Gizella és kora (Veszprémi Múzeumi Konferenciák 4. 1993)

Praznovszky, Mihály: Königin Gizella in den ungarischen historischen Dramen

erfahren hatte, „begann sie mit Buda, mit diesem niederträchtigen Men­schen zu verhandeln, schickte Sebes zu Vazul, der es vollbracht hatte, was sie gewollt". Die Absicht Gizellas wurde eindeutig durch ein Motiv gelenkt - nach der Meinung des Chronikers - ihren Burder (!) Peter auf den Thron zu set­zen und so hätte sie „ohne Hindernisse - ihrem Wunsch nach - ihren Wil­len und ihr Vorhaben, Ungarn die Freiheit zu nehmen verwirklichen und es der Macht der Deutschen unterstellen können". Bonfini, der hervorragende Humanist des Königs Mathias - vielleicht eben durch seine humanistische Weltanschauung - wollte es nicht glauben, daß eine Frau zugleich so böse und so gütig sein kann und deshalb schrieb er über zwei Gizellen. Diese Variante übernahm und aus diesem Werk: Re­rum Ungaricum decadest hat Heltai Gáspár zitiert, es verkürzt und auf un­garisch übersetzt in seiner Chronik über „Die Tätigkeiten der Ungarn" (Krónika az magyarok dolgairól), das im Jahre 1575 erschien und ebenfalls über zwei Königinnen namens Gizella schreibt. Die eine, die Gemahlin von István hat er aus den István-Legenden in sei­ne Chronik übernommen. Diese Gizella ,„war die Tochter des anderen Kai­sers Heinrich", eine sehr gütige, fromme und gottesfürchtende Frau. Ihr Verdienst war, daß „sich die Ungarn und die Deutschen versöhnt haben". Gizella hat sehr viel für die Bereicherung der heimischen Kirchen gatan: „sie versah sie mit schönen und prächtigen Altardecken, Pristergewänden und liturgischen Gefäßen, teuren Kelchen, Kerzenbehältern, Kreuzen u.s.w. Heltai ließ diese Gisle sterben und István nochmal heiraten. István nahm wieder eine Gisle zur Frau, diesmal die Tochter des Herzogs von Burund, eines gewissen Gwilhelmus. Diese Gisle war jedoch ein „hochmütiges und böses Frauensbild", das sich nur „um die weltlichen Sachen kümmerte." Und auch hier wieder die bekannte Geschichte: sie war es, die „Sebus den Sohn von Buda" nach Nyitra geschickt hat, um Vazul umzubringen. Auf ihren Befehl hat Sebus den Vazul blindgemacht und ihm danach zerschmolzenes Blei in beide Ohren gegossen." Die Ursache ist natürlich dieselbe: Péter beim Erwerben des Throns behilflich zu sein und dadurch die Macht den Deutschen in die Hände zu spielen. Die Ursache der negativen Darstellung der Gizella ist ausserordentlich einfach und heute ist auch schon die Erklärung dessen in den historischen Werken endgültig angenommen. Eine der Ursache ist in dem ungarischen Königsideal zu suchen. König István, der heiliggesprochen wurde und so viele Verdienste in der Grün­dung des ungarischen Staates und der Bekehrung der Ungarn zum Chris­tentum gehabt hatte, konnte nicht so böse gewesen sein, es mußte also je­mand anders erfunden werden, der den kranken, vielleicht auch nicht mehr über seine volle Tatkraft verfügenden König dazubrachte, der ihn betrogen 103

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