Stach Reinhard – V. Fodor Zsuzsa (szerk.): Német iskolai faliképek 1880–1980 között. Kiállítás a Duisburgi egyetem általános főiskolai karának iskolatörténeti gyűjteményéből (Veszprém, 1989)
BILDUNG IM WANDEL DER ZEIT. HUNDERT JAHRE SCHULWANDBILDER Schulische Wandbilder bestimmten jahrzehntelang Inhalt und Methode des Unterrichts in den Schulen Europas. Theoretische Grundlage war das Prinzip der Anschauung, das der Tscheche Johann Arnos Komensky der Neuzeit mit auf den Weg gab und das der Schweizer Johann Heinrich Pestalozzi zum Fundament jeglicher Erkenntnis und Bildung erklärte. Die Devise aller Schulpädagogik lautete seither: Unterrichte anschaulich! Die Formulierung des Postulats war im Grunde einfacher als die Umsetzung der Forderung in die Tat. Die Geschichte der Pädagogik ist reich an Dokumenten solcher Bemühungen. Die bedeutenden Erzeugnisse sind uns bekannt: Der Orbis pictus des Comenius, der Bildband des Johann Bernhard Basedow aus dem Jahre 1774 zu seinem Elementarwerk und in dessen Folge die Entwicklung von Schulwandbildern. Die Produktion dieses Unterrichtsmediums ging nur zögernd vor sich. Die Auskunft über die Anfänge ist spärlich. Die Bilder waren Gebrauchsmaterial. Die frühen Zeugnisse sind weithin verschollen. Basedow selbst hat einige seiner Buchbilder zum Zwecke öffentlicher Darstellung vergrößern lassen. Vielleicht war das der Anfang. Die Bilder der Ausstellung berücksichtigen die zeitliche Entwicklung, die inhaltliche Vielfalt und den Wandel im methodischen Denken. In der zweiten Hälfte des 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts befanden sich große Lehrmittelverlage in der Mitte Europas: der Verlag Wachsmuth in Leipzig, Meinhold in Dresden, Hirt in Breslau und Holzel in Wien. Sie versorgten mit ihrer Produktion ganz Europa. Das Bild blieb, die Beschriftung wurde geändert. Ein typisches Beispiel dafür ist Abbildung 1 aus dem Verlag von Ferdinand Hirt „Die Hauptformen der Erdoberfläche". In einem Prospekt rühmt sich der Verlag damit, daß dieses Bild ,,in über 9000 Exemplaren und in vielen fremdsprachigen Ausgaben 1' erschienen sei. In numerischer Auflistung veranschaulicht das Bild 52 Begriffe der allgemeinen Geographie vom Meeresstrand bis zum Hochgebirge: Mitteleuropa auf einen Blick. Von Duisburg nach Veszprém führt der erste Ausstellungsteil mit erdkund liehen Wandbildern. Duisburg besaß einmal den größten Binnenhafen der Welt (Abb. 2). Heute befindet sich in der Industriestadt an der Mündung von Rhein und Ruhr eine Universität mit dem Archiv für schulische Wandbilder. Es besteht seit ungefähr fünfzehn Jahren und besitzt 6.000 Originale und 12.000 Dias von Wandbildern aus Deutschland und Europa. Aus seinem Bestand sind die Exponate ausgewählt. Von Duisburg aus fahren wir den Rhein aufwärts. Der Kölner Dom (Abb. 3) grüßt die Vorbeireisenden und lädt zum Besuch ein. Der Dom1 vorplatz zeigt heute ein anderes Gesicht als zur Entstehungszeit des Wandbildes. Der Kölner Hauptbahnhof, direkt am Dom gelegen, ist auf unserem Bild noch nicht zu sehen. Damals fuhr man mit der Postkutsche von Köln aus weiter den Rhein entlang (Abb. 4). Es ist eine an Burgen reiche Landschaft. Der Gasthof mit der Weinlaube bietet Labe für Mensch und Tier. Aber nicht nur die Idylle wird sichtbar, sondern auch der Rhein als Lebensader, denn neben der Straße sieht man den Fluß und auch schon die Eisenbahn als Transportwege. In östliche Richtung geleitet uns die Donau, die dem Rhein als Verkehrsweg in nichts nachsteht. Noch im Bereich des Oberlaufs durchbricht sie bei Schloß Werenwag (Abb. 5) zum ersten Mal den Jura. Eine dramatische Landschaftsszenerie ist entstanden. Schroff ragen die Kalkfelsen empor, auf denen die Burgen wie Felsennester kleben. Schlösser, Burgen und Kapellen begleiten den Reisenden in das Ulmer Bekken. Hier begrüßt ihn von Ferne schon das Ulmer Münster (Abb. 6), die größte deutsche gotische Pfarrkirche. An der Mündung der Altmühl in die Donau durchbricht sie wieder den Jura. Zwischen Felsen und Fluß erstreckt sich auf dem schmalen Ufer das Kloster Weltenburg (Abb. 7), eine Benediktinerabtei, die im frühen 7. Jahrhundert durch Mönche gegründet worden ist. Sie war ein Stützpunkt der Christianisierung. An der Grenze zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Österreicht liegt an der Mündung von Ilz und Inn in die Donau die von den Flüssen zerschnittene Stadt Passau (Abb. 8). Von Passau aus führt der Weg in die ungarische Pußta, das einst weite, baumlose Weideland, mit den typischen Ziehbrunnen als Tränke für die Pferde-, Kuh- und Schafherden. Unser Bild (Abb. 9) wurde an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert gemalt. Heute sind große Teile des ungarischen Tieflandes durch Melioration zu Kornkammern kultiviert. Am Rande des Plattensees (Abb. 10) entlang, dem größten See Mitteleuropas, gelangen wir durch das Weinbaugebiet nach Veszprém. Schulische Wandbilder haben uns auf dem Weg begleitet und über Land und Leute informiert. Für den heimatkundlichen Anschauungsunterricht entstanden schon in der Mitte des vorigen Jahrhunderts die ersten Serien schulischer Wandbilder. Der Unterrichtsstoff wurde bestimmt durch den Kreislauf des Jahres. Er ist für die jungen Schüler wie das Erlebnis von Tag und Nacht der unmittelbar erfahrbare Wechsel der Zeit. Um dieses naive Zeiterleben zum Zeitbe27