Vállalkozó polgárok a Dunántúlon a dualizmus korában. Konferencia Veszprémben, 1994. október 13-14. (Veszprém, 1995)

Hannes Stekl: Unternehmer in Klein- und Mittelständten Österreichs (1848–1918)

galvanisierten Bestecken und Luxusgeschirr weltweit Bekanntheit erlang­te. Nach den Entwürfen des Wiener Hofburgarchitekten Ludwig Bau­mann ließ Arthur Krupp 2 seit 1888 die Industriesiedlung in eine Art „Gartenstadt" umwandeln. In streng achsialer Ausrichtung dominierten die auf einer Anhöhe gelegene Unternehmervilla, die an die Wiener Pe­terskirche erinnernde Margaretenkirche, flankiert von Mädchen- und Knabenschulen, sowie die Kruppstraße mit Beamtenwohnhäusern. Die in verschiedenen Typen und Stilformen gestalteten Arbeiterhäuser lagen in mehreren, von der Hauptachse ausgehenden, kurvigen Nebenstraßen; Alleen und Gärten ermöglichten positives Erleben von Architektur und Wohnen. Die pittoreske Anlage garantierte Wohnqualität und suggerierte Heimatgefühl; sie ließ dabei die intensive Bindung an das Unternehmen in Vergessenheit geraten, welche sich durch die hohe Verschuldung beim Kauf ergab. Die Schaffung von Institutionen für Reproduktionszwecke (von einer Speisehalle sowie einer Konsumanstalt samt Fleischhauerei und Großbäckerei über Werks-Musikschulen bis zu Sanitätsstationen und dem 1898 gestifteten „Kaiser Franz Joseph-Theater") schufen ein „Insel­gefühl", 3 welches Kontakte zur Außenwelt deutlich reduzierte. 4 Doch auch in weniger geschlossenen Industriesiedlungen kam es — oft unter den Protesten eines frühen Umweltschutzes — zu tiefgreifenden Eingriffen in das Landschaftsbild: durch die Schaffung von Lagerhallen, den Bau von Zubringerstraßen, die Herstellung von Gleisverbindungen zu den nächsten Bahnlinien, die Anlage von (mitunter schiffbaren) Werks­kanälen sowie von Transportseilbahnen, die Errichtung von Gasometern bzw. von kleineren Wasserkraftwerken zur Sicherung der Energieversor­gung. Selbst weniger wohlhabende Handel- und Gewerbetreibende trugen durch den Einsatz neuer Marketing-Konzepte zur Veränderung des Stadtbildes bei. Der Schlossermeister und Eisenhändler Jacob König (1841-1921) trat in der Erinnerung seines Sohnes Theodor in der niederösterreichischen Kleinstadt Retz „immer für den Fortschritt" ein. Er ließ daher den Geh­steig vor seinem Geschäft mit feuerfesten Ziegeln pflastern: „Es war das erste schöne Pflaster am Hauptplatz, und es wurde damals viel kritisiert." „Viel Aufsehen" errregte es auch, als der Unternehmer „ein Portal für Auslagen mit der Geschäftstür aus eisernen Rollbalken bestehend" an­fertigen ließ. Freilich — „im Laufe der Zeit wurde Vaters Beispiel oft nachgeahmt". 5 50

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