Gaál Zsuzsanna - K. Németh András (szerk.): A Wosinszky Mór Múzeum évkönyve 37. (Szekszárd, 2015)
Gaál Zsuzsanna: Tagyosi Csapó Ida (1807-1856), egy reformkori nő portréja
ZSUZSANNA GAÁL Ida Tagyosi Csapó (1807-1856), Portrait einer Frau aus der Reformzeit Die Autorin forscht seit langer Zeit in der Geschichte der Umwandlung des niederen Adels im 19. Jahrhundert im Komitat Tolnau. Ihre früheren Untersuchungen richteten sich in erster Linie darauf, welche Änderungen der Verbürgerlichungsvorgang in der Lage dieser Gesellschaftsschicht hervorgerufen hat, nicht nur in den Besitzverhältnissen, sondern in diesem Zusammenhang auch in der Berufswahl, Lebensführung und Mentalität. Als Teilbereich dieses umfassenden Themas wendet sich die Autorin in dieser Studie an die Überprüfung der Lage der Frauen. Die Schrift über die Lebensgeschichte von Ida Csapó ist die Veröffentlichung der ersten Resultate eines umfassenden Themas, es ist die Darlegung eines konkreten Lebensweges, begründet in erster Linie durch Archivalien. Die Autorin stellt sich in ihrer Studie fest, daß die Frauen im Adelstatus garnicht in dem Maße den Männern ausgeliefert waren, wie es früher von der Geschichtswissenschaft vorausgesetzt war. Sie besaßen in der ungarischen Ordensgesellschaft in mehrerer Hinsicht gleiche Rechte wie die Männer. Es wird jedoch gleichzeitig betont, daß es den patriarchalischen Charakter der Ordensgesellschaft nicht in Frage stellt. Bei der Untersuchung der Csapó-Familie läßt es sich auch feststellen, dass die Frauenmitglieder dem Zuwachs an Besitz wesentlich beigetragen haben. Daniel Csapó erlangte seinen Besitz in Tengelic durch seine Frau, Katalin Gindly, die in Arbeitsteilung mit seinem Mann zur Bewirtschaftung des Besitzes auch persönlich beigetragen hat. Das ganze Leben von Katalin Gindly wurde vom Adelsdasein bestimmt. Ihre Tochter konnte sich demgegenüber dank ihrer Eheschließung von der ursprünglichen Umwelt für Jahrzehnte trennen, sie fand Aufnahme sogar in die hochherrschaftliche Nobelwelt. Sie wurde als eine Dame mit Sternkreuz, sowie Frau des Gouverneurs von Fiume in Privataudienz der Kaiserin empfangen, ihr Salon wird von berühmten historischen Personen besucht und sie ist oft an der Tribüne des Parlamentsgebäude zu entdecken. In dieser Rolle versteht sich ihr Interesse für die öffentlichen Geschäfte von selbst, obwohl sie diesbezüglich von widersprechenden Einflüssen betroffen wird. Ihr Vater ist der Anhänger von liberalen Reformen, sein Mann, Pál Kiss von Nemeskér streut jedoch - auch durch seine Position - konservative Ideen. Nach der Wirkung ihres Vater verschreibt sich Ida Csapó des Nationalismus, aber wenn ihr eigenes Interesse es erfordert, so ist sie bereit sogar mit Haynau zu einem Tisch zu sitzen. 349