K. Palágyi Sylvia szerk.: Balácai Közlemények 2005/9. (Veszprém, 2005)

ERTEL, CHRISTINE - STUPPNER, ALOIS: Der Oberleiserberg bei Ernstbrunn, Niederösterreich - Zur Rekonstruktion eines germanischen Herrschaftssitzes des 5. Jhs

CHRISTINE ERTEL-ALOIS STUPPNER DER OBERLEISERBERG BEI ERNSTBRUNN, NIEDERÖSTERREICH - ZUR REKONSTRUKTION EINES GERMANISCHEN HERRSCHAFTSSITZES DES 5. JHS. A. Ausgrabung und Befund (Alois Stuppner) Seit 1976 mit einer Unterbrechung von 1990 bis 1995 werden vom Institut für Ur­und Frühgeschichte der Universität Wien auf dem 45 km nördlich von Wien liegenden Oberleiserberg bei Emstbrunn, eine spätantike Höhensiedlung, archäologische Untersuchungen durchgeführt 1 . Der landschaftsbeherrschende Oberleiserberg (Abb. 1) liegt inmitten der hügeligen Landschaft des Weinviertels und besitzt eine plateauartige, durch steile Abhänge natürlich geschützte, 8 ha große Hochfläche, die mit 457 m Meereshöhe einen hervorragenden Femblick bis zu den Pollauer Bergen in Südmähren, bis zu den Kleinen Karpaten in der Slowakei und bis ins Wiener Becken und weiter bis ins niederösterreichische Voralpengebirge bietet. Schon in den zwanziger Jahren des 20. Jhs. führte H. Mitscha-Mährheim gemeinsam mit E. Nischer-Falkenhof systematische Grabungen auf dem Plateau durch. Er hielt die auf römische Art und Weise errichteten Gebäude für römische Militärbauten und nahm für die Zeit der Markomannenkriege die Existenz eines „Kastells" an 2 , eine Auffassung, die später revidierte 3 . Aufgrund der neuesten Untersuchungen wird auf der Anhöhe ein germanisches Herrschaftszentrum der Völkerwanderungszeit angenommen 4 . Die bisherigen Grabungen brachten an völkerwanderungszeitlichen Siedlungsstrukturen einen Herrenhof, ein Gehöft mit einer Feinschmiede und Spuren einer Gesamtbefestigung hervor (Abb. 2). Der Herrenhof, der am Westrand des Plateaus des Oberleiserberges liegt, bildet das Zentrum der Siedlung. An ihm konnten drei bzw. vier Phasen des Um- und Ausbaues festgestellt werden. Für die Rekonstruktion und den Aufriss des Herrenhofes wurden zwei zeitlich verschiedene Bauzustände herausgegriffen, nämlich Phase 2 am Beginn des 5. Jahrhunderts und Phase 4 um die Mitte des 5. Jahrhunderts. Der Herrenhof am Beginn des 5. Jhs. n. Chr. Zu dieser Zeit besteht der Herrenhof aus einem Haupt- bzw. Wohngebäude (Steinbau I), einer Hofmauer und einem Nebengebäude (Steinbau II) (Abb. 3). Das trapezförmige Hauptgebäude (Steinbau I) ist 35 m lang und 17 m breit und besteht aus einem Zentralbau und einem an der Ostseite angefügten, räumlich untergliederten Vorbau mit Längsräumen und Risaliten. Der Zentralbau, der in der ersten Phase aus den zwei saalartigen Räumen 6 und 7 5 bestand, weist drei Räume auf. Der südliche Raum besitzt eine dreistrahlige Kanalheizung, die beiden anderen Räume sind unbeheizt.

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