K. Palágyi Sylvia szerk.: Balácai Közlemények 1996/4. (Veszprém, 1996)
ERTEL, CHRISTINE: Altar- und Architekturfragmente vom Tumulusgrab bei Baláca - A balácai halomsír építészeti elgondolása
4. Funktion der Grabaltäre Unter der Altarfragmenten gibt es keine Stücke mit Rändern von Hohlräumen oder dergleichen, die darauf hinweisen würden, daß die Grabaltäre beim Tumulus als Aschenbehälter dienten. Im Fall der Altarnachahmungen war diese Möglichkeit ohnehin aufgrund der geringen Kubatur nicht gegeben. Im Gegensatz zu den selbständigen Grabaltären im italischen Raum, die die Funktion der Urne übernahmen, 43 ist anzunehmen, daß die Aufgabe der Altäre beim Tumulus rein memorialer und formaler Art waren. Für die Bestattungen war die Grabkammer vorgesehen, die Altäre nahmen die Gedenkinschriften auf und dienten als Platz für die Totenopfer in Form von Wein, Weihrauch, Speisen und Blumen. 44 Darüber hinaus waren sie wichtige Bestandteile des Architekturkonzeptes des Tumulus, wie ihre einheitliche Gestaltung zeigt. Mehr als das zu einem bestimmten Zeitpunkt errichtete Bauwerk brachten sie die fortdauernde Tradition und das Weiterleben der Entwurfsidee zum Ausdruck. //. Inschriftfragmente 1 . Marmortafel Einen Sonderfall stellen die Bruchstücke einer Marmortafel dar, der aufgrund des Materials und der bereits aus der Breite des Rahmenprofils und der Buchstabenhöhe zu erschließenden beachtlichen Dimension eine hervorragende Position an dem Grabdenkmal zugewiesen werden mußte. Die Länge der Tafel betrug nach Maßgabe des rekonstruierten Textes (s: Beitrag Fitz) 1,50 m, ihre Höhe 0,27 m zuzüglich des Randprofils. Von der Inschrifttafel des Tumulus von Baláca ist ein Fragment des Randprofils erhalten. Es besteht aus einer geraden, 6 cm breiten Rahmenleiste und einem 6,5 cm breiten, einspringenden lesbischen Kyma, insgesamt also aus einer 12,5 cm breiten Profilierung. Von der Inschrift sind sechs Bruchstücke mit maximal zwei Buchstaben und weitere Fragmente mit minimalen Buchstabenresten erhalten. Die Höhe der Buchstaben beträgt 9 cm. Die Gesamtmaße der Tafel betragen demnach 1,75 m in der Länge und 0,52 m in der Höhe. Diese Tafel ist ein klassisches Formelement der Tumulusarchitektur, da an den italischen Rundgräbern die Grabinschrift das einzige Schmuck- und Informationselement ist, das meist über dem Eingang in die sonst kahle Tambourmauer eingefügt wurde. Neben der Höhe der Altäre beeinflußt auch die Inschrifttafel die Höhenrekonstruktion der Tambourmauer, da über dem Türgesims des Dromosportals und unter dem Kranzgesims des Tambours ausreichend Platz für sie bleiben muß (s. 5., Abb. 3). 2. Höhenrekonstruktion der Altäre I, II und III (Abb. I) Die Höhe der Altäre wurde von einem inhaltlichen und einem formalen Aspekt bestimmt. Entscheidend dafür ist einerseits die Länge der einzelnen Grabinschriften. Andererseits wurde oben dargelegt, daß eine gewählte Form der Grabaltäre in mehreren Exemplaren vervielfältigt wurde. Unabhängig von den einzelnen Texten wiederholte man eine bereits bei der Errichtung des Tumulus bestehende Formvorstellung. Die Bearbeitung der Inschriftfragmente (s. Beitrag Fitz) gestaltete sich anfangs sehr schwierig und schien zunächst keine vollständigen Zeilen und Texte zu ergeben. Für einen Vorbericht 45 versuchte ich einen ersten Rekonstruktionsvorschlag in Bezug auf die Höhenentwicklung der Altäre und des Tumulus auszuarbeiten. Da damals keine andere Möglich-