A Veszprém Megyei Múzeumok Közleményei 10. (Veszprém, 1971)

Katona Imre: Ismeretlen adatok a herendi porcelángyárról

Unbekannte Daten zur Geschichte der Porzellanfabrik von Herend In dieser Arbeit betrachten wir eigentlich im Rahmen der Geschichte der Porzellanfabrik von Herend deren zwei von­einander anscheinend unabhängige bzw. nur lose zusammen­hängende Probleme. Das eine, u.zw. der erste Teil der Arbeit bezieht sich auf die Schwierigkeiten der Gründungszeit und die mannigfachen Kämpfe des Beginns. Der zweite Teil be­handelt das Ende der Blütezeit der Fabrik und damit auch Moritz Fischer's Tätigkeit sowie jene Zeit, da sein Sohn, Samuel, als Fabriksinhaber zu wirken begann. Die ersten Jahrzehnte in der Geschichte der Fabrik waren überaus problematisch und widerspruchsvoll. Eine der wich­tigsten und bisher die meisten Forscher beschäftigenden Fra­gen bezog sich darauf, welche besonderen Umstände die erste, in Ungarn gut prosperierende Porzellanfabrik eben in der Ortschaft Herend, also im tiefsten Innern der Bakony­Wälder entstehen ließen. Es ergab sich, daß Vince Stingl, der erste Fabriksinhaber, eben in erster Reihe durch seine Be­ziehungen zur Stadt Pápa zuerst in Tata, dann aber in Herend seßhaft wurde. Für seine Niederlassung in Herend sprach eine ganze Reihe von Momenten, so z. B. die Nähe einer Mühle zum Mahlen der für die Zubereitung der Masse und der Glasur benützten Rohstoffe, die holz- und rohstoffreichen Berge des Bakony-Gebirges, u. a. m., worauf immer wieder hingewiesen wurde. Die Rolle der subjektiven Beziehungen wurde aber bisher nicht nach Gebühr betont. Eine andere schwierige und bisher kaum genügend be­kannte Periode der Fabrik Von Herend waren der Ausgang der 60-er und der Anfang der 70-er Jahre des vorigen Jahr­hunderts. Auch die bisherigen Forschungen ließen erkennen, daß zu dieser Zeit, da die kapitalistische Entwicklung in Un­garn ihren Anfang nahm, die Fabrik eine kritische Periode durchmachte. Ein Konkurs konnte wohl mit Mühe und Not vermieden werden, von einer flüssigen Produktionsweise kann aber keine Rede sein. Man täuschte sich arg, wenn man mein­te, daß die sich anbahnende kapitalistische Produktion auch für die Porzellanindustrie einen Aufschwung bringen würde. Das gerade Gegenteil war der Fall. Während andere In­dustriezweige durch die neue kapitalistische Wirtschaftsent­wicklung eine konjunkturelle Blüte erlebten, wirkt sich diese auf der Linie der manufakturell arbeitenden Porzellanher­stellung von Herend eben entgegengesetzt aus. Nicht nur die fachkundigen Arbeitskräfte kehren der Manufaktur den Rücken, um in anderen Zweigen der Industrie eine lohnende­re Beschäftigung zu finden, auch im Porzellangewerbe selbst setzt ein bisher ungeahnter Konkurrenzkampf ein. Von den westlichen Porzellanfabriken ist das Meissener Werk noch auf dem Höhepunkt seiner Blüte und versucht sich auf den osteuropäischen Märkten schadlos zu halten für seine in Westeuropa verlorengegangenen oder unsicher er­scheinenden Absatzmärkte. Meissens einziger ernsthafter Konkurrent in Ungarn ist Herend, wo sich aber, wie bereits erwähnt, größere Schwierigkeiten eingestellt hatten. Die er­wähnten Schwierigkeiten meldeten sich in erster Reihe auf wirtschaftlichem Gebiet, ohne das Niveau der von der Fab­rik hergestellten Erzeugnisse zu beeinträchtigen. Dies ist vor allem das Verdienst des Fabrikinhabers Moritz Fischer, der stets die Erzeugung künstlerisch wertvoller Produkte vor Augen hielt. Die Serienproduktion nach kapitalistischen Normen lag ihm fern und er führte die Fabrik als Manufak­turbetrieb weiter. So sah sich die Meissener Porzellanfabrik auf dem ungarischen Absatzmarkt einem sehr ernsten Wett­bewerb gegenüber. In der Geschichte der ungarischen Keramik heißt es auch heute noch, daß die Ausschußware westlicher Provenienz der Entwicklung der ungarischen Porzellanindustrie hindernd im Wege stand. Demgegenüber steht es heute bereits fest, daß auch die Spitzenprodukte der Meissener Früherzeugnisse mitverantwortlich sind, daß die ungarische Porzellanmanu­faktur dem Wettbewerb nicht standhalten konnte. Meissen ließ nämlich seinerzeit die nach Ungarn geschickte Export­ware bei der vormaligen Budapester Handels- und Gewerbe­kammer ins Schutzmarken-Register aufnehmen u. zw. in den Jahren 1876 und 1891. Die bezüglichen Schutzmarken sind hierzulande nicht nur ihrer Beschreibung, sondern auch der Abbildung nach bekannt. Diese lassen erkennen, daß Meis­sen den Kampf gegen die ungarische Keramik, in erster Reihe gegen Herend mit seinen besten Erzeugnissen aufnahm. Unter den Schutzmarken treffen wir nicht nur die verschie­denen Typen der Zweisäbel-Marke (kombiniert mit Punkt, Stern und Ziffer), sondern auch Monogramme aus den 20-er Jahren des XVIII. Jahrhunderts und den Merkurstab. Diese Schutzmarken bezeichnen die besten Erzeugnisse der Meissener Fabrik. Höchstwahrscheinlich war dies der Grund, weshalb man auch in Herend die in Meissener Stilart nachgeahmten Produkte mit Meissener Schutzmarke versah. Diese Täuschung konnte aber nicht lange geheimgehalten werden und die Meissener Fabrik erhob auf diplomatischem Wege Vorstellungen bei den zuständigen ungarischen Mini­sterien für Ackerbau, Handel- und Industrie, um diesem Mißbrauch ein Ende zu bereiten. Die Sache machte seinerzeit großes Aufsehen. Aber das Faktum selbst, daß Herend sich zu einem solchen Vorgehen herbeiließ, weist auf die Härte des Konkurrenzkampfes hin, den Meissen gegen die ungarische keramische Industrie führte. Imre Katona 312

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