K. Palágyi Sylvia szerk.: Balácai Közlemények 2005/9. (Veszprém, 2005)
TOMANIC-JEVREMOV, MARJANA: Das Handwerksstadtviertel des römischen Poetovio
Metallbearbeitungswerkstätten In der Werkstatt im Handwerksstadtviertel wurden Gießgruben, neben ihnen Schmelzöfen und Tongießformen für Gürtelschnallen gefunden. 15 Die zweite Werkstatt 16 mit Schmelzöfen, Stein- und Tongießformen wurde auf den Anhängen der ersten Dravaterrasse in Spodnja Hajdina, im ehemaligen Stadtviertel Vicus Fortunáé, entdeckt. In der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts erzeugte man in dieser Werkstatt Fibeln des Typs Almgern 68 und kahnförmige Schließen für den norisch-pannonischen Gürtel, worauf uns Gießformen und Halberzeugnisse aufmerksam machen. Gläserwerkstatt Zwei Werkstätten mit Öfen wurden im Wohnviertel, im heutigen Ort Spodnja Hajdina, entdeckt. 17 In der ersten Werkstatt fand man zwei ovalförmige Öfen und die Trümmer des dritten Ofens. In der zweiten entdeckte man drei zerstörte Glasschmelzöfen. Die Stempel auf den Ziegeln und eine Bronzemünze des Kaisers Commodus sprechen dafür, dass die Öfen am Ende des 2. Jahrhunderts und im 3. Jahrhundert in Betrieb waren. Höchstwahrscheinlich befanden sich hier mehrere Öfen, weil man nicht weit davon entfernt Ziegelfragmente mit Glasschlacke gefunden hat. Die Spuren zweier Glaserwerkstätten wurden auch im Zentralteil und am Westrand des Handwerksstadtviertels entdeckt. Auf dem Panoramahügel fand man ein Stück von amorphem Glas, das deutet aber darauf, dass es auch hier Glasschmelzöfen gab. In den Werkstätten entdeckte man unter anderem viele Glasabfalle. Glasbruchteile, Stücke vom rohen amorphen Glas, im Handwerksstadtviertel auch Fragmente der Schmelztiegeln 18 (Abb. 8.4). Steinmetzwerkstätten Der Stein wurde in Räumen mit aus Lehm und Schotter verdichteten Boden behauen. Hier fand man Splitter des bearbeiteten Steines, unfertige Erzeugnisse, Kapitelle, Säulen, Sockeln und vieles anderes. 19 In Poetovio, das als ein Steinbearbeitungszentrum bekannt war, 20 wurden bisher sechs Werkstätten entdeckt. Vier davon im Handwerksstadtviertel, eine im Wohnviertel in Spodnja Hajdina und eine im Bereich des östlichen Gräberfeldes in Zgornja Hajdina. Beschluss Nach den Funden zu urteilen wurde das Handwerksstadtviertel, in dem große Töpfer- und Ziegelherstellungswerkstätten überwiegen, am Ende des 1. oder zu Beginn des 2. Jahrhunderts erbaut. Im Laufe des 2. und 3. Jahrhunderts breitete sich das Viertel aus, als die Stadt ihre maximale Größe erreichte. 21 Im 4. Jahrhundert waren nur noch vereinzelte Werkstätten in Betrieb, weil die Gräber aus dem zweiten Viertel