K. Palágyi Sylvia szerk.: Balácai Közlemények 2005/9. (Veszprém, 2005)

CZYSZ, WOLFGANG - SCHOLZ, MARKUS: Ein Opferdepot in der Römervilla am Kühstallweiher bei Marktoberdorf-Kohlhunden

(calfijdarium, Raum 3), von dort in das lauwarme tepidarium (Raum 4) und kühlte sich zuletzt im frigidarium (Raum 5), dem Kaltbad, ab. Es besaß ursprünglich eine in der Apsis untergebrachte, halbrunde Sitzwanne, die später durch ein ebenerdiges, ziegelausgekleidetes Bassin (piscina, Raum 6) ersetzt wurde, das man am Nordende des Eingangskorridors (Raum 7) installiert hatte. Im Zentrum des Kaltbads fand sich eine rechteckige Tuffsteinplatte von 0,80-0,85 m Seitenlänge, die man als Fundament eines hüfthohen Waschbeckens (labrum) deuten möchte. Das Loch in der Mitte deutet auf den Abfluss im Fuß dieses vermutlich steinernen Beckens. Wassergräben und Sickerschächte umzogen das eingeschossige Gebäude. Die innenarchitektonische Ausstattung war bescheiden; Reste von mehrfarbig bemaltem Wandputz und das Bruchstück eines Glasfensters entsprechen dem üblichen Standard. In der kurz beschrieben Bauart ist das Römerbad von Kohlhunden nicht ungewöhnlich, aber gerade wegen seiner typischen Anlage besonders geeignet, die antike Heiztechnik mit ihren Unterfußboden- und Wandheizungen (hypocaustum) darzustellen. Nachdem es gelungen war, den die Staatsstraße begleitenden Wirtschaftsweg zu verlegen und um das Gebäude hemrrrzuführen, kam der Gedanke auf, das Römerbad als Zeugnis römischer Geschichte und Kultur zu erhalten, mit einem Schutzhaus zu überdachen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, zumal die Umstände für ein solches Vorhaben selten günstig waren: Kommunaler Grund, beste Anbindung an öffentliche Rundwander-, Rad­und Fahrwege, die Lage inmitten eines Naherholungsgebiets mit dem stark frequentierten Badeweiher, die Nähe zu Schulen und Bildungsstätten der Kreisstadt und die Aussicht auf vergnügliche Wandertage, die Situation auch inmitten geologisch interessanter Strukturen, all das sind gute Argumente dafür, den Versuch zu wagen, ein neu entdecktes archäologisches Denkmal sichtbar zu erhalten und die Erholungslandschaft und den qualifizierten Tourismus um eine Attraktion zu bereichem. Von insgesamt acht um das Haupthaus gruppierten Wirtschaftsgebäuden konnten vier im Bereich der Straßentrasse genauer untersucht werden. Wenige Meter südlich des Wohnhauses lag ein quadratischer Holzbau von 10,5 m Seitenlänge (Gebäude 2). Holzhäuser sind im ländlichen Siedlungsmilieu zwar nicht ungewöhnlich, zählen aber doch zu den durchaus noch seltenen Beispielen ländlicher Wirtschaftsarchitektur - bei den meisten handelt es sich um Steingebäude oder Fachwerkbauten auf Steinsockelfündament. Der Rest eines dritten Nebengebäudes (Gebäude 4) lag im Norden, und zuletzt, unweit am Fuß des Moränenhügels, ein Steinbrunnen. Sein aus Gerollen in Lehm gesetzter Schacht konnte bis auf 4 m unter der Oberfläche, zuletzt mit dem Bagger, ausgehoben werden. Aus dem Schlamm der Brunnensohle wurden einige z. T. bearbeitete Holzobjekte geborgen, von denen der Wacholdergriff eines Flechtkorbes hervorzuheben ist. Den eher bescheidenen Funden nach zu urteilen, ist die villa rustica am Kühstall­Weiher verhältnismäßig spät, vermutlich erst in der Mitte des 2. Jahrhunderts erbaut worden. Der Hof wurde vermutlich bereits nach drei oder vier Generationen in der Mitte des 3. Jahrhunderts aufgegeben, ohne dass wir Spuren einer Zerstörung beobachtet hätten. Aus den letzten Jahren der Siedlung stammt ein bemerkenswertes Opferdepot mit einem reichen Ensemble an Terra Sigillata-Gefäßen.

Next

/
Oldalképek
Tartalom