zu 2,20 m. Würde man den Graben (oder mehrere?) als Abrie­gelung auffassen, so müBte er die gesamte Plateaubreite von 200 m durchziehen. Eine daraus resultierende Fláchenberechnung von etwa 40.000 m 2 ist demnach nur hypothetisch. Trotz mittelneolithischer Funde (u. a. Spitzgraben und weitere angeackerte Grabenspuren) ist der Graben sicher frühbronzezeitlich. Zeitstellung: jüngere Aunjetitz-Kultur. Literatur: Hahnel 1988 und 1991. Freundliche Mit­teilung B. Hahnel. In der frühbronzezeitlichen Entwicklung Mitteleuropas treten Befestigungen bzw. befestigte Siedlungen offen­sichtlich erst in ihrer spáten Phase bzw. am Übergang zur Mittelbronzezeit auf (zuletzt Simon 1990, 320ff, Abb. 11). Im Osten Österreichs kennen wir vorerst nur eine geringe Anzahl gesicherter befestigter Anlagen (zuletzt Neuge­bauer 1987, 43f.), die man aile der jüngeren bzw. ausge­henden Frühbronzezeit (jüngere Aunjetitz-Kultur und Vëtefov-Kultur) zuordnen kann. Im Vergleich mit den weit láufigen Befestigungen der Urnenfelderzeit sind sie in un­serem Arbeitsgebiet meist kleinráumig (Ausnahme Ober­leiserberg!), wobei es sich um Abschnitts-, aber auch um umlaufende Gipfelbefestigungen handelt. Zeitlich da­zwischenliegende, mittelbronzezeitliche Festungsbauten kennen wir aus ganz Österreich bisher noch nicht. Allé Anlagen in unserem Arbeitsgebiet sind an die natürlichen Gelandebeschaffenheit angepaBt, weshalb ihr GrundriB eine unregelmáBige Gestalt zeigt. Nachzuwei­sen sind Abschnittsbefestigungen in Sporn- und Hanglage, auf einem Rücken oder einer Terrasse (Allhartsberg— , ,Türkenschanze' ', Böheimkirchen—,, Hochfeld' ', Kolln­brunn, St. Andrá—,,Kumenberg", Stillfried—,,Ziegelei" und „Auhagen"). Eine ausgeprágte Höhenlage bzw. Gip-

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