A Veszprém Megyei Múzeumok Közleményei 2. (Veszprém, 1964)

Tóth Sándor: Veszprémi középkori sírkőtöredékek

Bruchstücke von mittelalterlichen Grabsteinen in Veszprém Verfasser behandelt mehrere im Bakonyi Mu­seum aufbewahrte, bisher unpublizierte Bruch­stücke von Grabsteinen. Diese stammen aus der Burg von Veszprém, vermutlich aus der Kathedrale, bzw. aus ihren Kapellen. Ihre Herstellungszeit und ihr Stilkreis lässt sich manchmal ziemlich genau, in gewissen Fällen aber nur in grossen Zügen fest­stellen. Manchmal kann sogar auch eine Attribu­tion vorgenommen werden. Falls es wirklich zu einem Grabstein gehört hat, ist das Bruchstück Nr. 72. als das früheste Denk­mal dieser Gattung in Veszprém zu betrachten. Seine Ornamentik — mit Dreipassmotiv ausgefüll­ter Spitzbogen — mag ursprünglich den Abschluss eines gesenkten langen Feldes gebildet haben. Das Bruchstück wird auf das 14. Jh. datiert. Noch am Ende des 14. Jhs dürfte der Stein Nr. 74. [Bruch­stück eines figürlichen Bischofs (?) grabmals] ge­hauen worden sein. Seine Ausbildung deutet darauf hin, dass die Ecken an den beiden Seiten des Kop­fes trapezförmig abgeschnitten waren. Dieser Typ kommt im ungarischen Denkmalbestand hauptsäch­lich im 14. Jh. vor. Möglicherweise gehörte auch das kleine Bruchstück Nr. 75. zu diesem Grabstein, auf dem aber nur einige Buchstaben der Umschrift erhalten geblieben sind. Die Untersuchung des Marmorfragments Nr. 78. führte zu bedeutenden Resultaten. Eine nahe Pa­rallele der Plastik und des Ornamentstils dieses Bruchstückes finden wir auf dem Grabstein des Erzbischofs Dénes Széchy (f 1465) in Esztergom. Auf Grund der Übereinstimmung der Lösung des Faltenwurfes und der Oberflächenverzierung bei diesen beiden Denkmälern ist in diesem Fall der­selbe Meister anzunehmen. Somit Hess sich das Bruchstück von Veszprém bestimmen: es gehörte aller Wahrscheinlichkeit nach zum Grabstein Má­tyás Gathalóczi's, Bischofs von Veszprém (f 1458). Diesem Meister ist vielleicht auch ein Fragment aus Székesfehérvár zuzuschreiben, das vermutlich vom Grabstein des Propstes Miklós Bodo (t 1474) stammt. Ein ikonographischer Vergleich dieser drei Denkmäler deutet darauf hin, dass die Körperhal­tung der Figur auf dem Bruchstück von Veszprém abweichend war: auf dem Széchy-Grabmal hält der Erzbischof Kardinalszeichen und Bischofsstab in seinen Händen, auf dem Bruchstück von Veszprém dagegen wurde der Bischof mit auf seinem Bauch gekreuzten Händen dargestellt (die Lage des Bi­schofsstabes mag auch auf dem Fragment von Szé­kesfehérvár ähnlich gewesen sein, wie auf dem Grabstein von Esztergom). Diese ikonographische Doppelheit innerhalb der Tätigkeit desselben Meis­ters würde sich vermutlich mit der Rolle der Be­stellern erklären lassen. Einige spätere Daten spre­chen dafür, dass für die Verfertigung der Grab­steine der Bischöfe in Veszprém das Kapitel Sorge getragen hatte. Die Zusammensetzung des Kapitels in dieser Zeit kennen wir nicht. Es ist aber be­kannt, dass der Nachfolger von Gathalóczi, Bischof Albert Vetési (1458—1486) als Diplomat in allen Kulturzentren Italiens verweilte. So dürfte er auch anhaltende Verbindungen geknüpft haben. Dieser Umstand, noch mehr aber seine Tätigkeit in Veszp­rém mögen auch auf das Kapitel einen Einfluss ausgeübt haben. Die Fragmente aus rotem Marmor, versehen mit Mottos des Bischofs, sind mit dem Gathaloczi-Grabmal beinahe gleich alt. Beide zei­gen solche Tendenzen, die zur Renaissance führen. Obwohl wir nicht wissen, welche von den beiden ikonographischen Lösungen dem ausgesprochenen Wunsch des Bestellers zuzuschreiben ist, mögen die erwähnten Umstände die Aufschlüsse für die Dar­stellung italienischen Typs des Veszprémer Frag­mentes geben. Alles in allem ist der Meister des Széchy-Grabmals, dessen Tätigkeit auf Grund von zwei sicher bestimmbaren Werken auf die 60-er Jahre des 15. Jhs. zu setzen ist, als einer der bes­ten Künstler der frühen Matthias-Zeit anzuspre­chen. Er dürfte in erster Linie nicht für den Hof, sondern für die grösseren kirchlichen Zentren ge­arbeitet haben. Ausser den erwähnten Grabsteinen soll noch von zwei Fragmenten gesprochen werden: das kleine 184

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