Zalai Múzeum 4. (Zalaegerszeg, 1992)

Közlemények - Szőke Béla Miklós: 7. és 9. századi településmaradványok Nagykanizsán

146 Szőke Béla Miklós 3. Die Keramik. Die zutage gekommene Keramik ist anhand der Herstellungsweise, des Magerungsmaterials, der GefáBfor­men und der Verzierung gut in Gruppén zu gliedern. 1) Mit rauhem, grobkörnigem Sand und/oder mit kalkhaltigem Material gemagerte, zum groBen Teil handgeformte, unverzierte, dickwandige, mit fettig glanzendem Lehmüberzug versehene Keramik. (Inkey Grabkapelle, vorwiegend in den 38., 54., 56., 57. und 69. Objekten.) 2) Neben Sand und kalkhaltigem Material tritt als neues Magerungsmaterial zermahlener Stein auf; der GroBteil der Ge­faBe ist nachgedreht. Das GefaBoberteil ist mit eingeritzten Wellenlinienbündeln im Zick—Zack— Muster und waagerechten Linienbündeln verziert. Diese Keramik ist ebenso dickwandig und mit einem fettig glanzendem Lehmüberzug versehen. (Inkey Grabkapelle in den Objekten 13., 14., z.T. im Objekt 56. kam dieser Тур vor.) 3) Mit fein- oder grobkörnigem, grimmelhaltendem Sand und gemahlenen Steinen oder kleinkörnigen Steinstückchen gemagerte, hauptsáchlich auf Handdrehscheibe gedrehte, dünn­wandige, mit einer rauhen Oberflâche oder mit einem schmierenden Lehmüberzug versehene Keramik, in welche waagerecht und schrág Linienbündel leicht eingekratzt sind; der GroBteil der GefaBe ist jedoch unverziert. (Miklósfa-Mórichely, Cigány kút 1. und 2. Objekt.) 4) Der gröBte Teil der Keramik ist mit Sand gemagert, auf der Handdrehscheibe bzw. der schnell routierenden Töpferscheibe gefertigt, mit dünnem Lehmüberzug versehen, mit Wellen- und waagerechten Linienbündeln reich verziert und von gleichmáBig guter Qualitát (Nagykanizsa — Práter-Hügel, Botanischer Gar­ten, Nagykanizsa — Leányvár). Für GefaBformen der 1. und 2. Gruppé, welche den EinfluB der Keramik des Prager Typs erkennen lassen, ist die Eiform, für die der 3. Gruppé eher die FaBform und für die 4. Gruppé die gedrückte Kugelform charakteristisch. Zwischen den GefáBen der 1. und 2. Gruppé erscheinen auch die örtlichen Varianten der sog. grauen Keramik, in der 3. Gruppé jedoch der sog. dunkel­grauen awarischen Keramik. In der 4. Gruppé ist die sog. gélbe Flasche mit polierter Oberflâche eine wichtige Gefáflform. Im Interessé der Vergleiche sind über die einzelnen Fundplàtze auch Rekonstruktionen des Geschirres angefertigt worden (Abb. 17-19). 4. Datierung. Die zur 1. und 2. Gruppé gehörende Keramik zeigt Verwandtschaft mit der Keramik des Prager Typs, (mit den GefáBen) der 2. und 3. Phase bei Zeman (ZEMAN 1976, 210.) bzw. des 2. Horizonts bei Dostál (DOSTÁL 1979, 194—195.; 1982, 41—44.). In der Frage der Datierung erscheinen allerdings die Argumente von Bialeková am überzeugensten (BIALEKOVÁ 1968, 620—621.). Unsere GefaBe stehen denen dort veröffent­lichten am nachsten (BIALEKOVÁ 1962, 1968.). Demzufolge datieren wir die Siedlung neben der Inkey Grabkapelle vom zweiten Drítteldes 7. Jhs bis zum Ende des 7. Jhs. Innerhalb die­ser sind die GefaBe der 1. Gruppé in die früheren, die der 2. Gruppé in die spáteren Jahrzehnte zu datierenden. Die Keramik von Miklósfa-Mórichely, Cigánykút hat lokálén Charakter; unter den gering auftretenden Analogien áhneln ihr die Urnen von KaSid bei Zadar am ehesten. Aus dem Fund­material des Komitates Zala körmén die GrabgefáBe und Urnen der Gráberfelder von Pókaszepetk, Zalakomár und Kehida als Parallelen zu dieser Keramik genannt werden. Aufgrund der