K. Palágyi Sylvia szerk.: Balácai Közlemények 1994/3. (Veszprém, 1994)
Vorträge - ALVINO, GIOVANNA: Die villa rustica in Mittelitalien am Beispiel des Sabinerlandes
Von den zahlreichen Villenanlagen sind meist die Terrassierungen erhalten geblieben, die als Basis für die eigentliche Villa fungierten und ursprünglich mit einfachen Terrassierungsmauern ein großes Viereck bildeten. Diese Mauer verlief an den bekannten Beispielen auf einer oder auf drei Seiten, bestand im unteren Teil aus Polygonalmauerwerk oder aus opus quadratum, darüber aus opus incertum, später dann aus Retikulat. Innerhalb dieser Stützmauern wurden in einer zweiten Phase Kryptoportiken auch mit mehreren Flügeln und mit vielfachen Funktionen angelegt 9 . Sie dienten zum Beispiel als Werkstätten, Voratskeller, Verbindungsgänge zwischen Wohn- und Wirtschaftstrakt der Villa und so weiter. Hinweise auf derartige Anlagen finden sich häufig in Orts- und Flurnamen, wie etwa Grottaglie (Fara Sabina), Grotte di Torri (Fara Sabina), I Casoni (Montopoli), die sogenannten Bäder der Lucilla (Poggio Mirteto), Sasso Grosso (Vacone), Villa d'Assio oder Grotte di S. Nicola (Colli sul Velino). Von den Wohnräumen sind Fußbodenmosaiken und Teile der Statuenausstattung erhalten 1 . Die Funde geben uns - zumindest solange reguläre Grabungen fehlen - nur wenige direkte Hinweise auf die Produkte dieser Villen, sodaß die antiken Schriftsteller noch immer die grundlegende Informationsquelle für unsere Kenntnis der Frage darstellen. Aus ihren Schriften geht hervor, daß die Landwirtschaft der tibernahen Sabina auf den spezialisierten Anbau - etwa von Wein und Öl - konzentriert war. Vielsagend in dieser Hinsicht sind die Wirtschaftsanlagen, die in den Villen von Sasso Grosso (Gemeinde Vacone), Casoni (Gemeinde Montopoli) und Grottoni-Torrette (Gemeinde Montopoli) in der tibernahen Sabina gefunden wurden. Viele weitere über das Land verstreute Zeugnisse lassen sich mit Wirtschaftsbetrieben in Verbindung bringen: So etwa torcular, arbores, trapeta, dolia und so weiter. Seit dem ersten Jahrhundert nach Christus nahm die Bedeutung der Ölbaumkultur immer mehr zu, wie etwa Columella (V,8,5) berichtet oder auch Galen, für den das Sabiner Öl das beste der damals bekannten Olivenöle war, das er auch als Basis für pharmazeutische Präparate empfahl (Galen, ed. Kuehn, XI, 869; XII, 513; VI, 196, 220, 287, 288; X, 392, 577, 822; XI, 870, 872; XII, 597). Mit aller Wahrscheinlichkeit war ursprünglich der Getreideanbau vorherrschend, der aber nach dem zweiten punischen Krieg, wohl wegen der Einfuhr großer Getreidemengen aus Sizilien, durch Reben- und Baumkulturen wie Wein und Öl ersetzt werden mußte. Ölbäume wurden in der Region seit dem sechsten Jahrhundert vor Christus gepflanzt, wie etwa die Olivenkerne aus der Grabung von Cures zeigen. Diese Kultur wurde dann immer weiter entwickelt, bis die Produktions 2 techniken am Ende der Republik sich nicht viel von den noch in jüngster Vergangenheit gebräuchlichen unterschieden. Das Sabiner Öl war das einzige italische Olivenöl, das von Columella auf die gleiche Stufe gestellt wurde wie das der Baetica, das allgemein als das beste galt. Auch der Weinbau war stark spezialisiert; Plinius der Ältere nennt (N. H., XIV, 38) - neben der visulla - als typische Rebsorte der Sabina die vinaciola, eine weiße Traube, die in den gemäßigten Zonen gut gedieh. Der Sabiner Wein wurde von berühmten Männern wie Horaz und Martial hoch geschätzt, für Galen kam er gleich nach dem Falerner. Weitere typische Erzeugnisse waren Feigen, Pfirsiche der Sorte supernatia (Plin., N. H. XV, 40), Eicheln (Strabo, Geo., V, 228) und Äpfel. Neben der Haustierhaltung, die für das Leben der Villen und der dazugehörigen Bauernhöfe unerläßlich war, spielte auch die Vogelzucht eine wichtige Rolle. Beträchtliche Einkünfte kamen vor allem aus der Haltung von Drosseln, und viele römische Händler mieteten Vogelhäuser in der Sabinergegend, um dann die Vögel außerhalb der Zugzeiten wieder zu verkaufen (Varro, R. R., III, 4, 2). In der inneren Sabina führten die schon erwähnten abweichenden geographischen und