Ljudje ob Muri. Népek a Mura Mentén 2. kötet (Zalaegerszeg, 1998)

Leopold Toifl (Graz): Kurioses und Makabres von der Militärgrenze

Leopold TOIFL Posedarje Wohnung bezogen. Diese Tatsache allein dürfte für Lenkowitsch nicht derart bemerkenswert gewesen sein, als daß er darüber hätte unbedingt berichten müssen. Was ihn aufregte, war etwas anderes: während ihres Aufenthaltes in Bosnien hatten die Überläufer „mit bossen aufgerichten Practickhen" der Christenheit und der Grenze bedeutenden Schaden und Nachteil zugefügt. Als Steffan/Schäfiferbeg und Fraune/Khurttabeg nun im September aus Istanbul zurückkehrten, kamen sie mitsamt „zwayen Iren Turckhischen pueben, die sy zu der Sodomittischen sünd gebraucht" hatten. Es war also die homosexuelle Neigung der beiden Possedärskhy, worüber sich Lenkowitsch so alterierte. 24 Offenbare gleichgeschlechtliche Beziehungen scheinen demnach auch in der rauhen Wirklichkeit des Grenzerlebens während des 16. Jahrhunderts verpönt gewesen zu sein. Zumindest sprach man kaum darüber und wenn, dann in empörter Weise. Das vorliegende Dokument ist übrigens das einzige aus der Militariareihe, das während der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts auf konkret ausgeübte Homosexualität Bezug nimmt. Korrekter war natürlich eine körperliche Beziehung zwischen Mann und Frau, soferne der Mann nicht gerade Türke und Vergewaltiger eines Christenmädchens war. Ein solcherart gelagerter Fall erregte die Gemüter im Jahr 1558. Der als Leutnant an der windischen Grenze stationierte steirische Adelige Franz von Teuffenbach schickte am 9. Juli von Varazdin aus den Verordneten einen kaiserlichen Befehl betreffend die Ablösung des Hans Regall als Proviantmeister, bat um Übersendung von Geschützgefäßen durch den Grazer Zeugwart Valentin Kharner und berichtete nicht zuletzt auch von osmanischen Kriegsgreueln. Seinen Ausführungen zufolge waren am 29. Juni 1558 etwa 40 Türken von Cazma in die Umgebung der Grenzfestung Ivanicgrad vorgedrungen und hatten drei Personen verschleppt. Am 2. Juli raubten sie 40 Stück Vieh, zwei Tage später weitere 50 Tiere. Doch dieser 4. Juli sollte auch für einen der Feinde zum Verhängnis werden, wie Teuffenbach genüßlich darlegte: der türkische Reiter hatte eine flüchtende junge Frau erspäht und war ihr nachgeritten. Kurz nachdem er „von seinem Roß gesessen vnnd die diern erwischt", eilte ein Knecht, der in einem Getreidefeld verborgen die Szene beobachtet hatte, herbei. Er konnte zu Hilfe kommen, das Mädchen retten und den Türken „darob erschlagen". 25 Wie anderen vergleichbaren Quellen zu entnehmen ist, standen Plünderungen, Raubzüge, Vergewaltigungen, Gelage und andere Exzesse an der Militärgrenze beinahe schon an der Tagesordnung. Daß dergleichen Ereignisse in den in der Militariareihe des Steiermärkischen Landesarchives enthaltenen Aktenstücken nur . gelegentlich Erwähnung finden, liegt also vermutlich nicht in ihrer Seltenheit, sondern eher daran, daß man sich an sie gewöhnt hatte. Für die Führungsequipe an der Grenze war es offenbar wichtiger, bei den Verordneten um Soldgelder, Proviantnachschub und Truppenkontingente zu urgieren, als sich um Nöte und Ängste der ortsansässigen Zivilbevölkerung zu kümmern. Unter diesem Aspekt stellen die oben zitierten Schriftstücke echte Raritäten dar. 176

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