Vadas Ferenc (szerk.): A Wosinszky Mór Múzeum Évkönyve 15. (Szekszárd, 1990)
Die Awaren und ihre Beziehungen zu anderen Völkern - Helena Zoll-Adamikowa: Slawisch-awarische Grenzzone im Lichte der Grabfunde
Slawisch-awarische Grenzzone im Lichte der Grabfunde HELENA ZOLL-ADAMIKOWA, KRAKOW Die Frage der awarisch-slawischen Beziehungen wird seit Jahrzehnten von vielen Forschern diskutiert. Außer der Auswertung der schriftlichen Angaben über die politischen Auseinandersetzungen zwischen beiden Völkern, erörtern die Archäologen das Problem vor allem unter dem Gesichtspunkt der gegenseitigen Einflüsse, einerseits in der materiellen Kultur (Tracht, Kampfweise u.s.w.) und anderseits in der Glaubenssphäre, d. h. Bestattungssitten. Der letztgenannte Bereich erwies sich als besonders wichtig für die Art der Kontakte in den Randgebieten des awarischen Kulturkreises, d. h. in jenen Gebieten die früher von den Slawen entweder zweifellos (Südwestslowakei) oder sehr wahrscheinlich (Westpannonien) besiedelt wurden (Literaturüberblick bei: BÉRES 1984; CILINSKÁ 1983; 1984; SZATMÁRI 1969; SZŐKE 1982; TOMKA 1986; ZÁBOJNIK 1988). Die Frage konzentriert sich auf die ethnische Zugehörigkeit der Bevölkerung, die auf den hier vorhandenen Körpergräberfeldern gemäß den awarischen Begräbnisbräuchen mit dem typischen awarischen Sachgut bestattet wurden. Im Laufe der Diskussion bildeten sich zwei Auffassungen des Problems heraus: 1. es waren die Truppen des Khagans, die das Land eroberten und die die einheimische Population entweder verjagten oder restlos ideologisch und kulturell assimilierten, 2. es waren die Slawen, die obwohl sie zeitweise den Awaren politisch unterworfen waren und sich deren Lebensweise völlig aneigneten, doch eine relativ selbständige Existenz führten (z. B. sogar Wachposten an strategisch wichtigen Punkten errichteten). Mehrere Elemente des Fundgutes und der Bestattungsweise wurden als Argumente hervorgehoben, und zwar das Fehlen oder Vorkommen von verschiedenen Keramikgruppen, die Art der Waffen - und Reiterausrüstungsbeigaben, die doppelte Rolle des Messers in der Grabausstattung (als Arbeitsgerät oder Trachtbestandteil), die spezifische Bekleidungs- und Frisureigenart, das Vorkommen von Feuerspuren im Grabe, der Typ und die Anzahl der Holzverkleidung in der Grabgrube, die Orientierung der Leichen u.s.w. Vielleicht wäre es nicht umsonst zwei andere, bis jetzt selten vorgebrachte Prämissen zu erörtern, und zwar: 1. - die allgemeinen, von allen slawischen Stämmen anerkannten eschatologischen Prinzipien, 2. - die räumliche Ausbreitung der birituellen Gräberfelder, die in den Kontaktzonen mit dem Vorkommensgebiet der awarenzeitlichen Körpergräberfelder auftreten. Die gründliche und ausfuhrliche Analyse der sämtlichen slawischen Grabfunde aus der Zeit vom 6. bis zum 12. Jh. im Gebiet von der Ostsee bis zur Balkanhalbinsel und von der Elbe bis zur Wolga bestätigt die schon von früheren Forschern aufgestellte Behauptung, daß die Leichenverbrennung und die 7 97