K. Palágyi Sylvia szerk.: Balácai Közlemények 2005/9. (Veszprém, 2005)
TEICHNER, FELIX: Neue Forschungen zur ländlichen Besiedlung im Süden der römischen Provinz Lusitanien
FELIX TEICHNER NEUE FORSCHUNGEN ZUR LÄNDLICHEN BESIEDLUNG IM SÜDEN DER RÖMISCHEN PROVINZ LUSITANIEN Im Gegensatz zu den in der Folge des 2. punischen Krieges, noch während der Römischen Republik erschlossenen Küstenstreifen der hispanischen Provinzen Tarraconensis und Baetica, vollzog sich die Integration des im fernen Westen gelegenen Lusitaniens relativ spät. Neben den heute zumeist überbauten Urbanen Zentren sind es vor allem die ländlichen Siedlungsplätze, die Aussagen über entsprechende Entwicklungen zulassen. 1 Aufgrund neuerer Ausgrabungen wurden in den letzten Jahren aus dem spanichen Teil Lusitaniens (span. Provinz Extremadura) auch eine Reihe entsprechender römischer Villen in ersten wissenschaftlichen Berichten mit Grundplänen vorgelegt (Dona Maria, La Sevillana, Torre de Aguila, Monroy und La Cocosa). Dagegen blieb die Erforschung der ländlichen Siedlungsplätze der römischen Kaiserzeit im größeren portugieseschen Provinzabschnitt bislang ein Desiderat der Bodenforschung. Dabei verzeichnete das grundlegende Repertórium zu den bis zum Ende der achtziger Jahre veröffentlichten Fundstellen des römischen Portugals eine Vielzahl antiker Villen 2 , deren Entdeckung zum Teil schon damals über 100 Jahre zurücklag, die bislang allerdings nur durch vorläufige Grabungsberichte oder historischlandeskundliche Handbücher bekannt gemacht wurden. Zwar beschäftigten sich gerade in den letzten Jahren eine Reihe von Materialeditionen, etwa zu der handelsgeschichtlich interessanten Importkeramik (Terra Sigillata) vom Montinho das Laranjeiras (Alcoutim) oder aus Represas (Beja) bzw. den kunstgeschichtlich bedeutenden Bodenmosaiken von Torre de Palma (Elvas) und Rio Maior (Santarem), mit einigen dieser „portugiesischen" Villen. Gleichwohl blieben konkrete Aussagen über die zugehörige Architektur, den jeweiligen Siedlungsverlauf und die Wirtschaftsweise in Anbetracht der antiquarisch geprägten Arbeitsweise eher beschränkt. Allein die im Jahre 1990 von einem Autorenkollektiv unter der Leitung von Jorge de Alarcäo, Robert Étienne und Françoise Mayet vorgelegte Monographie „Les Villes romaines de Säo Cucufate" ermöglichte bislang einen Einblick in die Struktur und geschichtliche Entwicklung eines agrarisch geprägten Wirtschaftsbetriebes im römischen Lusitanien. Darüber hinaus hatte Jonathan C. Edmondson im Jahre 1987 auf der Basis des damaligen Forschungsstandes den Bergbau und die Fischsaucenproduktion als die entscheidenden Gewerbetätigkeiten der antiken Küstenprovinz herausgestellt. Ein von der Fritz-Thyssen-Stiftung in Köln in den Jahren 1999-2004 finanziertes Forschungsprojekt an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am Main (Institut für Archäologische Wissenschaften Abt. II, Archäologie und Geschichte der römischen Provinzen) zielte nun gerade auf die zeitgemäße Aufarbeitung fünf ausgewählter, zum Teil schon seit mehreren Jahrzehnten bekannter 3 , bislang jedoch wissenschaftlich unpubliziert gebliebener Siedlungsplätze im Süden des ehemaligen