Savaria - A Vas Megyei Múzeumok értesítője 23/3. (1996-1998) (Szombathely, 1998)
Római kor II. Vegyes - Mráv Zsolt: Architrávfelirat Savariából, a város nevének említésével
MRÁV ZSOLT: ARCHITRÁVFELIRAT SAV ÁRIÁBÓL, A VÁROS NEVÉNEK EMLÍTÉSÉVEL dem Wort sacferdos] ergänzen. Deshalb enthielt die Inschrift am Porticus unter anderem den Namen des Bauherrn, sein Munizipalamt und den Namen der Stadt, an die es gebunden war. Das Priesteramt des sacferdos] bedeutet in dem Fall die als Spitze des cursus bekleidete Würde eines Oberpriesters der Provinz. Alldas setzt die Existenz eines Porticus voraus, den eine Person erbauen ließ, die zunächst als Munizipal in Savaria, dem Zentrum des Kaiserkults von Pannónia Superior, Karriere machte, und die später auch das Amt des Hohepriesters der Provinz errang. Doch in Anbetracht der Art der Fragmente (oberes Gesims, gesondertes Inschriftenfeld) und ihrer Datierung ist dies weniger wahrscheinlich. Sofern die Inschriftenfragmente aber die Fassade eines Tempels geschmückt haben, kann das Wort SAC eindeutig zu der auf Sakralbauten bezogenen Formel sacfrum] ergänzt werden. Aufgrund des hinter der Buchstabenreihe CLAV SA[ —] des 2. Fragments vermuteten Stadtnamens lassen sich die in Betracht kommenden Möglichkeiten bezüglich der Bestimmung des Tempels - da ein rawwHs-Bauvorhaben der städtischen Beamten auszuschließen ist - auf zwei begrenzen. 1. Wurde der Stadtname gebunden an den Namen des Gottes in der Dedikation erwähnt, dann hatte man den Tempel, dessen Existenz durch die Inschriftenfragmente anzunehmen ist, wohl dem Genius der Stadt geweiht. Demzufolge können die Fragmente in der Form [Genio col(oniae)] Clau(diae) Safvariensium] sacfrum —/ ergänzt werden. Für diese Möglichkeit sprechen einmal die Popularität, die die Genien der Städte genossen, bzw. ihre bekannten Tempel, zum anderen ein in Szombathely gefundener Altar des Genius von Savaria. 2. Wenn sich hinter den Buchstaben CLAV[ —] SA[ —] des Fragments Nr. 2 jedoch der im Nominativ stehende Stadtname von Savaria verbirgt, deutet dieses Heiligtum auf einen Gemeinschaftsbau. Da wir Beispiele für Tempelbauten auf städtische Initiative ausschließlich im Falle von Heiligtümern der kapitolinischen Gottheiten und des Kaiserkults kennen, ist auch die Architrav-Inschrift von Savaria ähnlich zu interpretieren. Allerdings kann das Epistyl des Kapitols von Savaria - angesichts der bekannten Marmorbauglieder des Tempels - nicht aus Kalkstein gewesen sein, die Fragmente mögen also zu einem munizipalen Tempel des Kaiserkults, aller Wahrscheinichkeit zu dem eines zum Gott erhobenen Kaisers, gehört haben. In Anbetracht des im ganzen Reich an vorderster Stelle rangierenden Kults der Stadtgründer sowie des in Savaria - aufgrund einer Marmortafel mit der Inschrift Difvo] Claufdio—J - nachweisbaren Claudius-Kults dürfte es sich bei diesem Divus vermutlich um den zu den Göttern gezählten Claudius handeln. Man hatte nämlich schon früher angenommen, daß in Savaria ein Heiligtum von ihm existierte. Diese Identifizierung wird auch durch die Datierung des Buchstabentyps der Tempelinschrift ins flavische Zeitalter bekräftigt, da zu der Zeit dem Claudius-Kult staatlicherseits erneut Anerkennung zukommt. Vespasian läßt, um seine Dynastie zu stärken, die Verehrung der Divi wieder aufleben und im Zeichen dessen die städtischen Heiligtümer des Claudius in Camulodunum (Cholchester) und in Rom restaurieren. Dem anspornenden Beispiel dieser kaiserlichen Politik folgend, nicht zuletzt aber der herausragenden Rolle wegen, die Claudius als Gründer in der Geschichte der Stadt gespielt hat, dürfte nach meinem Dafürhalten eventuell die Stadt Savaria beschlossen haben, den unter den Flaviern neu in Schwung kommenden Kult des Divus Claudius einzubürgern und einen ihm geweihten Tempel zu errichten. Der Stadt Savaria und ihren Bewohnern mögen das Ereignis der Stadtgründung und dadurch die Person des Gründers Claudius wohl besonders wichtig gewesen sein, denn Savaria war in Pannonién die einzige claudische, und nach dem Anschluß von Emona an Italien (§A§EL 1989, 169-174.) die früheste Siedlung mit Stadtrecht. Dieser Umstand, der Savaria in der Reihe der pannonischen Städte einen besonderen Rang verlieh, dürfte die Bürger der Stadt zurecht mit Stolz erfüllt haben. Somit wäre der Inschriftentext, im Falle einer Zugehörigkeit der Fragmente zum Tempel des Divus Claudius, am ehesten mit der [Divo Claudio] sacfrum, colonia] Clau(dia) Safvariensium conditori suo ex p(ecunia) p(ublica)(?) aedem fecit oder constituit oder exstruxitf?).] denkbar. Eine Möglichkeit, zwischen den beiden Versionen zu wählen, besteht vorerst nicht. Zur Entscheidung der Frage sind weitere Inschriftenfragmente erforderlich. Zsolt MRÁV Magyar Nemzeti Múzeum H-1088 Budapest, Múzeum krt. 14-18. 231