Vállalkozó polgárok a Dunántúlon a dualizmus korában. Konferencia Veszprémben, 1994. október 13-14. (Veszprém, 1995)

Peter Eigner: Heiratspolitik und „Freunderlwirtschaft”. Personelle Verflechtungen als Spiegelbild der Bank-Industrie-Beziehungen in der österreichisch-ungarischen Monarchie

daß die „Freunderlwirtschaft" und die Heiratspolitik das weitere Kon­zernwachstum erleichterten. Feilchenfeld, Kestranek und Kerpely waren 1907 allein für 32 Verflechtungen mit den wichtigsten Betrieben der Montanindustrie der Monarchie verantwortlich. Dieses Netzwerk um den gigantischen Konzern der Prager Eisenindustrie-Gesellschaft ließ schon unter Zeitgenossen den Eindruck entstehen, daß das Prager Unternehmen nachhaltig die Geschäftspolitik seiner Hausbank, der Niederösterreichi­schen Escomptegesellschaf t, beeinflußte. Der Bankier - Versuch einer Annäherung Wenden wir uns nun dem Bankdirektor, dem wir auch die Privatbankiers und einige höhere Bankangestellte zugeordnet haben, als soziale Katego­rie zu. Dieser Teil beschäftigt sich mit einer Facette der vielschichtigen Bank-Industrie-Beziehungen, die in dem von mir durchgeführten For­schungsprojekt nur am Rande berücksichtigt werden konnte, was weniger über ihre Bedeutung als mehr über meine begrenzte zeitliche Kapazität aussagt. Es geht um die Erstellung einer Art Kollektivbiographie der Ban­kiers meines Datenkörpers. Beispielhaft und nur in ersten Ansätzen soll hier der Versuch unternommen werden, einige (notwendigerweise gewag­te) Thesen über die Herkunft, die Karriereverläufe usw. aufzustellen. 18 1. Die Mehrheit der österreichischen (wie auch ungarischen) Bankiers waren Zuwanderer, deren größter Teil aus Böhmen (Taussig, Mikosch), Mähren (Morawitz) und Schlesien (Sieghart) stammte. 19 Selbst die Grup­pe der in Wien Gebürtigen hatte zumeist einen zugewanderten Elternteil aufzuweisen. Der Rest des „deutschen" Österreichs war kaum vertreten (Ausnahme: der Vorarlberger Brettauer, MB). 2. Die Mehrheit der österreichischen Bankiers waren Juden. 20 Zum Teil waren sie konvertierte Juden wie die Feilchenfelds, zum Teil praktizie­rende wie Taussig, der an der Spitze der Wiener jüdischen Gemeinde stand. Ausnahmen bildeten die Katholiken Mikosch und Spitzmüller (beide CA) sowie Chavanne (MB). Dem unterschwelligen Antisemitismus des Lueger-Wiens wird zumeist keine sehr große Rolle zugewiesen. Dies wird mehr als relativiert, wenn man in Spitzmüllers Memoiren aus dem Jahr 1955 (!) liest: „So paradox es klingt, so ist es doch eine Tatsache, daß auch unter den eigentlichen sogenannten Erwerbsmenschen (den Juden, d. V.) ethisch hochqualifizierte Persönlichkeiten zu finden waren." 21 Das eigentlich unfaßbare Zitat spricht für sich selbst. 108

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