Gizella és kora (Veszprémi Múzeumi Konferenciák 4. 1993)

Praznovszky, Mihály: Königin Gizella in den ungarischen historischen Dramen

nicht vernichten wird? Das sind offensichtlich die Gedanken des Dichters nach tausend Jahren, in einer ähnlichen Situation, die Fragen, die er durch István fragen und aussprechen läßt. Gizella tritt wieder nur in einer kurzen Rolle auf die Bühne. In ihrer Ge­stalt schilderte Sík Sándor nicht nur die um ihren Gemahlen und um das Christentum besorgte Königin, sondern auch die Schmerzen des leidenden Mutterherzen. Diese zwei Gefühle ringen in ihrer Seele miteinander: „Wo­zu immer in die Zukunft zu blicken? Wir haben keine Zukunft mehr. Wir haben nur eine Vergangenheit. Unsere Kinder liegen im Grabe. Auch der Beste, der Heilige. Nur die Erinnerung und das Gebet bringt uns Trost." Aus ihrer Apathie springt sie aber wie ein wilder Tiger hervor, als sie hörte, daß ihr Mann Vazul als Thronfolger haben will: „Was wird dann mit der Kirche? Was wird mit dem Werk deines ganzen Lebens, wenn dieser Heide den Thron besetzt? Warum war all das, was wir getan haben? Wozu das viele Beten und die vielen Opfer? Und so viel Blut?... Wir haben für nichts gelebt, für nichts gelebt..." „Ich bin ein armes Weib" - sagt sie und sie versteht ihn wirklich nicht und lässt ihren Mann allein die Entscheidung zu treffen: soll er nun Christ oder Ungarn sein. István machte ihr eben deswegen Vorwürfe: das sind keine zwei Sachen, nur eine Einzige „Sie müssen vereinigt werden, sehr bald vereinigt sein, auch in dem Herzen meines Volkes, denn wir werden sterben, wenn wir diese beiden Sachen nicht vereinigen." So musste István allein zum tragischen Held werden und niemals werden wir erfahren, ob er wohl die richtige Entscheidung traf oder nicht. Der Konflikt von Gizella, der Gegensatz zwischen der ungarischen und christlichen Auffassung erscheint noch einmal in dem Stück, als die Köni­gin Gyöngy, die Gefährtin von Vazul traf, die in ihren Augen eine absto­ßende Vertreterin der Heidenschaft ist. Gizella verteidigt sich bei dieser Diskussion, doch mit wenig Überzeu­gung, sie hat sich mit der Lage schon abgefunden. Vielleicht erkannte sie erst jetzt, daß vier Jahrzehnte nicht lang genug waren, um die Ungarn ken­nenlernen und verstehen zu können. In den vorwurfsvollen Worten von Gyöngy erkennen wir die Beurteilung der Gizella im Laufe der früheren Jahrhunderte: „Wir freuten uns nicht über dein Kommen, Gizella... wir, junge Leute..., wie du gekommen bist, auf einer goldenen Galeere, in einer noch nie gesehenen Pracht, in Begleitung von unbekannten Rittern, Pfar­rern, Herren... Tut es dir nicht leid um das Land, das du mit den Füßen ge­treten hast? Auf das du dich mit deinen hungrigen Schwaben aufgezwun­gen hast? Um das Volk, dem du die Seele in Stücken zerrissen hast... und du wunderst dich noch, daß ich dich hasse! Wer hasst dich wohl nicht in diesem Land, in dem ungarisches Blut fließt? Du bist doch die Ursache al­ler unserer Not." 106

Next

/
Oldalképek
Tartalom