Savaria - A Vas Megyei Múzeumok értesítője 31/2. (2007) (Szombathely, 2008)
Georg TIEFENGRABER: Zum Burgenbau in der Oststeiermark. Kelet-Stájerország várépítészetéről
diesen Anlagen wurden von K. Kojalek des Weiteren auch fast vollständig abgekommene Burganlagen bzw. Ruinen dokumentiert, wie beispielsweise die Ruinen der Burgen Glojach und Hagegg (Abb. 7) Die chronologische Einordnung sämtlicher Anlagen kann bislang - abgesehen von rahmenhaften formalen Kriterien und den eventuell vorhandenen historischen Eckdaten — ausnahmslos über Streu- und illegale Detektorfunde erfolgen. Hierbei sind in erster Linie die zahlreichen und bemerkenswerten Funde der Sammlung Eder zu nennen, die nunmehr geschlossen im Tabormuseum Feldbach aufbewahrt werden. Diese Funde vermögen zumindest einen guten Überblick über die reiche Sachkultur sowie die zeitliche Dimension der jeweiligen Burgen zu vermitteln. Und gerade hierbei zeigen sich auffällige chronologische Differenzen, die wohl - vorbehaltlich einer denkbaren selektiven Fundaufsammlung! - tatsächliche historische Gegebenheiten reflektieren. So kann zum momentanen Zeitpunkt festgehalten werden, dass von keiner Motte bzw. keinem Hausberg mittelalterliches Fundmaterial vorliegt, das vor das XII. Jahrhundert datiert werden könnte. Die Masse der Funde lässt sich ins XIII. und XIV. Jahrhundert stellen, vereinzelt begegnet auch noch Jüngeres. Die Metallfunde umfassen erwartungsgemäß Militaria (Pfeilspitzen, Armbrustbolzen, Lanzenspitzen oder auch Streitkolben), Pferdegeschirr und Reitzubehör, Werkzeug und Hausrat. Daneben liegen fast regelhaft Schmiedeschlacken als direkter Nachweis handwerklicher Aktivität im Burgbereich vor. Neben den Keramikfunden ist eine gar nicht geringe Menge an Hohlglasfragmenten zu erwähnen, die einen erneuten Hinweis auf das gehobene kulturelle Milieu bzw. die ökonomischen Kapazitäten der Bewohner liefert. In der Zusammensetzung der Fundkomplexe entsprechen die Hausberge und Motten dem aus dem Bereich von Steinburgen Bekanntem. Das - wie bereits oben erwähnt - weitgehende Fehlen von stratifizierten Grabungsfunden aus Steinburgen ist mit den anderen Anlagen ebenfalls durchaus vergleichbar. Die wiederum zum überwiegenden Teil als Streufunde vorliegenden Relikte hochmittelalterlicher Sachkultur aus Burgen - überwiegend von deren Abhängen und aus Schuttschichten — decken sich in ihrer Zusammensetzung weitgehend mit dem vorher erwähnten Fundmaterial. Statistische Aussagen über einen eventuell zu erwartenden „höheren" Lebens- bzw. Ausstattungsstandard sind bei vorliegender Materialbasis verfrüht, doch zeichnet sich vage ein gewisses Gefälle ab, das in erster Linie einmal anhand der größeren Fundmengen aus Steinburgen greifbar wird, wie beispielsweise von der Riegersburg, der Ruine Klöch und den beiden Gleichenberger Ruinen (Alt- und Neu-Gleichenberg). Eine Burgen- bzw. Bauforschung an Burgen nach modernen Gesichtspunkten unter Einbeziehung von Archäologie und damit verbundenen Hilfswissenschaften hat in der Oststeiermark bislang noch nicht stattgefunden.