K. Palágyi Sylvia szerk.: Balácai Közlemények 1994/3. (Veszprém, 1994)

Vorträge - KAB AKCIEVA, GERGANA: Neue Untersuchungen an der römischen Villa „Annira" in der Provinz Thrakien

dieser Gruppe zählt, so kaum man seine Entstehungszeit zum Ende der Regierungszeit Ha­drians oder spätestens Mitte des 2. Jh. datieren. Das hier erwähnte Mosaik mit den mytholo­gischen Gestalten ist nach einem im voraus festgelegten Schema gearbeitet, und die Idee, den Besitzer und seine Kinder darzustellen, ist wohl erst im Laufe der Arbeit aufgetreten (Abb. 11). Diese Darstellung stört nicht nur ein streng festgelegtes Schema, sondern befin­det sich auch an einer ungewöhlichen Stelle - in der Nordecke des Mosaiks, in der Nähe des Eingangs des Raums. Zur 2. Bauperiode gehört meiner Meinung nach auch der Bodenschmuck in Raum 1, dem Vestibül der Villa, mit den mehrfarbigen Marmorplatten (opus sectile) und der Wandver­kleidung wie im Peristyl reich dekoriert (Abb. 12). In dieser Form, ohne wesentliche Veränderungen, bestand die Villa wahrscheinlich fünf­zig bis sechzig Jahre und erst zur Zeit der Severer begann der Bau des großen Saales 6 (neu­es triklinium der Villa), wie auch die Nebenräume im Ostteil des Wohnhauses des Villenbe­sitzers. Diese Annahme ist nicht nur durch das Fehlen eines konstruktiven Zusammenhangs zwischen den erwähnten Räumen und den übrigen Teilen der Villa begründet, sondern auch durch das Mosaik im Raum 6 (Abb. 13). Es gehört zum Typ „Mosaiken mit einem Medail­lion im Mittelpunkt" 28 . Im Medaillion des Mosaiks der Villa „Armira" ist das Kopf der Me­duse dargestellt 29 . Neben dieser Darstellung sind grobe Bilder der personifizierten Winde und Jahreszeiten. Dieses Mosaik ist dreifarbig - weiß, rot und schwarz. Es ist anzunehmen, daß das Mosaik von Raum 6 das Werk eines einheimischen thrakischen Meisters ist. Die Ergebnisse der Untersuchungen markieren nur einige Probleme, vor die uns ein anti­kes Denkmal wie die Villa „Armira" stellt. Ob diese Villa von den ersten Jahrzehnten des 3. Jh. bis zum dritten Viertel des 4. Jh., als sie durch einen Brand zerstört wurde, ohne jegli­chen Umbau oder gründliche Renovierung existiert hat - das viele andere Fragen können uns nach einer weiteren Erforschung beantwortet werden. Die Anlage und die Ausstattung der Villa lassen auf ein typisch römisches Wohnhaus ei­nes reichen Besitzers schließen. Für die Errichtung der Villa als Zentrum eines großen Landsitzes schon im letzten Viertel des 1. Jh. u.Z. gibt es auch historische Argumente. Die These, daß ein solches großes Anwesen 30 in diesem traditionnell politisch und wirtschaftlich aktiven Gebiet, wie Ostthrakien war 31 , nur als demonstrative Maßnahme im Zusammenhang mit den Besuch des Imperators Hadrian 123/124 in Thrakien entstanden war, ist wohl kaum haltbar. Es wäre wohl richtiger, ihr Enstehen mit dem historischen Kontext in Verbindung zu bringen, daß die Villenanlage am Armira-Fluß in die Zeit der Herrschaft der Flavier-Dy­nastie fällt, in der Thrakien in eine römische Provinz verwandelt wurde, nachdem es im Jah­re 45 u.Z. annektiert worden war. Für diesen Prozeß ist charakteristisch, daß Rom sein stärkstes Integrationsinstrument einsetzt - das System des Wegebaus in seiner klassischen Form 32 und die Kolonisierung seiner Veteranen mit dem Ziel, diese Wege zu schützen 33 und eine soziale Schicht zu schaffen, die als Stütze der römischen Administration in der Provinz dient 34 . Eine andere Frage ist die ethnische Herkunft dieser Veteranen und Menschen, die im 1. Jh. das Recht erhielten, sich Bürger Roms zu nennen. In der Literatur wird die Auffas­sung vertreten 35 , daß es sich hier bei einem großen Teil um Einheimische handelt. So hat sich also in der zweiten Hälfte des 1. Jh. in den uns interessierenden Gebieten eine Mi­schung von Großgrundbesitzern gebildet, die aus Nachkommen der einheimischen Aristo­kratie und ehemaliger Soldaten, die Reichtum und Privilegien erworben haben, besteht. Die Urbanisierungstätigkeit des Kaisers Trajan (96-117) und auch Hadrians (117-138) wirkt sich auf den Provinzialisierungsprozeß Thrakiens aus, wobei die koloniale und munizipiale Praxis eine große Rolle spielt. Eine solche Sicht würde auch der Diskussion ein Ende setzen, auf wessen Territorium

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