Ljudje ob Muri. Népek a Mura Mentén 2. kötet (Zalaegerszeg, 1998)

Othmar Pickl (Graz): Das Grenzverteidigungssystem gegen die Türken in Ungarn. Nationale Unterschiede in Strategie und Taktik der Osmanen-Abwehr

OthmarPICKL beschränkte sich die Unterstützung der ungarischen Magnaten Batthyány und Nadasdy auf die Beistellung von leichter Kavallerie zum Schutze der steirischen Schanzarbeiter vor Überfallen türkischer Truppen. Ansonsten erklärten die beiden ungarischen Magnaten: „Wir sind nicht zum Holzhacken gekommen, wir wollen den Feind schlagen und Segesd zurückerobern". Dafür konnten sie am 18. September bei Újudvar einen gefahrlichen Angriff der türkischen Reiter, die im noch nicht verhackten und daher für die türkischen leichten Reiter günstigen Abschnitt nördlich Kanischa angriffen, erfolgreich zurückschlagen. Die für diesen Sommer aufgebotenen ungarischen Untertanen der beiden Magnaten beteiligten sich auch nicht an den Schanzarbeiten bei Waitschawar. Diese Art der Kriegsführung und der Stellungskrieg war eben überhaupt nicht Sache der Ungarn, denn sie liebten die offene Feldschlacht 10 Andererseits waren die im Oktober 1578 in das halbfertige Kastell Waitschawar gelegten kroatischen Soldaten und 100 deutsche Knechte aus Kanizsa unter Hauptmann Herkovich durchaus bereit, die notwendigen Schanzarbeiten und sonstige Arbeiten zur Fertigstellung des Kastells zu leisten. Am 11. November 1578 wurden sowohl Waitschawar als auch das Kastell Keresztúr nahe der Mur dem Grafen Zrínyi übergeben, der fortan vom Kaiser dafür besoldet wurde, die Verteidigung des Grenzabschnittes Weitschawas zu übernehmen. 11 Obwohl die Hauptfestung Kanischa wegen ihrer strategischen Bedeutung vor den Grenzen des Herzogtums Steiermark als „Schlüssel Deutschlands" und „hoher Trost der deutschen Nation" bezeichnet wurde, befand sie sich zu dieser Zeit noch immer in einem katastrophalen Zustand. Zwar hatte Erzherzog Karl II. bereits 1569 Geld und Arbeiter für den Bau der Feste Kanischa zur Verfügung gestellt, doch war der Zustand der Festung 1575 noch immer katastrophal. Von den 5 geplanten Basteien waren nur zwei als profilierte Erdwälle ohne Ziegelhohlbauten und auch sie nur ,^um vierten ThaiF fertig, der Bau der übrigen drei Basteien war noch nicht einmal begonnen worden. 12 1577 wurde dieser fragmentarische Festungsbau durch einen „Tonnerstreich (= Blitz) zerrissen" . Daher bewilligten die steirischen Stände 1578 einen Zuschuß von 3000 Gulden, um die Befestigungsarbeiten zu Kanischa „wieder in Schwung zu bringen". Daß der steirische Landesfürst und die steirischen Landstände sich 1578 zu diesen Maß-nahmen entschlossen, mag wohl auch eine Reaktion auf die verzweifelten Hilferufe der Gebrüder Georg und Miklós Zrínyi an der Jahreswende 1577/1578 zurückzuführen sein. In deutsch und lateinisch geschriebenen Briefen hatten die Brüder von ihren Schlössern Eberau und Tschakathurn/Cakovec aus den steirischen Landesfürsten und die steirischen Landstände darauf aufmerksam gemacht, daß ihre zwischen Mur und Drau gelegene „Murinsel" eine Vormauer gegen den blutgierigen Erbfeind der Christenheit sei und wenn diese ihre Bastion falle, dann müßten auch die Steiermark und die benachbarten Regionen unter die tyrannische Herrschaft der Türken fallen. Offenbar erkannten die steirischen Stände, daß es durchaus auch in ihrem Interesse sei, die Grafen Zrínyi zur Absicherung des ungarischen und damit bereits dem Kaiser zustehenden Grenzabschnittes zwischen Mur und Kanischa einzusetzen. Den Zrínyis ihrerseits mochte eine derartige Schaukel Stellung zwischen der ungarischen Krone, dem innerösterreichischen Landesfürsten und dem Kaiser bzw. seinem Beauftragten für die „ungarische Grenze nördlich der Mur" verlockend sein. Mußte doch eine derartige Position die Zrínyis über die Batthyánys und Nadasdys hinausheben. Das geschah durch die Übertragung des Kommandos über den Waitschawarer Grenzabschnitt an Miklós Zrínyi dann 182

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