Ljudje ob Muri. Népek a Mura Mentén 2. kötet (Zalaegerszeg, 1998)

Othmar Pickl (Graz): Das Grenzverteidigungssystem gegen die Türken in Ungarn. Nationale Unterschiede in Strategie und Taktik der Osmanen-Abwehr

Othmar PICKL RESUME Nach der Niederlage von Mohac (1526) begann - nach Géza Pálfíy - die zweite Periode des ungarischen Grenzverteidigungssy stems. Den Habsburgern gelang es ab der Mitte des 16. Jahrhunderts, einen etwa 1200 km langen Verteidigungsgürtel zu schaffen, der die Verwüstungen des ständigen Kleinkrieges möglichst gering halten und den Vorstoß des türkischen Hauptheeres nach dem Westen verhindern sollte. Der Grenzschutz unterstand zwar seit etwa 1570 dem Hofkriegsrat in Wien, doch war den ungarischen Ständenn die Führunf der lokalen Truppenteile überlassen. Die Besatzungen der Grenzfestungen waren hauptsächlich ungarische, nur zum kleineren Teil deutsche und kroatische Söldner. Die Soldate dieser Grenzburgen lebten in einer ganz besonderen Welt und bildeten gleichsam eine „Heldengemeinschaft", welche die „Vormauer der Christenheit" gegen den Halbmond darstellte (Perjés). Die ungarische Kriegstaktik bestand vor allem in schnellen Vorstößen und Beutezügen der Husaren tief in das türkische Gebiet hinein. Im Kampf dieser leichten Kavallerie hatte die individuelle Tüchtigkeit absoluten Vorrang vor der strengen Disziplin und dem nach taktischen Regeln geführten Kampf der geschlossenen Massen regulärer Heere, die von den kaiserlichen Feldherren gefuhrt wurden. Noch am Beginn des 18. Jahrhunderts beklagte Franz Rákóczi diese Verachtung der regulären Kriegstaktik durch seine Unterführer. Er schrieb: Jhre Meinung über den Krieg war: sich weit entfernt vom Feind aufhalten, überhaupt keine Wachen stellen, viel trinken und schlafen, nach langer Rast der Männer und Pferde auf drei- bis viertägige Streifzüge gehen, den Feind überraschen und verfolgen, wenn er flieht, doch retirieren, wenn er widersteht." Diese Vorstellung vom Krieg war noch damals in der ganzen (ungarischen) Nation verbreitet. Der Adelsstand verachtete den Infanteriedienst, ,JSlur der Hund geht zu Fuß, das Tier ist zum Tragen des Menschen geschaffen.'" Demgegenüber vertraten die kaiserlichen Feldherren die Ansicht, daß Erfolge gegen das türkische Hauptheer nur nach den strengen Regeln der militärischen Strategie und Taktik zu erzielen seien. So standen sich z.B. 1664 in Niclas Graf Zrínyi und dem kaiserlichen General Montecuccoli zwei Männer gegenüber, die völlig gegensätzliche Auffassungen über die erfol­greiche Kriegsführung gegen die Türken vertraten. Während Zrínyi hoffte, durch seinen kühnen Winterstreifzug bis Fünfkirchen/Pécs und zur „langen Brücke" bei Esseg/Osijek die Voraussetzungen für eine rasche Rückeroberung der Festung Nagykanizsa zu schaffen - was tatsächlich jedoch nicht erreicht wurde -, gelang es Montecuccoli als Methodiker des Krieges und zugleich Meister der Kriegskunst, eine durch Niclas Zrínyi heraufbeschworene äußerst gefährliche Situation bei seiner Festung „Neu-Seinwar" an der unteren Mur zu meistern und mit der kaiserlichen Armee den Wettlauf gegen den Großwesir Köpröli zur Raab zu gewinnen und schließlich bei Mogersdorf/St. Gotthard am 1. August 1664 den berühmten Sieg über die Türken zu erringen. Diese mentalitätsbedingten Unterschiede in der Türkenabwehr sollen u.a. auch am Beispiel der Errichtung des Kastells Bajcavar und der „Verhackung" der umliegenden Gebiete im Jahre 1578 sowie am Beispiel der Belagerung und schließlichen Kapitulation der Festung Nagykanizsa im Jahr 1600 gezeigt werden. 194

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