Népi vallásosság a Kárpát-medencében 5/II. Konferencia Pápán, 1999. június 22-24. (Veszprém, 2001)
Rezümé
Resümee Die Quellen dienen mit besonders reichlichen Angaben über die Gläubigkeitsgegenstände. Etwa jeder vierte Aktenbund, hauptsächlich von Bürgern aus Győr bzw. von Kleinadeligen aus Dörfern des Komitats Győr (von römischkatholischen und lutheranischen Personen), erwähnte Bücher, neben allgemeinen Anordnungen mehrmals konkrete Werke: Bibeln, Katechismen, Gebets- und Gesangbücher, sowie wichtigere gottselige Lektüren des Zeitalters. Von der erhöhten Rolle der Bilder zeugen neben vereinzelten Angaben auch einige längere Aufzählungen: aus denen können wir uns neben den volkstümlichen Heiligen bzw. beliebten Themen von der Vielfalt der Marien-Darstellungen ein Bild verschaffen. Andere Gegenstände - z. B. Weihwasserbecken, Kruzifixe, Rosenkränze, Betschemel - werden seltener erwähnt, wie auch Spuren der Religionsausübung - z. B. Wallfahrtsteilnahme - wurden bloß in kleinerer Zahl in unsere Quellen aufgenommen. Im zweiten Teil unserer Abhandlung führen wir - nach der Systematisierung der Gegenstände - zwei Beispiele dafür, wie sich das religiöse Milieu, das religiöse Leben der gegebenen Familie aus je einem Aktenbund rekonstruieren lässt. Das von den Inventaren sich abzeichnende „Standbild" wandeln die ergänzenden Quellen - insbesondere die von den Vormündern der minderjährigen Waisen regelmäßig geführten sog. Tutorabrechnungen - in ein Laufbild um; aber diese Untersuchungen zeigen auch die beträchtlichen Differenzen zwischen den Familien mit verschiedener Bildung und gesellschaftlicher Lage. Deshalb können wir zusammenfassend sagen: die im Vortrag vorgestellten Waisenschriften gewähren uns ein ziemlich gutes Bild über das Alltagsleben, und als Teil dessen über die Gläubigkeit der Bürger und Kleinadeligen des 18. Jahrhunderts. K/iroly Csa'ky, Völkerkundenforscher (Dunaszerdahely): Volkskundliche Daten kirchlicher Dokumente Die Dokumentation der Kirchen bietet eine reiche Quelle für volkskundliche Untersuchungen. Die Matrikeln ermöglichen eine vielfältige Darlegung des Sittenschatzes, der mit den Wendepunkten des Menschenlebens zusammenhängt. Die Einträge der História Domus in einer gegebenen Zeitperiode stellen reiche Daten zur Verfügung, um das nuancierte Bild der Volksmoral und der Verhaltensgewohnheiten darstellen zu können. Die Einträge des História Domus der römisch - katholischen Pfarre von Alsószemeréd zwischen 1866 und 1935 untersuchend ist es leicht, das moralische Leben der Gemeinschaft zu ergreifen und dessen Normsystem zu bestimmen. Es ist überraschend, dass die Dieberei unter den Straftaten beinahe gewöhnlich und sowohl für Arme als auch für Reiche charakteristisch war. Die nächste typische Straftat war der Suff, ihm folgen Tathandlung, Raufhandel und sogar Mord und Selbstmord. Es ist traurig, dass der übermäßige Alkoholverbrauch sogar für Frauen charakteristisch war. Am Ende des 19. Jahrhunderts beschwerte sich der Dorfpfarrer über den Niedergang der Moral. Schon zu der Zeit und auch später wurden immer mehr Kinder außer Ehe geboren, es kam sogar zu mehreren Abtreibungen. Seit dem 20. Jahrhundert sind die Geburtenregelung, und dadurch auch das Einzelkind zu erwähnen. Den Grund dafür sah der Dorfpfarrer in der frühen Eheschließung und 448