Savaria - A Vas Megyei Múzeumok értesítője 24/3. (1997) (Szombathely, 1997)

Etela Studenikova: Késő bronzkori bronzleletek Eger környékéről

SAVARIA24/3 (1998-1999) PARS ARCHAEOLOGICA Der Trensenknebel gehört zu Formen, die eine brei­te geographische Verstreuung aufweisen. Sie kommen vom Ossetien im Osten bis Baden-Württemberg im Westen vor (METZNER-NEBELSICK 1994, 390, 442-443, Abb. 4). Nach der Gliederung G. Kossacks (1954, 135-136) gehört er zum Typ IL Für die Knebel dieses Typs verwendet man im Osten gebräuchlich die Bezeichnung von A. N. Terenozkin: Typ Kamysevacha (1976, Abb. 87). In der neueren Literatur mit detail­lierterer Gliederung der Trensenknebel bezeichnet sie C. Metzner - Nebelsick als Typ VI, wobei sie unter ihnen noch einen selbständigen Typ VII mit großem verzierten Kopf heraussondert. Diese kommen aus­schließlich im Westteil des Karpatenbeckens und in Mitteleuropa vor, wo auch ihre lokale Produktion vor­ausgesetzt wird (1994, 393, 429, Abb. 5). Aus nord­ungarischem Gebiet wird ein ähnlicher Trensenkne­beltyp aus dem Fundort Füzesabony erwähnt, also aus der nächsten Nähe von Eger. Sie sind sowohl in Grä­bern, als auch in Hortfunden vertreten, aber vorwie­gend in älteren Zusammenhängen. Die Frequenz ihres Vorkommens umgrenzt man beiläufig vom Beginn der Stufe HaB 2, doch in keinem Falle tauchten sie bisher in einer jüngeren Fundkollektion als das 8. Jh. v. Chr. auf. Im Vebreitungsgebiet der östlichen Koban-Kultur datiert man das Erstvorkommen der Winkelknebel in Gräbern schon an das Ende des 10. Jh. v. Chr. (KOS­SACK 1980, 131 ff.). Der Winkelknebel selbst ist al­lerdings in karpatischen bzw. mitteleuropäischen Fund­verbänden genauer durch Begleitfunde örtlicher Prove­nienz mit überzeugender Aussagefähigkeit datiert. Für die chronologische Einordnung der Kollektion im Rahmen der endbronzezeitlichen Stufen ist nicht einmal die bronzene Phalere mit Rückenöse ausnütz­bar. Ihr Vorhandensein unter den sog. kimmerischen Funden ist im Karpatenbecken verlaufend, und zwar seit dem 9. Jh.v.Chr. Besonders häufig begegnet man ihnen in Körpergräbern der Mezőcsát Kultur (Abb. 3: 1-2). In zeitgleichen Goldhortfunden kommen oft auch aus Gold angefertigte Phaleren vor. Die unverzierte Phaleren mit Rückenöse gehören jedoch zu jenen Gegenständen, von denen festgestellt werden kann, daß sie sowohl karpatenländische als auch osteuropäische Machart haben. Der dreiarmige Zügelring (Abb. 1: 4) hat offenbar keine direkte Analogie. Ausgenützt konnte der Zügel­ring als Riemenverteiler einer Jochschirrung gewesen sein. Die Gestaltungsart der hohlen konischen Arme durch plastische Rippen ist mit dem einarmigen Bron­zering aus dem Grab 4 des Gräberfeldes EckivaSki „In­dustrija" vergleichbar, wo zusammen Omit bimetali­schen Dolch des Kabardino-Pjatigorje Typs, einem ge­radem Stangeknebel mit drei seitlichen Ringösen und einem Flossenortband des Cernogorovka-Kreises verge­sellschaftet ist (VINOGRADOV - DUDAREV - RU­NIÖ 1980, 187,197, Abb. 2). Ähnliche Knochenringe mit gerippten Armen erscheinen im nordpontischen Raum auch an anderen Lokalitäten (z. B. Zol'noje auf derKrym: TERENOZKIN 1976, 44, Abb. 17: 12). Hin­sichtlich einer möglichen Interpretation ist der dritte, unfunktionelle (?) Arm interessant. Er hat die Form einer Miniaturaxt mit abgesetzter Schneide und mit schematisch dargebotener verbreiterter Tülle. Es ist nicht von der Hand zu weisen, daß es sich hier um eine symbolische Bedeutung handelt. Der letzte Gegenstand in der Kollektion aus dem Umkreis von Eger - die hohlgegossene Riemenkreu­zung (Abb. 1: 3) - hat seine Parallelen an mehreren Lokalitäten mit sog. kimmerischen Denkmälern im Karpatenbecken (z. B. Batina - Kiskőszeg), aber ohne beglaubigte Fundumstände. Hingegen stammen aus Osteuropa entsprechende Gegenstücke aus gut datierten Hortfunden: im galizischen Goligradi und in Mosanec im mittleren Dnjestr-Tal (CHOCHOROWSKI 1993, Abb. 42: 53-54; SMIRNOVA - VOJNAROVSKIJ 1994, 137 ff., Abb 2: 29). Beide Hortfunde enthalten auch Bronzeknebel und andere Pferdegeschirrbestand­teile, auf deren Grundlage ihre Datierung mit der Hort­fundstufe Va T. Kemenczeis (1996, 84) synchroni­sierbar ist. Das Verzeichnis und besonders die im J. 1954 publizierte Verbreitungskarte (KOSSACK 1954, 158, Karte 3), auch nach der Ergänzung um Neufunde (PARZINGER 1995, 268, Abb. 24; VASIC 1977, Taf. 51: 42; Smolenice-Molpir - unveröffentl.) deuten auf eine Möglichkeit ihrer Produktion während der Spät­bronzezeit im Gebiet des Karpatenbeckens. Sie gehören zu jenen Gegenständen, die in Grabverbänden aus der Früh- und Junghallstattzeit im Karpatenbecken und in Mitteleuropa gut datiert sind, aber ohne eine formen­kundliche Einflußnahme aus dem Osten wäre ihre brei­te Verwendung nicht denkbar (KOSSACK 1954,136). Die Frage der chronologischen Stellung des Fundes im Rahmen der zeitgleichen Befunde im östlichen Kar­patenbecken ist kompliziert, schon wegen der unbe­kannten Fundumstände und der Zweifel über seine Vollständigkeit. Der Winkelknebel erscheint im Rah­men des „kimmerischen" Horizontes mit älteren For­men örtlicher Erzeugnisse, d. h. im 9. Jh. v. Chr. Die hohlgegossene Riemenkreuzung hat Parallelen in Fundkomplexen, in denen bis zum Beginn des 8. Jh. v. Chr. überlebende Gegenstände vertreten sind. Wir ver­muten deshalb, daß die rahmenhafte Einstufung des Fundverbandes aus der Umgebung von Eger in die Hortfundstufe Va (nach T. Kemenczei) im allgemeinen annehmbar ist, wenn wir auch im Streben nach einer Synchronisierung mit manchen mitteleuropäischen Funden auch über eine etwas ältere Datierung erwogen haben. 312

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