Zalai Múzeum 5. (Zalaegerszeg, 1994)

Leeb, Alexandra: Das frühbronzezeitliche Gräberfeld von Melk/Spielberg-Flur Pielamünd, Niederösterreich

114 Leeb, Alexandra Dieser hatte die Publikation bereits 1909 in Aussicht genommen, wurde aber durch seine Berufung nach Paris an der Vorlage gehindert (OBERMAIER 1909, IX). Im Rahmen dieser Untersuchungen konnte das wohl be­kannteste Fundobjekt von Melk/Spielberg — das Frag­ment einer innen und auBen verzierten KreuzfuBschüssel -geborgen werden (BURGER 1980, 33. DIES. 1988, 169. RUTTKAY 1973, 42 f. DIES. 1990, 103 ff. WILLVON­SEDER 1939, 143 f. DERS. 1940, 11 ff.). Da Ende der sechziger Jahre das siidliche Widerlager der neuen Donaubrücke über dieses Plateau gebaut wer­den sollte, fiihrte das Bundesdenkmalamt, Abteilung fur Bodendenkmale, 1969 und 1970 Rettungsgrabungen unter der Leitung von Dr. Horst Adler und Johann Offenberger durch (MOSSLER 1970, 252 ff. OFFENBERGER 1966-70, 171 f.). Die Untersuchungen umfaBten das gesamte Plateau und Teile des südöstlich anschlieBenden Bereiches, welcher erst in relativ spáter Zeit durch den Hohlweg vom Haupt­plateau abgetrennt worden sein muBte. Es zeigte sich, daB das Plateau bereits im Mittelneolithi­kum (Lengyel-Kultur) besiedelt worden war. Die umfassendste Besiedlung erfuhr die Anlage im Spatneolithikum (Jevisovice-Kultur, Badener Kultur), wobei ein Abschnittsgraben das Plateau gegen Siiden zu absicherte. Der Graben war jedoch in der Friihbronzezeit wieder verfüllt gewesen, da dariiber Bestattungen eines kleinen Gráberfeldes der Unterwölblinger Kulturgruppe angelegt worden waren. In der Folge finden sich noch hallstattzeitliche und römische Siedlungsspuren. Mittelalterliche Keramikfrag­mente kamen in Streulage zutage. Insgesamt konnten 115 Befunde aus den oben genannten Zeitstufen bzw. Kulturgruppen dokumentiert werden (Abb. 5). 4. Das friihbronzezeitliche Grâberfeld 4.1. Lokalisierung und Stoning Das Grâberfeld besteht aus insgesamt 31 an­thropologisch bestimmten sowie zwei weiteren stark gestörten Körperbestattungen (Abb. 6). Die Bestattungen sind in zwei Gruppén im südlichen und im südwestlichen Bereich der Plateauflache angeordnet gewesen, wobei die südlich gelegene Gruppé teilweise durch den spàter an­gelegten Hohlweg gestört worden war. Die nördliche Gruppé erfuhr massive Zerstörungen durchdie Altgrabungen um 1896, bei denen die Bestattungen offensichtlich gar nicht als solche erkannt worden waren, wie bei Grab 24 zu beobachten war (Abb. 7. und 8a,b). Bei den seicht eingetieften Bestattungen war eine Stoning durch die Pflugtàtigkeit hàufig zu beobachten. Eine Beraubung der Gràber konnte nicht nachgewiesen werden. Aufgrund der kartierten friihbronzezeitlichen Skelettreste, Keramik- und Bronzestreufunde könnte ein Weiterreichen des Gráberfeldes gegen Norden und Nord­westen angenommen werden. Diese vermutlich weiteren etwa 10 bis 20 Bestattungen werden höchstwahrscheinlich vor allém dem Steinbau der Römischen Kaiserzeit zum Opfer gefallen sein, da hier mit massiven Bodeneingriffen bzw. Erdbewegungen gerechnet werden muB. Dies zeigen ebenfalls die zahlreichen Funde, die vor allem am Nord­ostabhang um die Jahrhundertwende geborgen werden konnten. Einen weiteren möglichen Hinweis fur das Ab­tragen der ursprünglich höher vorhandenen Plateaukuppe gibt auch der in diesem Bereich hoch anstehende Felsen. 4.2. Befunde 4.2.1. Grabgruben Die Grabgruben waren — soweit sie beobachtet und dokumentiert werden konnten — langoval bis rechteckig. Eine Ausnahme bildet Grab 23, wo in einer trichterför­mig eingetieften Grube ein adulter Mann in extremer Hockerlage bestattet worden war (Abb. 9a,b). So wiesen knapp die Hàlfte der Bestattungen zumindest teilweise er­kennbare Grabgruben auf (Gràber 1, 6, 7, 8, 10, 11?, 12, 16, 17, 18, 19, 23, 24, 25, 29, 30). Bei den übrigen Gràbern verhinderte in den meisten Fallen entweder die geringe Grabtiefe oder Störungen die Dokumentation der Grubenumrisse. 4.2.2. Grabtiefe bzw. Grabeintiefung Die Grabtiefe schwankte zwischen 0,05 und 1,70 Metern unter der Humusoberkante, wobei die Gràber mehrheit­lich etwa 0,20 bis 0,60 Meter unter der Oberfláche ein­getieft worden waren (Abb. 12). Auch hier falit die Bestat­tung von Grab 23 auf, die mit 1,35 Meter die zweitgröBte Grabeintiefung auf dieser Fundstelle aufwies. Dem adulten Mann waren neben einem Bodenfragment noch ein Silex beigegeben, der sich bei den Handwur­zelknochen der rechten Hand befand. Über der Bestattung konnte im Siiden der Verfàrbung ein vollstàndig erhaltener Krug dokumentiert werden. Am tiefsten — mit 1,70 Metern — wurde eine juvenile Frau — Grab 29 — bestattet. Leider verhinderte das Ein­stiirzen des Profils nach einem schweren RegenguB die graphische Dokumentation der urspmnglichen Lage des Oberkörpers mit den Trachtbestandteilen. Diese zeigen al­lerdings eine kompiette Ausstattung der jungen Frau an. Beide Bestattungen repràsentieren die Ausgeprágtheit und Vollstàndigkeit der Trachtbestandteile bei der Frau sowie der Beigaben bei dem Mann. Ob hier eine sozial ho­here Position vorliegt, kann aufgrund der geringen Gràberanzahl kaum entschieden werden.

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