Gizella és kora (Veszprémi Múzeumi Konferenciák 4. 1993)

Egon Boschof: Die bayerisch-ungarischen Kontakte zur Zeit Giselas

ten und sogar Gebhard von Regensburg - dieser zweifellos aus persönli­chen Gründen - zu ihm über. Es spricht alles dafür, daß die bayerische Adelsfaktion um die Herzöge Konrad und Weif einen Ausgleich mit Un­garn angestrebt hat, während der Kaiser an seiner Konzeption der Lehnso­berhoheit über das benachbarte Königreich festhielt. Stammesinteressen und Politik der Zentralgewalt ließen sich hier nicht mehr zur Deckung brin­gen. Die Aufrührer hatten den Sturz und die Ermordung Heinrichs geplant; der plötzliche Tod Konrads und Welfs, der Rädelsführer im Jahre 1055 verschohnte das Reich vor weiteren Wirren. Als auch der Kaiser im folgen­den Jahre verstarb, war der Weg frei für einen Friedensschluß. Er kam im September 1058 an der March zustande und wurde durch das Verlöbnis des ungarischen Thronfolgers Salamon mit Judith, der Schwester Heinrichs IV., besiegelt. Umstände und Inhalt der Vereinbarung lassen erkennen, daß die Reichsregierang Andreas als gleichberechtigten Partner akzeptierte; von einer irgendwie gearteten Abhängigkeit Ungarn vom Reich war keine Rede mehr, und es sollte sich in den in den folgenden Jahrzehnten erneut auf-flammenden Kämpfen erweisen, daß diese Entscheidung endgültig war. Von der Königinwitwe Gisela verlautet in den Auseinandersetzungen dieser Jahre nichts mehr. Offenbar hat sie im politischen Leben keine Rolle mehr gespielt. Wenn man bedenkt, daß der ungarische Aufstand des Jahres 1046 neben dem nationalen auch einen antichristlichen Aspekt hatte, dann ist zu vermuten, daß sich der Haß der Aufrührer auch gegen die ehemalige Herrscherin richtete, mit deren Namen und Wirken die Christianisierung Ungarns so eng verknüpft war. Sie dürfte damals nach Bayern zurückge­kehrt sein; Passau und die Abtei Niedernburg gelten als ihre letzte Zuf­luchtsstätte. Was die Forschung weiter dazu zu sagen vermag, ist eng ver­knüpft mit der Problematik des Giselagrabes in der Kirche von Niedern­burg. QUELLEN UND LITERATUR Zu den in diesem Referat behandelten Problemen habe ich bereits bei einem Symposion des Osteuropa-Instituts Regensburg-Passau im April 1986 in Passau Stellung genommen; vgl. E. BOSHOF Das Reich und Ungarn in der Zeit der Salier, in: Bayern und Ungarn. Tausend Jahre enge Beziehungen. Hrsg. v. E. Völkl. Regensburg 1988, S. 41-63; auch in: Ostbairische Grenzmarken 8 (1986) S. 178-194. Zu den ungarischen Quellen vgl. VON BOGYAY in: Ungarns Geschichtsschreiber, Bd. I: Die heiligen Könige, Graz/Wien/Köln 1976, S. 122ff. CA. MACARTNEY, The Medieval Hungarian Historians, A Critical and Analytical Guide, Cambridge 1953. - Th. 87

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