letztgenannten Fundplàtze ist die Datierung BeloSevic's unhalt­bar, námlich mit der ersten Hálfte des 7. Jhs zu früh angesetzt (BELOSEVIC 1972, 83.). Deshalb datieren wir die Keramik dieser Siedlung in die zweite Hülfte des 8. Jhs, aber noch wahr­scheinlicher um die Jahrhundertwende vom 8. zum 9. Jh. und in die erste Hülfte des 9. Jhs. Das GefáBmaterial der Fundplàtze vom Prátcr-Hiigel, Botanischen Garten und Leányvár weist eine hochgradigc Àhn­lichkeit mit der Keramik aus der Umgebung von Zalavár auf (CS. SÓS 1963., 1984., KIS-BALATON 1986). Es hilft bei der Datierung, da auch hier die sog. gélbe Keramik mit polierter Oberflâche vorkam. Diese Keramik ist deshalb in die zweite Hülfte des 9. Jhs Anfang des 10. Jhs und in die erste Hálfte des 10. Jhs zu datieren. 5. Historische Auswertung. Lange Zeit war allgemein die Meinung verbreitet, daB in unserer Gegend erst in der Mitte des 9. Jhs, zur Zeit von Pribina und Kocel, die Slawen erschienen. Dieses Bild wurde schon durch das Auffmden des Grábcrfeldes von Pókaszepetk modifiziert. Eine Diskussion verursachte die Frage, ob im 8. Jh. nach hierher angezogene westliche (máhrische) Slawen (CS. SÓS 1973, 74-76., 1973 a, 84-100.) oder Anfang des 9. Jhs die vor den Bulgaren flüchtenden Südsla­wen in diesem Gebiet erschienen (BÓNA 1968,115—120). Die in den vergangenen Jahren untersuchten Gráberfelder (Zalakomár, Kehida) und Siedlungsreste (wie z.B. jené in den Anfang des 7. Jhs zu datierende in Balatonmagyaród-Hídvégpuszta, bzw. jené der hier veröffentlichten Inkey-Grabkapelle und andere, aus der topographischen Landesaufnahme bekannte Plátze) beweisen, daB wir schon Anfang des 7. Jhs hier mit Slawen, die gemeinsam mit dem Awaren dieses Gebiet besiedelten (s. awarischer EinfluB in der Keramik, birituelle Gráberfelder), rcchnen müssen. Die Frage ist, woher und wie gelangten sie nach hier. Unserer Meinung nach wurden diese Slawen aus dcr Volks­gruppe der am östlichen Rand der Prager Kultur, in den Tálcrn des mittleren Dnepr und der Bug, in Volhynien lebenden Dule­ben, herausgerissen, als Apsich — auf der Rückkehr von scincm, gegen die Anten im Jahre 602 geführten erfolgreichen Fcldzug — ihr Land plünderte und von ihnen zahlreiche Gefangene machte. Auf seinem Siedlungsgebiet in Transdanubien ankommend siedelte er sie auf dem südwestlichem Grenzgebiet in den Tálcrn der Zala und der Mur an. Apsich (dcr eine oder mehrere Perso­nen verkörpern kann, ausgeschlossen ist auch nicht, daB es sich um einen Würdetitel der Awaren handelt) erscheint in den schriftlichen Quellén mehrmals und wird stets im Zusammcn­hang mit Pannonién genannt (570—571 anláBlich der Friedens­verhandlungen mit Tiberios; bald darauf erscheint er im Fcldzug der Byzantiner gegen Persien, vermutlich als Anführer der pan­nonischen Hilfstruppen; schlieBlich 581—582 bei der Bc­lagerung Sirmiums, nach dem er bei der nach Dalmatien fúhrcn­den Brücke sein Lager aufschlágt und von hier zur anderen Brücke zieht, um sich mit den Truppén von Baján zu vereinigen, was bedeutet, daB er aus Pannonién kommen muBte). So ist an­zunehmen, daB wir es mit dem Anführer der Awaren in Trans­danubien zu tun habén. Dieses Volk hat sich in ihren Bestattungs­sitten (z.B. ganze Pferdebestattung in getrennten Grabgruben, das gemeinsame Vorkommen des Steigbügel—Specr— Verbandes mit den Pferdegeschirrbeschlágen in Fasernform) und wahrscheinlich auch in anthropologischer Hinsicht (ÉRY 1983,

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