Ljudje ob Muri. Népek a Mura Mentén 2. kötet (Zalaegerszeg, 1998)
Othmar Pickl (Graz): Das Grenzverteidigungssystem gegen die Türken in Ungarn. Nationale Unterschiede in Strategie und Taktik der Osmanen-Abwehr
OthmarPICKL Juni endlich, die vier ausstehenden Monatsbesoldungen für die Besatzung zu erlangen. Es mangelte nicht nur in der Festung, sondern an der ganzen kanisischen Grenze an Proviant und Munition. 16 Zu diesem Zeitpunkt trafen bereits die ersten Nachrichten über das Vorrücken des Feindes ein, sodaß der Festungskommandant Paradeiser bereits am 30. Juni von einer „bevorstehenden Belagerung' der Festung sprach. Trotz aller Bemühungen war es jedoch nicht möglich, den benötigten Proviant und die benötigte Munition für die Festung zu erlangen. Ab 1. September belagerte der Wesir Chiaya mit 25.000 Mann das kleine Kastell Babocsa, das eine Besatzung von bloß 350 ungarischen und deutschen Knechten aufwies. An Proviant waren am Beginn der Belagerung nur noch vier Faß Mehl vorhanden. 17 Georg Graf Zrínyi schrieb Erzherzog Ferdinand bereits am 3. September, man werde Babocsa nicht halten können und sollte deshalb trachten, wenigstens Kanischa nicht zu verlieren. Das sei aber nur möglich, wenn raschest Proviant, Schanzzeug und Truppen in diese äußerst schlecht versehene Festung Kanischa gebracht würden. Tatsächlich kapitulierte Babocsa, als die Türken von zwei Seiten gegen das Kastell vorrückten, schon am 4. September. Obwohl der Kommandant (Vegh Georg) die Lage der Festung als unhaltbar bezeichnet habe, hätten die deutschen Knechte sich für den Kampf entschieden, während die ungarischen Knechte sich zur Kapitulation überreden ließen. Daraufhin übergab die Besatzung, die durch die türkische Beschießung nur zwei Tode zu beklagen hatte, die Festung den Türken und zog am 5. September mit fliegenden Fahnen ab. Die vorschnelle Übergabe Babocsas verhinderte die so dringend notwendige Versorgung der Festung Kanischa. 18 Am 8. September 1600 erschien am frühen Morgen die Vorhut des türkischen Heeres unter dem Befehl des Wesir Chiaya mit mehreren tausend Mann vor der Festung Kanischa. Diese war weder mit einem von Wien zugesagten Regiment, noch durch ein Fähnlein deutscher Knechte verstärkt worden, das Herberstein in die Festung legen sollte. Die deutschen Knechte hatten sich nämlich geweigert, in diese so schlecht verwahrte Festung zu gehen, in der es an Schanzzeug, Proviant und Munition mangle. Wenn Kanischa aus diesen Gründen an die Türken fiele, würden sie nicht nur Leib und Leben verlieren, das sie zwar geringschätzten, sondern vor allem ihre Ehre und man würde sie für den Verlust der Festung verantwortlich machen. 19 Wie die Ereignisse der folgenden Wochen zeigten, hatten die erfahrenen Soldaten die militärische Situation vollkommen richtig eingeschätzt. Am 9. September kam die türkische Hauptmacht unter dem Kommando des Wesirs Ibrahim Pascha mit etwa 100.000 Mann vor Kanischa an; Herberstein schätzte die Stärke der kämpfenden türkischen Truppen allerdings bloß auf 40.000 Mann. Auch dies war jedoch eine gewaltige Übermacht, denn am 18. September, d.h. 10 Tage nach Beginn der Belagerung, betrug die Stärke der Festungsbesatzung bloß etwa 900 Mann, darunter 115 ungarische Heiducken, etwa 60 Husaren und eine nicht näher angegebene Zahl von deutschen Arkebusieren. 20 Da man eine rechtzeitige Verstärkung der Festungsbesatzung versäumt hatte, bemühte man sich nun zur Verstärkung der vor der Festung stehenden, aber viel zu schwachen Truppen der Grafen Zrínyi und Siegmund von Herbersteins, ein Entsatzheer heranzuführen. Dieses stand unter dem Kommando des Herzogs von Mercoeur und umfaßte die Truppen der Magnaten Nadasdy, Batthyány und weitere kaiserliche Kontingente. So wurden z.B. das Regiment Kollonitsch, das Regiment Graf von Thurn und das Regiment des Grafen von Hohenlohe herangeführt. Dieses Entsatzheer erreichte allerdings erst am 25. September 184