Gaál Attila (szerk.): A Wosinszky Mór Múzeum Évkönyve 22. (Szekszárd, 2000)
Zalai Gaál István: A györei neolitikus antropomorf edény
István Zalai-Gaál Die anthropomorphen Gefässe der Lengyel-Kultur Die Sitte der Brandbestattung während der linienbandkeramischen und lengyelzeitlichen Entwicklung des mitteleuropäischen Neolithikums wirft viele Fragen auf. Daten auf diese Sitte sind bereits aus dem Paläolithikum und Mesolithikum Europas bekannt. Die Brandbestattung als Sitte hat sich aber nur seit dem Neolithikum verbreitet. Die ersten Brandgräber der spätneolithisch-frühkupferzeitlichen Lengyel-Kultur gelangten in Aszód ans Tageslicht, wo die Brand- und Körperbestattungen im ganzen Bereich der Fundstelle vorhanden waren. 48 Als Ergebnisse der Rettungsgrabungen von Györe (SO-Transdanubien) entdeckte man 16, zu mehreren Gräberansammlungen gehörende Bestattungsobjekte der Lengyel-Kultur. In einem Hockergrab wurde Kupferschmuck, in einem anderen weißbemalte Keramik gefunden. Die Fragen der chronologischen Stellung und der Bestattungssitten dieses Gräberfeldes können wir erst nach der Restaurierung des Fundmaterials beantworten. Die Hockergräber bildeten hier eine separierte Gräbergruppe, sie wurden in einer Tiefe von 50-96 cm entdeckt, trotzdem waren die meisten davon durch die Bauarbeiten zerstört. In einigen Fällen konnte man auch die Grabgruben ovaler Form registrieren. Sowohl in Aszód, als auch in Györe sind beide Formen der Brandbestattungen, d. h. Urnengräber und Brandschüttungsgräber vorhanden. In den meisten Fällen der Bestattungsobjekte von Györe handelt es sich um Urnengräber: die Grabgefäße wurden übereinandergestülpt oder ineinandergestellt. Die Zahl der Stein- und Knochengeräte war in diesen Gräbern sehr klein. Das Phänomen, daß die Brandgräber von Györe besonders reich an Keramikgefäßen waren, steht in erster Linie mit ihrer relativchronologischen Lage in Beziehung. Aus den neun Brandbestattungen kamen nämlich etwa 50 Gefäße zum Vorschein. Elf davon wurden selbts ins Grab 12 und zwölf ins Grab 13 hingelegt. Die übrigen Brandgräber wurden mit 3-6 Gefäßen (mit Speise und Getränkebzw. mit verbrannten menschlichen Knochenresten) ausgestattet. In die Hockergräber legte man nur 1-3 Gefaßbeigaben nieder. Die hohe Zahl der Grabkeramik aus den Brandbestattungen, sowie ihre vorherige Analyse kann darauf hindeuten, daß diese Bestattungen die früheste Entwicklung der südtransdanubischen Lengyel-Kultur vertreten. Auf dem Bereich dieser Brandbestattungsgruppe wurde auch ein anthropomorphes Gefäß Svodiner Typus als Lesefund gefunden. Aus diesem Fund ausgehend haben wir die weiteren Bruchstücke von anderen ähnlichen Gefäßen aus dem südöstlichen Verbreitungsgebiet der Lengyel-Kultur bearbeitet und mitgeteilt. Anhand der Fundumstände kann man annehmen, daß solche Keramikgefäße sowohl in Györe, als auch in Svodin sogar in mehrere Bestattungen beigegeben wurden. Diese Funde deuten darauf hin, daß diese kanonisirte Form der Kultgefäße nicht nur in der südwestlichen Slowakei, sondern im ganzen östlichen Verbreitungsgebiet der Lengyel-Kultur bekannt und benützt wurde. Beschreibung des anthropomorphen Gefäßes von Györe: Dickwandiges Gefäß schwarzer Farbe aus grobkörnigem Ton, auf der Oberfläche mit Spuren roter Bemalung. Der Unterteil ladet sich konisch aus, auf der abgerundeten Bauchpartie steht ein nach innen geschweifter Schulterteil. Auf dem sich leicht ausbreitenden zylindrischen Hals steht ein kleneres dreigliedriges Gefäßchen mit scharfem Bauchumbruch, gewölbtem Schulter, sich ausbreitendem Hals und sich verjüngendem Rand. Die obere Partie des anthropomorphen Gefäßes wurde anhand der originalen Bruchstücke rekonstruiert und restauriert. Die nach oben und ein wenig nach außen gerichteten flachen Arme abgerundeten Durchschnitts stehen auf den zwei Seiten des Bauchumbruchs in sog. „adoranter Haltung" mit betontem Ellbogen. Auf die Brüste der weiblichen Darstellung wurden durch zwei Buckel auf dem Vorderteil der Bauchpartie hingedeutet. Fundort: Györe-Bocok, Lesefund. Höhe: 173,0 mm, Mündunsgbr: 75,0 mm, Bauchbr: 94,0 mm, Bodenbr: 94,0 mm. Inv.Nr.: Ö/99.1.27 (Abb. 1-2). NIKOLOV 1974, Abb. 14. 31