A Veszprém Megyei Múzeumok Közleményei 2. (Veszprém, 1964)

Fettich Nándor: A jutasi avarkori temető revíziója

akzessorisches Element gewesen sein. Ihre Be­deutung ist trotzdem in Beziehung zur zweiten Periode der Awarenzeit nicht gering. Die Versil­berung der Greifen- und Rankengarnituren wuchs nämlich aus der Praxis der vorangehenden Periode hervor. Der awarische Gürtel der spätawarischen Periode ist das Sinnbild der Macht, auch der Versilberung ist jetzt eine sinnbildliche Rolle zuge­kommen. Sie scheint ein Sinnbild der im Auf­trage der Awaren handelnden nichtawarischen, vor allem slawischen und germanischen Sippenführer zu sein. Die versilberten Garnituren von Jutas habe ich jetzt in eine chronologische Reihenfolge gestellt. Die Garnituren Abb. 10, 3—12; Abb. 14, 1—4; Abb. 18, 1—5 gehören zur ersten Hälfte der Awarenzeit. Auf der großen Riemenzunge des Grabes 144 ist ein lateinisches Kreuz in das Muster hinein kompo­niert (Abb. 30, 1), u. zw. in der Anordnung, damit der Besitzer dieses Gürtels das lateinische Kreuz in normaler Einstellung sieht. Dieser Mann von hoher Statur (170 cm) war vermutlich kein Aware, sondern wahrscheinlich ein Christ fremder Ab­stammung. Auch die mit Bandgeflecht verzierte Riemenzunge des benachbarten Grabes 146 war versilbert (Abb. 30, 2). Diese Riemenzunge ist tech­nologisch um einen wesentlichen Grad entwickelter, als die mit Kreuz versehene Riemenzunge. Auch ihr Besitzer dürfte also um eine Generation jünger gewesen sein. Da bei diesen beiden Gräbern und bei deren Umgebung keine Spuren von Slawen oder von der slawischen Kultur zu finden sind, müssen wir auf ausschließendem Grund an Ger­manen denken. Auch die aus Stil II abgeleitete, vereinfachte Komposition: Abb. 30, 4 deutet auf die germanische Abstammung hin. In der Greifen- und Rankengruppe wurden zwei versilberte Garnituren gefunden: Abb. 31, 1—8 und Abb. 30, 3, 3a, 3b. Bei jeder derselben deuten die umgebenden Gräber auf die spätawarische Periode hin. Die erstgenannte Garnitur ist die frühere, die andere die spätere. Zwischen ihnen ist wenigstens ein Zeitunterschied von einer Generation vorauszu­setzen. Wichtig ist der Umstand, daß in Blei gegossene Vorgänger der versilberten, mit Bandgeflecht ver­zierten Riemenzungen niemals gefunden werden konnten. Demgegenüber sind , den-- versilberten Greifen- und Rankengarnituren für Slawen in Blei gegossene Garnituren vorausgegangen. Daraus folgt, daß die versilberten, mit Bandgeflecht verzierten Garnituren und die versilberten Greifen- und Rankengarnituren nicht denselben Weg zurückgelegt hatten. Somit sind diese beiden Denkmalgruppen keinesfalls Denkmäler ein und desselben Volkes. Die slawische Umgebung der versilberten Greifen- und Rankengarnituren unterstützt diese Behauptung entschieden. Aus all diesen Daten entfaltet sich das Bild der politischen und gesellschaftlichen Organisation des Awarenreiches in großen Zügen. Auf. einer dicht bewohnten Ansiedlung mußte in jener Zeit jede Volksgruppe und innenhalb dieser jede kleinere Gruppe gleichzeitig ihren Führer haben. Diese kleineren Gruppen entsprachen im weitesten Sinn den Sippen. Zu jeder solchen Sippe gehörte eine Menge Diener und niederer Leute. Eine jede solche „Sippe" hatte ihren, durch die Awaren beauftragten Führer. Die Gräber 29, 39, 58, 63, 180, 181, 223—225, 229, 239 und 241 müssen — trotz ihrer keltischen, rö­mischen und bronzezeitlichen Fibeln, Tonscherben und metallenen Beigaben für slawische Brand­gräber betrachtet werden. Sie kommen in dem Teil des Gräberfeldes vor, der aus dem 8. Jh. stammt, und werden niemals von awarenzeitlichen Ske­lettengräbern gekreuzt. Nándor Fettich 114

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