Vállalkozó polgárok a Dunántúlon a dualizmus korában. Konferencia Veszprémben, 1994. október 13-14. (Veszprém, 1995)
Peter Eigner: Heiratspolitik und „Freunderlwirtschaft”. Personelle Verflechtungen als Spiegelbild der Bank-Industrie-Beziehungen in der österreichisch-ungarischen Monarchie
man häufig, so auch bei Adolf Ulimann, bei Leó Lánczy, Fülöp Weiss, Julius Blum oder den Madarassy-Becks. Nach dem Handelsmittelschulabschluß begannen sie mit 16 oder 17 Jahren als Praktikanten, waren mit 25 bis 27 Prokuristen, mit 30 bis 36 Generaldirektoren, einige sogar schon Präsidenten. 3b. Der indirekte Weg war weit seltener zu finden. In einigen Fällen gelang es Juristen wie Mikosch, die für strittige Angelegenheiten herangezogen worden waren, zu Bankdirektoren aufzusteigen. Sehr selten erfolgte eine Berufung aus dem Staatsdienst, hohe Staatsfunktionäre waren bislang vielfach zu Dekorationszwecken geholt worden (wie Mérey von Káposmére, CA, oder Glanz von Eicha, AB). Mit den Sektionschefs Alexander Spitzmüller und Rudolf Sieghart (er hatte eine Blitzkarriere in der Bürokratie hinter sich, die ihn zuletzt zum Präsidialchef des Ministerratspräsidiums machte) 24 zeichnete sich eine Wende ab. Ihre Übertritte in die Bankenwelt erregten in der Öffentlichkeit großes Aufsehen, da die Berufsbilder eines hohen Beamten und eines Bankdirektors als unvereinbar galten. Als Bankdirektor war man genötigt, gegen antikapitalistische Vorstellungen anzukämpfen. Dies verdeutlichen folgende Zitate eindrucksvoll: „Der Kapitalist, dem sein Grundbesitz nicht den zehnten Teil dessen abwirft, was ihm seine geschäftlichen Unternehmungen eintragen, wird sich Großgrund- oder Gutsbesitzer, nicht Industrieller oder Kaufmann nennen." 25 „Die Auffassung von industrieller und finanzieller Tätigkeit ... war damals anders als heute. Man betrachtete den Staatsdienst als das Nobile officium schlechthin, während Stellen an der Spitze von Erwerbsunternehmungen weit weniger hoch gewertet wurden." 26 Auch Spitzmüller fürchtete, daß ihn der „in der haute finance herrschende qualifizierte Erwerbsgeist in Gegensatz zu seinen in langjähriger Staatsdienstzeit erworbenen und festgehaltenen Grundsätzen und zum Berufsethos des österreichischen Beamten" 27 bringen werde. Karl Morawitz beklagte übrigens in seinen Publikationen den Mangel an Bankdirektoren und verstärkt dadurch den durch die Analyse der Verwaltungsräte gewonnenen Eindruck einer Generationenwende. 28 Er führte dies auf mehrere Gründe zurück, auf die hohe Attraktivität des Staatsdienstes, auf den niedrigen sozialen Rang des Kaufmannsstandes (oft übrigens im Zusammenhang mit mangelnder Ausbildung und dem Wunsch nach einer Neukonstruktion des Gymnasiums), ja selbst auf mangelnden Wunsch nach Reichtum. Er kritisierte, daß der Nachwuchs 110