A Veszprém Megyei Múzeumok Közleményei 11. (Veszprém, 1972)

Müller Róbert: A pötrétei későbronzkori kincslelet

Früheisenzeitliche Bronzestatuette aus Keszthely-Dobogó Das Balaton-Museum in Keszthely bewahrt unter der In­ventarnummer 54.14.1. eine Bronzestatuette, die einen nack­ten Mann mit ausgebreiteten Armen und gespreizten Beinen darstellt. (Abb. 1—2.) Die Statuette stammt aus der Gemar­kung von Keszthely, aus Dobogó. Die Art und Weise ihres Auffindens, sowie der Zeitpunkt, also die Fundverhältnisse sind aber unbekannt. Der Fund wurde im I. Band der Archäologischen Topo­graphie Ungarns,[bei der Beschreibung des Fundortes21/2 —8 auf die Zeit der Völkerwanderung gesetzt (und zurKeszthely­Kultur gereiht). Auf Grund unserer Untersuchungen dürfte aber die Statuette vielmehr mit früheisenzeitlichen Darstel­lungen in Beziehung gebracht werden. Die Statuette ist 5,6 cm hoch und sie wiegt 6,872 g. Da das linke Bein der Statuette in Kniehöhe abgebrochen ist, (der Bruch ist nicht modernen Ursprungs: die Bruchfläche ist abgewetzt, in den Vertiefungen sind einige mit Kupfer­salzen zementierte Erdkörnchen zu beobachten), kann mit der Hilfe des heutigen Umfangs und Gewichts ein Original­gewicht von etwa 7,57 g angenommen werden. Die Spuren von Werkzeugen auf der Oberfläche der Statu­ette, deren Maße unter dem stereobinokularen Preparations­mikroskop mit Okularmikrometer festgestellt wurden, er­möglichten uns, die Verfertigung der Statuette zu rekon­struieren : 1. Als Grundmaterial wurde eine 0,54—0,55 cm breite Bronzeplatte verwendet. Daraus wurden die rohen Umrisse der Statuette ausgemeißelt. 2. Im weiteren wurde die Statuette wahrscheinlich durch Behämmern feiner gestaltet. 3. Das nächste Arbeitsverfahren war das Feilen. Nach den Feilenspuren zu urteilen, wurde diese Arbeit mit zwei ver­schiedenartig feinen Feilen durchgeführt. 4. Erst danach wurden in die auf diese Weise ausgestaltete Figur die den anatomischen Eigenarten des menschlichen Körpers entsprechenden Verzierungen eingehauen. Die Verzierungen wurden mit einem einseitigen Meißel (bei der schematischen Darstellung der Nase, des Mundes, des Kinns und der Finger) und mit einer rohrartigen Punze (Augen, Brust und Nabel) aufgebracht. Die Darstellung des Phallos und der Füße erfolgte mit der Hilfe eines Meißels. Der Stil und die Form der meisten früheisenzeitlichen Klein­plastiken, die aus dem Karpatenbecken stammen,;* ist mit denen der Dobogóer Statuette nicht identisch. Ähnliche Plastiken wurden nur von B. Posta publiziert, ein Teil von diesen stammt aber aller Wahrscheinlichkeit nach von ita­lienischen Antiquitätenhändlern, während andere Exem­plare als moderne Fälschungen in die Sammlung von Hugó Kilényi kamen. 10-11 Die einzige vollkommene Analogie aus dem Gebiet Un­garns stellt die Bronzestatuette von Somlyóhegy (Komitat Veszprém, Kreis Devecser) dar. (Abb. 3.) Diese Statuette ist die Darstellung eines nackten phallischen Kriegers, der einen Helm mit aufhat. Die Arme und Beine sind fragmentarisch. Sie ist 4,35 cm hoch (fragmentarische Höhe), nach den Pro­portionen durfte sie ursprünglich eine Höhe von ungefähr 5,5 cm gehabt haben. Ihr jetziges Gewicht beträgt 4,352 g, das Originalgewicht durfte ungefähr 5,8 g gewesen sein. Auch auf der Statuette von Somlyóhegy sind die Spuren der zur Bearbeitung und zur