K. Palágyi Sylvia szerk.: Balácai Közlemények 2004/8. (Veszprém, 2004)
ALFÖLDY, GÉZA: Die Inschriften des Hügelgrabes von Baláca - A balacai halomsír feliratai
können vermutlich mit sechs Männern rechnen, die für diese Altäre in Betracht kämen ([10], [11], [13], [16], [17], [18]). Höchstens eine angeheiratete Frau einer späteren Generation [21] scheint einen eigenen Grabaltar bekommen zu haben (XI), doch ist es durchaus möglich, dass es sich auch in diesem Fall noch um eine Angehörige etwa der dritten Generation handelt. Aus all dem lässt sich mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit die Schlussfolgerung ziehen, dass es in der Geschichte der Familie während der vierten bzw. fünften Generation ein einschneidendes Ereignis gab, welches dazu führte, dass für ihre Mitglieder am Tumulus keine Grabaltäre mehr aufgestellt wurden. Drittens: Wenn wir diese Beobachtungen in einen entsprechenden historischen Rahmen einzuordnen versuchen, ergibt sich ein wohl schlüssiges Resultat. So könnte man die oben vorgeschlagene relative Chronologie folgendermaßen in eine absolute verwandeln: Ti. Claudius Ti. f. Victorinus und seine Frau, wohl eine Valeria, ließen den Tumulus etwa um 100 n. Chr. oder etwas später errichten, d. h. in einer Zeit, als die große Villa von Baláca, um deren Eigentümer es sich handelte, bereits existierte und ihre luxuriöse Ausstattung mit qualitätsvollen Malereien gerade begann. 107 Im Sinne der oben dargebotenen Chronologie hätte dieses Ehepaar vier Kinder gehabt, nämlich drei Söhne, außerdem eine Tochter. Vom Reichtum und dem großen Ansehen der Familie in der pannonischen Gesellschaft weit über die engere Umgebung hinaus zeugt deutlich die Tatsache, dass zumindest einer der vermeintlichen Söhne des Victorinus, Ti. Claudius Ti. f. Április, etwa um 130, nicht nur zum decurio der Kolonie von Savaria gewählt wurde, sondern in dem unter Hadrian gegründeten Municipium von Carnuntum alle honores bekleidete und vielleicht sogar in den römischen Ritterstand aufgenommen wurde. Sowohl er als auch einer seiner vermeintlichen Brüder scheinen Väter von Söhnen oder zumindest eines Sohnes geworden zu sein, die das Mannesaltar etwa um 150 erreicht haben dürften. Jener Mann, der, vielleicht in der zweiten Hälfte der Regierungszeit des Antoninus Pius, etwa zwischen 150 und 160, ähnlich wie Ti. Claudius Ti. f. Április im Carnuntiner Municipium wahrscheinlich zumindest den Dekurionat innehatte, war wohl ein Sohn des Április und trat mit seinem kommunalen Dienst in Fußstapfen seines Vaters. Anscheinend hatten auch die Männer der dritten Generation jeweils Kinder, aber von diesen Mitgliedern der vierten Generation scheint - jedenfalls in der Zeit, als in Baláca noch Grabaltäre für die verstorbenen Mitglieder früherer Generationen errichtet wurden - höchstens einer geheiratet und einen Sohn bekommen zu haben, der als Dedikant - wohl als ein noch sehr junger Mann - in der Inschrift des seinem Großvaters gewidmeten Altars erscheint [13]. Bald danach brach die bis dahin regelmäßige Praxis, das Andenken der verstorbenen Mitglieder der Familie durch Grabaltäre zu bewahren, allem Anschein nach plötzlich ab. Das lässt sich kaum anders erklären als so, dass die Familie aufgehört hat zu existieren - oder dass ihre lebenden Mitglieder sowohl ihre Villa als auch den Bestattungsplatz aufgegeben haben und weggezogen sind. Den Anlass hierfür boten sehr wahrscheinlich die um 167 ausgebrochenen, mit einer kurzen Unterbrechung in den Jahren 175-178 bis 180 geführten großen Kriege, von denen Pannonién besonders stark betroffen war. Ob und inwieweit die Villa von Baláca damals in Mitleidenschaft gezogen wurde, lässt sich nicht genau ermitteln, aber die nachgewiesene partielle