Gaál Attila (szerk.): A Wosinszky Mór Múzeum Évkönyve 19. (Szekszárd, 1996)

Mészáros Gyula: Régi mórágyi kerámia

Alte volkskeramik von Mórágy Der dominierende Stil einer kunsthistorischen Epoche ist meistens in allen Zweigen der Kunst zu finden. Auch die Volkskunst kann sich diesen künstlerischen Stilrichtungen nicht entziehen, angefangen von dieser Zeit, wo wir einer selbstständigen Volkskunst überhaupt reden können. Aber die Volkskunst bewahrt die Motivschätze viel länger, auch nach dem Ende oder der Weiterentwicklung der inspirierenden Epoche diese an. Die Volkskunst ist vielleicht etwas konservativer als andere Kunstzweige. Dieses Phänomen kommt bei den Verzierungen der volkskeramischen Kunst aussergewöhnlich ausdrucksvoll zur Erscheinung. Dieses künstlerische Gebiet erforschend - haben wir nun die Keramik des XVIII.-n Jahrhundertes an einer einzigen, am südwestlichen Grenzgebiet Ungarns liegenden Gemeinde: MÓRÁGY im Komitat Tolna zum Gegenstand unserer Forschungen gemacht. Mórágy nimmt geographisch gesehen, aber auch aufgrund seiner einstigen blühenden Volkstöp­ferei einen zentralen Platz im Donau-Drau-Dreieck, zwischen den berühmten, in türkischer Manier arbeitenden Töp­ferzentralen Südwestungarns ein. Szekszárd, Baja, Mohács und Siklós umgeben dieses kleine Dorf in Hufeisenform, das - aufgrund der bisherigen Funde - ein bedeutendes Werkstattmaterial des alten, blühenden Töpferhandwerkes aufbewahrt hat. Die Volkstöpferei ist in dem auf steile Lössufer gebauten Mórágy schon länger als ein halbes Jahrhundert ausge­storben. Sogar die Spuren der in die herabgerissenen Ufer gebauten Töpferöfen werden langsam von den Einstürzen, Unkraut und der Zeit verwischt. Zwar die verlassenen Werkstätten reiche Sammelplätze des alten Motivschatzes der Volkstöpferei des 18. und 19. Jahrhunderts waren. Mehrere glückliche Umstände spielten dabei eine Rolle, dass sich die Volkstöpferei und die reiche keramische Dekoration in Mórágy so früh entfalten konnte: 1. In der Umgebung sind reiche Töpferton- und Farberde-vorkommen. 2. Übersiedlung calvinistischer, deutscher Bevölkerung nach der Türkenherrschaft in das unbewohnt gebliebene Mórágy in den Jahren 1724 und 1784. Die puritáné Weltanschauung der Protestanten übernahm in der Volkskunst gerne die Pflanzenornamentik. Auch die ungarischen Calvinisten hatten eine ähnliche Veitanschauung. Das beweisen die wunderbaren Decken-, Chor- und Möbelmalereien der ungarischen calvinistischen Kirchen Nord- und Südungarns und Siebenbürgens. 3. Der spezielle künstlerische Geschmack und Bedarf der immer wohlhabender werdenden calvinistischen Dörfer der Umgebung, in erster Linie des zwischen der Donau und der Sió liegenden Gebietes: „Sárköz". Es ist ein trauriger Fakt, dass bis zu dem heutigen Tage es der Forschung nicht gelungen ist von der Geschichte des früher mórágyer Volkskeramikhanwerkes, von ihren ersten Meistern, von ihrer Organisation gewerbevereintliches Dokumentenmaterial, amtliche Schriften, Gründungurkunden und desgleichen zu finden. Wahrscheinlich scheint es, dass die protestantischen Mórágyer keine Mitglieder der Töpferzunft waren. Solche Töpferzentralen gab es sogar mehrere in Ungarn im XVIII-XIX. Jahrhundert. Der Fundort und die Funde An dem am Steilufer liegenden Ende eines mórágyer Grundstückes ist 1970 eine mit halbfertigen Schüsselbruchtei­len gefüllte Töpferabfallgrube eingebrochen. Die fachkundigen Ausgrabungen 1970 konnten am Fundort nur mehr die Originallage der Töpferabfall grübe, sowie deren Vernichtung feststellen, aber konnte man den Ort der Werkstatt und des Töpferofens schon nicht mehr lokalisieren. Gleichzeitig gelang es aber eine beachtliche Menge sehr wertvoller volkskünstlicher Zierkeramik, hauptsächlich Bruchteile von Schüsseln zu sammeln. Die Mehrzahl der Scherben sind nur mit Engobe bedeckte Schüsselreste. Glasierte Scherben wurden nur in kleiner Zahl in der Töpferabfallgrube gefunden. Dieser keramische Fund aus dem XVIII. Jahrhundert ist mit dem Schüsselfertigerhandwerk verbunden. Die einstige, vernichtete Werkstatt hat in der Mehrzahl auf die Wand aufhängbares Ziergeschirr hergestellt: Schüsseln und in kleinerer Zahl Teller. Nur vereinzelt finden wir Scherben unglasierten Kochgeschirres (Töpfe). Aus der Reihe der Ziergeschirre fehlt der „Bokály" völlig, dieser Zierrgeschirrtyp, der im XIX. Jahrhundert ein charakteristisch schönes Produkt der mórágyer Töpferwerkstätten war. Fehlen aus den Formen die türkischen Tief­schüsseln, die Fuss-schüssel und die kugelschnittförmige Schüssel völlig. 227

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