Darstellung der anatomischen Eigenarten nötigen Werkzeuge zu beobachten. Auch diese Spuren wurden untersucht, um die Frage der Identität der Werkzeuge oder die Frage der Identität der Werkstatt beant­worten zu können. Beim Vergleich der Maße von Werkzeug­spuren, die auf der Oberfläche der beiden Statuetten zu fin­den sind, stellt sich deutlich heraus, daß die Statuette von Do­bogó und die von Somlyóhegy mit denselben Werkzeugen bearbeitet wurden. Aus der Übereinstimmung der Maße kann mit Recht auf Werkstattgleichheit geschlossen werden. In den 1880-er Jahren kam in Italien, in Todi, einer der alten Städte der Etrusker (Provinz Perugia), ein aus 30—40 Bronzestatuetten bestehender Depotfund zum Vorschein. 17 Diese Statuetten (Abb. 4.) sind alle ganz vom gleichen Typ wie die Funde von Dobogó und Somlyóhegy. Auf Grund der italienischen Entsprechungen 18—20 könnte der Entstehungsort der beiden Statuetten mit dem etruskischen Quartiergebiet in Zusammenhang gebracht werden. Zwischen dem heutigen Transdanubien und Italien gab es in der zweiten Hälfte der Früheinsenzeit enge Handels­beziehungen. Es taucht also die Frage auf, ob wir im Zusam­menhang mit der Tatsache, daß die beiden Statuetten auf das Gebiet des heutigen Transdanubien kamen, einfache Handelsbeziehungen, die Arbeit wandernder Handwerker oder eventuell ihre kürzer oder länger währende Ansiedlung in den transdanubischen Metallbearbeitungszentren (Velem­szentvid, Sághegy) vermuten müssen. Die Erscheinung der typisch italienischen Statuetten in Transdanubien kann aller­dings außer der sachlichen Identität auch auf eine gewisse geistige Ähnlichkeit bezüglich der beiden Gebiete hinweisen. Sonst hätte die hiesige Bevölkerung die Statuetten italie­nischer Herkunft bei den eigenen Zeremonien nicht ver­wendet. Die Beine dieser Statuetten sind dornartig ausgebildet. Auf dem Kopf, bzw. auf dem Helm der Dobogóer und Somlyóhegyer Statuetten sind behämmerte Flächen zu beob­achten, die Spuren der Bearbeitung mit Feile unterbrechen. Daraus läßt sich folgern, daß die Statuetten auf irgendeinen Sockel befestigt waren. Der Sockel war wahrscheinlich aus Holz. Es ist interessant, daß 73% der Statuetten abgebrochene Beine bzw. Arme aufweist. Es ist durchaus möglich, daß die Glieder bei der Befestigung der Statuetten auf einen neuen Sockel abgebrochen sind, es kann aber auch angenommen werden, daß die Brüche Ergebnisse bewußter Beschädi­gungen sind. Da die Fundverhältnisse unbekannt sind, kann diese Frage mit Sicherheit nicht entschieden werden. Es scheint aber offensichtlich zu sein, daß diese Statuetten Bestandteile irgendeines Heiligtums gewesen sein durften. In der Nähe der Fundorte der Dobogóer und Somlyó­hegyer Statuette durften bedeutende früheisenzeitliche Sied­lungen gelegen haben. 22 Eine weitere historische Bewertung ist aber wegen Unkenntnis der Fundverhältnisse nicht mög­lich. Unseres Erachtens durften die beiden Bronzestatuetten infolge der in der zweiten Hälfte der Früheisenzeit enger werdenden Handelsbeziehungen in unsere Heimat gelangt sein. Sie könnten besser bewertet werden, wenn wir die analogen itelienischen Bronzestatuetten vom Gesichtspunkt der Werkzeuggleichheit aus untersuchen und sich auch spektralanalytisch überprüfen könnten. László Horváth 82

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