K. Palágyi Sylvia szerk.: Balácai Közlemények 2005/9. (Veszprém, 2005)
BECHERT, TILMANN: Hof oder Halle? Anmerkungen zur Überdachung des zentralen Innenbereichs kaiserzeitlicher Risalitvillen
es zunächst ein kapitales Miss Verständnis auszuräumen. Offensichtlich haben vor allem jüngere Kolleginnen und Kollegen Schwierigkeiten damit, sich offene Feuerstellen in geschlossenen Räumen vorzustellen. Geradezu krass wird es dann, wenn - wie etwa im Fall des Hauptgebäudes einer Villa in Ludwigsburg-Pflugfelden geschehen - das Vorhandensein zweier Öfen im Zentrum dieses Mittelraums oder Innenhofs als grundlegendes und einziges Argument gegen eine Überdachung ins Feld geführt wird 33 . Ähnlich urteilen auch andere Autoren 34 . Ihnen sei grundsätzlich entgegen gehalten, dass offene Feuerstellen schon in griechischen Häusern gang und gäbe waren (Abb. 7) und es zudem unter den vielen Beispielen kaiserzeitlicher Portikusvillen eine ganze Anzahl gibt, in deren sicherlich überdachten Nebenräumen manches - archäologisch nachweisbare - offene Feuer gebrannt hat, ohne dass dies jemals von irgendjemandem in der Forschung „beanstandet" worden wäre. Es sei hinzugefügt, dass wir uns die Mittelhallen - anders wohl als die Seitentrakte - als herausgehobene Baukörper mit umlaufendem Fensterkranz vorzustellen haben, wodurch nicht nur eine ausreichende Belichtung, sondern auch Belüftung möglich war (Abb. 1-4). Man kann dem gegenüber deshalb ohne Schwierigkeiten „den Spieß auch umdrehen" und die vielfach in den zentralen Mittelräumen nachgewiesenen Herdstellen und Backöfen in ganz wörtlichem Sinne zum Mittelpunkt der hauswirtschaftlichen Tätigkeiten erklären - von der wärmenden Funktion einer oder mehrerer zentraler Feuerstellen im Haus während des Winters, der vor 1800 oder 1900 Jahren seinen Namen sicher noch mehr verdiente als in unserer Zeit (zumal in Höhen um 450-500 m ü. NN!) - einmal ganz abgesehen. Wir würden damit ein ganz entscheidendes Kriterium für eine mögliche Überdachung gewinnen, dem sich weitere Argumente wie der Nachweis von Stampflehm- oder Mörtelestrichböden oder Reste von Ziegeldächern anfügen ließen. Auch Kellerabgänge gehören in diesen Zusammenhang. Dass auch sie grundsätzlich nicht im Freien lagen, zeigt ihr oftmaliges Vorhandensein im Bereich der Risalittürme oder Eingangsportiken. Sicher besaß der Zentralraum des Hauses auch einen Namen. Wir können nur vermuten, dass er culina lautete, wie Vitruvius in den von ihm beschriebenen Häusern die Küche nannte 35 . Abschließend sei wenigstens noch kurz auf die Frage der möglichen baulichen Entstehung der kaiserzeitlichen Portikusvilla eingegangen, weil ich glaube, auf diesem Wege noch ein weiteres wichtiges Argument für die grundsätzliche Möglichkeit einer Überdachung gewinnen zu können. Nachdem zweifelsfrei erwiesen wurde, dass diese Bauform nicht italischer Herkunft ist, sondern ihren Ursprung möglicherweise im gallischen Nordwesten hat 36 , bietet es sich an, den im nördlichen Frankreich häufig nachgewiesenen Rechteckbau 37 , wie er etwa auch im heutigen Rheinland-Pfalz - z. B. in Brücken, Kr. Kusel (Abb. 8) u. a. Plätzen des deutschen Südwestens - gefunden wurde, als Urform und Vorläufer der kaiserzeitlichen Portikusvilla anzusehen 38 , die in ihrer typischen Ausprägung frühestens seit der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts belegbar ist. Damit stünde - wie etwa am Beispiel des Hauptgebäudes in BruchmühlbachMiesau, Kr. Kaiserslautem, ablesbar - am Anfang der architektonischen Entwicklung ein rechteckiger, hallenförmiger Fachwerkbau (sog. Breithaus), dem im Zuge der