Gizella és kora (Veszprémi Múzeumi Konferenciák 4. 1993)

Egon Boschof: Die bayerisch-ungarischen Kontakte zur Zeit Giselas

ten, weisen sie ihren angeblichen Einflüsterungen zu, was er sich an Härten und Grausamkeiten gegenüber seinen Gegnern zuschulden kommen ließ. Der politische Hintergrund der Eheverbindung liegt auf der Hand. Erst kurz zuvor war Waik, Gezas Sohn und Nachfolger, Christ geworden und hatte in der Taufe den Namen Stephan angenommen. Dieses Ereignis hatte wahrscheinlich weltgeschichtliche Dimensionen; denn hier handelt es sich nicht lediglich um die Konversion eines einzelnen Fürsten, sondern mit diesen trat entsprechend den gentilreligiösen Vorstellungen der Zeit sein ganzes Volk zum neuen Glauben über und schloß sich nun - das ist das Entscheidende - der westlichen Welt, Rom und dem lateinisch geprägten Christentum an. Die Heirat mit der Tochter des Bayernherzogs Heinrich des Zänkers, der der Nebenlinie des im Reich regierenden Herrscherhauses angehörte, dokumentierte diese Weichenstellung; sie bedeutete für den Fürsten des nach 955 erst allmählich seßhaft werdenden Nomadenvolkes einen gewaltigen Zuwachs an Ansehen, konnte doch die bayerische Prin­zessin über ihre Mutter Gisela, die Tochter des Königs Konrad von Bur­gund, auch Karl den Großen zu ihren Ahnen zählen. Ohne Zweifel hat die­se Ehe darüber hinaus Stephans Erhebung zum König im Jahre 1001 vorbe­reitet. Sie war das Ergebnis eigener Initiative Stephans und kaiserlich­päpstlichen Zusammenwirkens. Die alte Streitfrage, von wem der ungari­sche Herrscher die Krone als Symbol der regia dignitas erhalten habe, von Otto III. oder Silvester IL, hat ihre Brisanz allein aus unhistorischem, natio­nalen Prestigedenken bezogen. Der Bericht Thietmars von Merseburg, eine zeitgenössische Quelle also, bringt klar genug zum Ausdruck, was sich aus der politisch-historischen Situation um die Jahrtausendwende ohnehin als selbstverständlich ergeben mußte: daß der Kaiser die Entscheidung traf und der Papst allem Anschein nach der liturgischen Königssalbung zugestimmt hat. Dabei ist ebensowenig zweifelhaft, daß die Übersendung der Krone nicht eine lehnsrechtliche Oberhoheit des Kaisers begründete, sondern le­diglich dessen ideellen Vorrang dokumentierte. Ungarn hatte in der univer­salen Reichskonzeption Ottos III. seinen eigenen Platz, und der Aufbau der Kirchenorganisation mit der Gründung des Metropolitansitzes Gran un­terstrich die politisch-kirchliche Selbständigkeit des neuen Königsreiches noch. In der kaiserlichen Konzeption der Renovatio imperii Romanorum sind also die christlich-universalen Bezüge hervorzuheben: Stephan I. er­scheint hier wie Boleslav Chrobry, der Polenherzog, als Mitstreiter des Kaisers, als cooperator, im großen Werk der Christianisierung des Ostens. Der Regierungswechsel des Jahres 1002, als nach dem Tode Ottos III. im Reich Heinrich IL, Giselas Bruder, zur Regierung kam, hat an dem gu­ten Verhältnis zwischen Ungarn und dem Reich nichts geändert. Es hat den Anschein, daß König Stephan sich beim Aufbau seines Staates in gewissen Bereichen die bayerischen Verhältnisse zum Vorbild nahm. So zeigt die 81

Next

/
Oldalképek
Tartalom