Gaál Attila (szerk.): A Wosinszky Mór Múzeum Évkönyve 19. (Szekszárd, 1996)
István Zalai-Gaál: Neufunde der neolithischen anthropomorphen Idolplastik im südlichen Transdanubien
2.2.4. Verzierungsart der Statuetten Die Idole waren ursprünglich rotbemalt. Da die meisten der behandelten Exemplare Streufunde sind, sind die Spuren der roter Bemalung nur bei acht Figuren erhalten (Kat. No.: 001, 015, 016, 018, 019, 021, 025, 031). Bei der Mórágyer thronenden Frauenfigur (001) und der Zengővárkonyer „Mutter mit Kind" (018) wurde die ganze Oberfläche mit roter Farbe versehen. Man soll bemerken, daß die Bemalung im Kreis der MBK-Idolplastik nicht häufig ist (9,9%); die eingeritzte Verzierung im eigentlichen Sinn ist noch seltener als die gemalte (PODBORSKY 1985, 211). Auch die eingeritzten Zeichen, Motive können an den verschiedenen Teilen der Statuetten aus kultischer Hinsicht wichtiger Bedeutung sein. Die eingeritzten Haardarstellungen wurden schon oben erwähnt. Auf der rechten Arm der „Mórágyer Göttinfigur" sind sieben horizontale eingetiefte kurze Striche zu sehen, die auf die Armbänder andeuten können: diese Frage und die Bedeutung der Anzahl der Armbänder in den neolithischen Bestattungen wurden schon früher diskutiert (ZALAI-GAAL 1993, 5., Abb. 2>-A, 6). In diesem Fall handelt es sich nicht um „gewöhnliche" Verzierunsgart auf der Statuette. Die eingeritzten mäanderartigen Motive können auf dem Brustteil der Zengővárkonyer Frauenfigur 012 wiederum mit der originellen Funktion des Gegenstandes verbunden sein. Verschiedene Arten der eingeritzen Motive sind schon vom Anfang der ältesten westlichen Linienbandkeramik an vorgekommen. O. Höckmann stellte fest, daß die Ritzverzierung auf der Vorderseite der LBK-Statuetten ist nicht die Regel: „im Normalfall ist entweder überhaupt nur der Rücken verziert" (HÖCKMANN 1988, 17). „Um so auffälliger ist es daher, da auch ein Figurenfragment aus der ältesten LBK von Eisleben ... auf der Brust ähnlicher Weise verziert ist wie der Goddelauer Torso ... Auf dem Rücken ist eine Art Kreuzmuster eingeritzt ... dessen seitliche Zwickel von recktwinklig umbiegenden mäanderartigen Hakenbändern eingenommen werden" (HÖCKMANN 1988, 15, 17). Die eingeritzten Zeichen der Vinca-Kultur hat Sh. M. M. Winn behandelt und ausgewertet (1981). Die nahestehende Parallele der eingeritzten mäanderartigen Motive auf dem Vorderteil der Figur 012 von Zengóvárkony stellen die Vinca-Statuetten von Jela (TRUHOVIC 1971; WINN 1981, Abb. 9-10) und Valac (TASIC 1959-1960, T. 11. 1; WINN 1981, Abb. 3), bzw ein Tonfigur von Vinca (VASIC 1936/III, T. 61, Abb. 285) dar. Die beste Analogie der erwähnten Zengővárkonyer Frauenfigur bildet die „Plastik ... mit dem pyramiden Kopf aus der Objekt 3 von Pecenady: auf ihrem Hals ist eingeritzte mäanderartige Motive zu sehen (PAVÚK 1965, 48., Abb. 6). Solche Motive kommen nicht nur bei Männerdarstellungen vor: Auf dem Brustteil eines „zoomorphen Tonlämpchen" von Mórágy-Tűzkódomb kommt wieder diese Zeichen vor (ZALAI-GAAL 1993, Abb. 6. 1. a-b). Man kann also mit Recht annehmen, daß diese Arte der Motive auf den Vorderteilen der neolithischen Tonplastiken nicht einfach als „Verzierung" aufgetragen wurden, sie konnten eher mit der originellen sakralen Funktion der Gegenstände eng verbunden sein. 3. DIE FRAGEN DER GESCHLETSDARSTELLUNGEN a) Weibliche Darstellungen: Die durch kleine Buckeln gebildeten Brüste sind für 15 Tonstatuetten (001-006, 008, 010, 013-014, 018, 020-021, 024, 034-035) charakteristisch. Die Darstellung der Brüste ist beim Exemplar 002 von Mórágy-Tűzkódomb besonders naturalistisch. Außer den Brüsten sind auch weitere Zeichen, die auf das Geschlecht der behandelten menschengestaltigen Tonfiguren hindeuten: die Weiblichkeit der Stauette 018 von Zengóvárkony wird durch einen Einschnitt zwischen den Beinen betont. Auf der stark betonten runden Sitzfläche der Figur 021 von Mórágy-Tűzkódomb ist wieder ein vertikaler Einschnitt zu sehen. Auf dem plastisch geformten starken „Sitzfläche" des Exemplares 025 befindet sich ein Einschnitt, obwohl die Figur keine Brüste hat. Ebenso markant ist die „Sitzfläche" der Frauenplastik 020. Das eingeritzte Dreieck der stehenden Statuette 034 von Villánykövesd weist eindeutig auf die Weiblichkeit hin. D. Srejovic war früher der Meinung, daß die Darstellung der weiblichen Geschlechtsorgane in der Vinca-Bi-, aber besonders in der B2-Entwicklung, „sowie in den übrigen gleichzeitigen Siedlungen der Vinca-Kultur allgemein wurde ... Zu dieser Zeit stellt man zum ersten Mal die Vulva auf den Figurinen dar (Kat. 93, 111)..." (SREJOVIC ??/205). Solche Beispiele sind auch in der MBK (PODBORSKY 1985, T. 54. 2b, T. 92. 2. b, T. 93. b, T. 103. 1. b) und auch in der Tripolje-Kultur (POGOSEVA 1985, Abb. 534, 537). Als gute Analogie für diese Erscheinung ist die Sitzfigur von Oborin zu erwähnen (VÍZDAL 1970, Abb. 4.). Eine Statuette der Tripolje-Kultur aus Kosilovcy kann als Parallelfund der stehenden Tonfigur 034 von Villánykövesd anzusehen, wo sich die Brüste und der eingeritzte Dreieck nebeneinander befinden (POGOSEVA 1985., Abb. 844). Für die Darstellung der Weiblichkeit sind Beispiele schon seit der frühesten südosteuropäischen neolithischen Entwicklung bekannt. Im südlichen Transdanubien ist dafür der Altar von Lánycsók (Starcevo-Kultur) das beste Beispiel, wo man nicht nur die Köpfe und Gesichtsteile darstellte: „Zu den beiden Köpfen gehört ein stark stilisiertes 64