K. Palágyi Sylvia szerk.: Balácai Közlemények 1994/3. (Veszprém, 1994)
Vorträge - ALVINO, GIOVANNA: Die villa rustica in Mittelitalien am Beispiel des Sabinerlandes
GIO VANNA AL VINO DIE VILLA RUSTICA IN MITTELITALIEN AM BEISPIEL DES SABINERL ANDES Das alte Sabinerland ist heute auf drei moderne Regionen verteilt, und zwar auf Bereiche von Latium, Umbrien und Abbruzzen. Hier soll der Teil der Sabina behandelt werden, der mit der Provinz Rieti im Nordosten der Region Latium zusammenfällt. Wenn man vom römischen Sabinerland spricht, kann man nicht umhin, auf die geographischen und historischen Unterschiede hinzuweisen, die zwischen den südlichen und den durch die Sabinerberge von ihnen getrennten inneren Landesteilen bestehen; - Unterschiede, die schon immer tief in die Lokalgegebenheiten hineingewirkt zu haben scheinen. Die Landschaft nimmt stark unterschiedliche Züge an, die sich ganz entscheidend auf den Charakter und die Typologie der Siedlungsformen und der wirtschaftlichen Strukturen auswirken. Die Landschaft des südlichen Teils ist von Hügeln und weiten Ebenen geprägt, deren Schwerpunkt das Tibertal bildet und die mit Rom durch die Via Salaria verbunden sind, die auch für die inneren Regionen die Hauptverkehrsader darstellt. Die Gebiete weiter im Landesinneren dagegen konzentrieren sich um das Velinotal; die Landschaft ist herber, sie wird von den Ausläufern des Appennin und von der weiten Ebene des lacus Velinus beherrscht, dessen Ausdehnung stark von den klimatischen Veränderungen abhängig war. Die endgültige Eroberung des gesamten Sabinerlandes erfolgte um 290 vor Christus - am Ende des dritten Sabinerkrieges - durch den Konsul Manius Curius Dentatus. Unweigerlich brachte die Romanisierung des Gebietes einschneidende Veränderungen der bisherigen Siedlungsformen und der wirtschaftlichen Verhältnisse mit sich. 1 Auch unter den geänderten Bedingungen behielten einige der alten sabinischen Zentren wie etwa Cures, Reate und Trebula Mutuesca ihre Funktion bei und wurden zu den neuen Schwerpunkten des Territoriums. Die Eingliederung der gesamten Sabinergegend in die neue politische und institutionelle Ordnung war zwar von starken Kontrasten zwischen den verschiedenen römischen Gesellschaftsklassen begleitet, aber auch den unterlegenen Sabinern kam in dieser radikalen Reorganisation eine wichtige Rolle neben den römischen Bürgern zu, denen einzeln oder durch die Veräußerung von ager quaestorius in den eroberten Gebieten Land zugeteilt wurde, also ohne die Gründung von Kolonien zu Zwecken der Verteidigung oder der Besiedlung. Die endgültige Eingliederung des Sabinerlandes in die römische Welt führte zu raschen Veränderungen der Landschaft, die sich besonders in der Senke von Rieti abzeichnen; sie bestand im Wesentlichen aus dem ausgedehnten lacus Velinus und aus Sumpfgebieten, die tief auf die wirtschaftlichen Gegebenheiten der Gegend einwirkten. Im dritten Jahrhundert vor Christus fand dieser beherrschende Einfluß der Umweltfaktoren sein Ende durch eben den Manius Curius Dentatus, der die Ebene von Rieti trockenlegte, indem er den Marmore-Kanal graben ließ und so die Gefahr künftiger Überschwemmungen durch den Velino bannte. Dieser Eingriff ermöglichte eine bessere Nutzung des Bodens, damit einen höheren landwirtschaftlichen Ertrag und die Entstehung von Wohn- und Landwirtschaftsniederlassungen . Die in letzter Zeit von Universität Leicester durchgeführten Surveys in der Ebene von Rieti haben Hinweise auf eine dichte Besiedlung in Form von römischen Niederlassungen, villae rusticae und den dazugehörigen Bauernhöfen erbracht, die in vielen Fällen bis in die spätrepublikanische Zeit zurückreichen und eine Siedlungskontinuität bis zum fünften/sech-